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Europas Weltraumorganisation wird 30 (3)
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Ein schwieriger Start

Start der Ariane 5 ECA (Flug 164) am 12. Februar 2005. Foto:
ESA / CNES / ARIANESPACE-Service Optique CSG |
Als die Politik 1973 grünes Licht für die Entwicklung der Ariane gab,
hatte sie den autonomen Zugang Europas zum Weltraum im Blick. Dass sie zugleich
den Grundstein für einen neuen, lukrativen Wirtschaftszweig legte, war ihr
damals sicherlich nicht bewusst. Einen Markt für Satellitenstarts gab es damals
nicht. Im Gegenteil: Die USA verzichteten auf den Erhalt ihrer Trägerflotte,
denn sie entwickelten das wieder verwendbare Space Shuttle. Es sollte die
Startkosten drastisch senken und im Fließbandverfahren wöchentlich Satelliten
ins All bringen. Wer setzte angesichts derartiger Prognosen auf eine
konventionelle Trägerrakete?
Als am Weihnachtsabend 1979 die erste Ariane zu ihrem Jungfernflug
startete und fehlerlos ihren vorgesehenen Orbit erreichte, überlagerten sich
Freude und Erstaunen: Die Europäer können ja doch eine Trägerrakete bauen! Der
Wert der Rakete wurde schon bald durch die ersten wirtschaftlichen Erfolge
bestätigt. Ariane wurde zum Symbol für Europa und zum Symbol für einen
offenen Markt. Für Verkauf und Marketing der Ariane wurde Arianespace
gegründet, eine privates Unternehmen, dessen Anteile von der europäischen
Raumfahrtindustrie gehalten werden.
Schon bald stellte sich aber heraus, dass die Leistung der ersten Ariane-Version
für den internationalen Markt nicht mehr ausreichend war, denn trotz
Miniaturisierung wurden die Satelliten immer größer und schwerer. Die ESA
reagierte: 1981 startete sie ein Programm zur Leistungsverbesserung der
Trägerrakete. Die daraufhin entwickelten Modelle Ariane-2 und Ariane-3
boten zum ersten Mal in der Geschichte der konventionellen Trägerraketen die
Möglichkeit, zwei Nutzlasten gleichzeitig zu transportieren.
Shootingstar der sich vergrößernden Ariane-Familie wurde die
Ariane-4, eine der zuverlässigsten und wirtschaftlich erfolgreichsten
Trägerraketen der Welt. Während ihres 15jährigen Dienstes von 1988 bis 2003
brachte sie mehr als 180 Satelliten in die Umlaufbahn und Arianespace mit
den Markenzeichen "Doppelstarts" sowie "modulare Bauweise" erreichte einen
Marktanteil von bis zu 60 Prozent der weltweiten kommerziellen Satellitenstarts.
Von der aktuellen Version Ariane-5 hängt nun die Fortsetzung des
technischen und industriellen Erfolges der Trägerrakete in Europa ab. Bereits
2001 hatte die ESA beschlossen, die Ariane von 7,5 auf zehn und dann auf
zwölf Tonnen Nutzlast weiterzuentwickeln. Schon heute untersucht die ESA
verschiedene Konzepte für ein Ariane-Nachfolgeprogramm. Ziel ist, die
Transportkosten in den Weltraum von derzeit etwa 12 000 Euro pro Kilogramm zu
halbieren. Noch offen ist die Frage, ob es sich hierbei um ein wieder
verwendbares System oder um eine Einwegrakete handeln wird.
Die Entscheidung der europäischen Regierungen zu einem gemeinschaftlichen
Vorgehen beruhte zunächst auf rein wirtschaftlichen Erwägungen. Kein
europäisches Land konnte im Alleingang ein umfassendes und anspruchsvolles
Weltraumprogramm realisieren, das die Entwicklung, den Bau und den Betrieb
anspruchsvoller Satelliten sowie die Errichtung der notwendigen Infrastruktur
einschloss - Erprobungszentren, Bodenanlagen, Bahnverfolgungsnetze usw.
Die erforderlichen Strukturen hat die ESA gemeinschaftlich geschaffen: Neben der
in Paris ansässigen Hauptverwaltung unterhält sie folgende Einrichtungen:
- ESTEC, das Europäische Weltraumforschungs- und Technologiezentrum
in Noordwijk (Niederlande). Hier sind vor allem die technischen Forschungs-
und Testeinrichtungen der ESA angesiedelt.
- ESOC, das Europäische Satellitenkontrollzentrum in Darmstadt mit
einem umfangreichen Netz leistungsfähiger Bodenstationen in Australien,
Belgien, Französisch-Guyana, Italien, Schweden und Spanien. Das ESOC ist
insbesondere für die Kontrolle der europäischen Satelliten und Raumsonden
zuständig.
- ESRIN, das Europäische Institut für Weltraumforschung in Frascati
bei Rom (Italien). Hier sind die Direktion für Erdbeobachtung und alle
zugehörigen Tätigkeiten sowie die Informationsdienste der ESA angesiedelt.
- EAC, das Europäische Astronautenzentrum in Köln-Porz. Es ist seit
seiner Gründung im Jahr 1989 das Ausbildungszentrum des europäischen
Astronautencorps. ESAC, ist das Europäische Zentrum für Weltraumastronomie
und umfasst auch die Archive von vielen wissenschaftlichen Missionen der
ESA. Es befindet sich in Villafranca bei Madrid, Spanien.
- CSG, Europas Raumflughafen in Kourou, Französisch-Guyana
(Südamerika), wird als Start- und Testzentrum europäischer Raketensysteme
(Ariane, Vega, Sojus) genutzt.
Die Personalstärke der Weltraumorganisation, die Angehörige sämtlicher
Mitgliedsstaaten beschäftigt, liegt bei etwa 1.900 (2005). Mit den ESA-Programmen
für Trägerraketen, Wissenschaft, Telekommunikation, Erdbeobachtung und bemannte
Raumfahrt hat Europa nicht nur seine große Fachkompetenz unter Beweis gestellt.
Sie sind wichtig zur Sicherung und zum Ausbau hochqualifizierter Arbeitsplätze.
Derzeit beschäftigt die europäische Raumfahrtindustrie direkt 40.000 und
indirekt 250.000 Personen.
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