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Teleskopzeit für Galaxienjäger
von Stefan Deiters astronews.com
8. Januar 2008
Seit dem Sommer vergangenen Jahres kann jeder von zu Hause
aus Galaxien klassifizieren und damit den Astronomen helfen, mehr über die
Struktur des Universums zu erfahren. Die User von Galaxyzoo haben
inzwischen rund 500 neue überlappende Galaxien entdeckt. Dank dieser Resultate
konnte sich das Team nun Beobachtungszeit am WIYN-Teleskop sichern, um einige
der entdeckten Systeme genauer zu untersuchen.

Hubble-Aufnahme des überlappenden Galaxienpaars NGC 3314.
Bild:
NASA / Hubble Heritage Team (STScI/AURA)
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"Das ist das beste Weihnachtsgeschenk für unsere User das man sich
vorstellen kann", meint Dr. Chris Lintott vom Physik-Institut der University
of Oxford in England. Lintott hat zusammen mit Kollegen im Sommer ein
besonderes Internet-Forschungsprojekt ins Leben gerufen: Auf der Galaxyzoo-Webseite
können Benutzer Galaxien klassifizieren und so den Astronomen helfen, mehr über
diese Systeme und damit die Struktur des Universum zu erfahren (astronews.com
berichtete).
Jetzt konnte Lintott und sein Team ein beeindruckenden Erfolg vermelden: Die
Galaxyzoo-Nutzer haben über 500 Galaxien identifiziert, die - von der
Erde aus gesehen - eine andere Galaxie überlappen. Bisher waren nur 20 dieser
Systeme bekannt. "Überlappende Galaxien sind für uns sehr nützlich, weil wir
durch sie den Staub in den Systemen studieren können", erklärt Lintott.
"Staubkörner wiederum spielen eine entscheidende Rolle bei der
Galaxienentwicklung, da Staub für die Sternentstehung sehr wichtig ist."
Die Suche nach überlappenden Galaxien war eine Sonderprojekt auf der
Galaxyzoo-Webseite, das von Bill Keel von der University of Alabama
initiiert wurde. Er hatte im Forum von Galaxyzoo die User gebeten, nach
entsprechenden Systemen Ausschau zu halten.
Dank dieser Resultate haben die Galaxyzoo-Astronomen jetzt fünf
Beobachtungsnächte mit dem WIYN-Teleskop auf dem Kitt Peak in Arizona genehmigt
bekommen, wo sie einige der von ihren Usern entdeckten Systeme gründlicher
untersuchen wollen. "Wir erwarten einige spektakuläre Bilder von den Nächten in
Arizona", so Lintott, der auch bald mit den ersten wissenschaftlichen
Veröffentlichung rechnet, die auf der Galaxyzoo-Arbeit basieren.
Trotzdem benötigen die Astronomen noch mehr Helfer: "Auch wer die Seite schon
einmal besucht hat, sollte uns noch einmal besuchen und ein paar mehr Galaxien
klassifizieren, da wir die Daten zur Bestätigung unserer Resultate benötigen.
Diese Resultate könnten einen erheblichen Einfluss auf unser Modell vom
Universum haben."
Eines der überraschenden, wenn auch noch vorläufigen, Ergebnisse der
Untersuchung ist beispielsweise die Feststellung, dass es offenbar mehr Galaxien
gibt, die sich gegen den Uhrzeigersinn drehen. Man würde eigentlich erwarten,
dass die Drehrichtung im Universum gleichverteilt ist. Die Astronomen müssen
aber noch überprüfen, ob das Ergebnis nicht vielleicht doch durch das
menschliche Auge beeinflusst ist. Alles sei, so betonen sie, noch sehr
vorläufig.
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