Anzeige
 Home  |  Nachrichten  | Frag astronews.com  | Bild des Tages  |  Kalender  | Glossar  |  Links  | Forum  | Über uns    
astronews.com  
Nachrichten

astronews.com
astronews.com

Der deutschsprachige Onlinedienst für Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt

Home  : Nachrichten : Teleskope : Artikel [ Druckansicht ]

 
ALMA
Wie sich Riesengalaxien im jungen Universum bilden konnten
Redaktion / Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie
astronews.com
13. Februar 2026

Die Existenz massereicher elliptischer Galaxien im frühen Universum gibt der Astronomie seit zwei Jahrzehnten Rätsel auf. Nun lieferten detaillierte Beobachtungen einer der spektakulärsten Galaxienansammlungen im jungen Universum mit dem Teleskopverbund ALMA neue Erkenntnisse zur Klärung dieser offenen Frage der Galaxienentstehung.

SPT2349-56

Ansammlungen junger Galaxien im frühen Universum, die später zu großen Galaxienhaufen heranwachsen, werden als Protocluster bezeichnet. Diese künstlerische Darstellung des Protoclusters SPT2349-56 zeigt wechselwirkende Galaxien unterschiedlicher Form und Größe sowie Gas (orange), das durch Gezeitenkräfte auseinandergerissen und erhitzt wird. Aufgrund seiner großen Entfernung von der Erde sehen wir SPT2349-56 so, wie er nur 1,4 Milliarden Jahre nach dem Urknall aussah, als das Universum zehn Prozent seines heutigen Alters hatte. Bild: N. Sulzenauer, MPIfR [Großansicht]

Eine überraschende Beobachtung bereitet der Astronomie seit zwei Jahrzehnten Kopfzerbrechen: Nur wenige Milliarden Jahre nach dem Urknall existierten bereits massereiche und entwickelte Galaxien. Forschende hatten erwartet, in dieser frühen Phase der Geschichte unseres Universums nur Galaxien mit jungen Sternen und aktiver Sternentstehung zu finden. Stattdessen gibt es viele elliptische Galaxien mit älteren Sternpopulationen und sehr wenig kaltem Gas, aus dem neue Sterne entstehen könnten. Diese Beobachtungen stellen eine Herausforderung für Modelle dar, die das Entstehen von Strukturen im Kosmos beschreiben.

Die Gruppe unter der Leitung von Nikolaus Sulzenauer und Axel Weiß vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) hat nun große Fortschritte beim Verständnis dieser Systeme erzielt. "In einem Universum, in dem größere Galaxien mit kleineren wechselwirken und durch das Verschmelzen mit diesen hierarchisch wachsen, müssen sich einige riesige elliptische Galaxien völlig anders gebildet haben als bisher angenommen. Anstatt über 14 Milliarden Jahre hinweg langsam Masse anzusammeln, könnte eine massereiche elliptische Galaxie in nur wenigen hundert Millionen Jahren entstehen. Sie kann sich durch den Kollaps und das Verschmelzen einer großen Urstruktur bilden, in der Zeit, die die Sonne benötigt, um einmal um das Zentrum der Milchstraße zu kreisen", erklärt Sulzenauer, Doktorand am MPIfR und der Universität Bonn.

"Wir haben festgestellt, dass sich die Strukturen mit den höchsten Dichten bereits bei nur zehn Prozent des aktuellen kosmischen Alters von der Expansion des Universums entkoppelt haben müssen. Anschließend haben sie schnell ganze Protocluster gebildet", so Sulzenauer weiter. Das durch den Kollaps verdichtete Gas löst ein kosmisches Feuerwerk aus, das durch Sternentstehung angetrieben wird und unglaublich hell ist. Es ist ein Leuchtfeuer im fernen Infrarot- bis Millimeterbereich und somit für Observatorien wie dem Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) und das Atacama Pathfinder Experiment (APEX) zugänglich.

Anzeige

Das Team beobachtete mit ALMA das kalte Gas und den Staub im Zentrum von SPT2349-56, einem Protocluster im südlichen Sternbild Phönix, das nur 1,4 Milliarden Jahre nach dem Urknall zu sehen ist. SPT2349-56 ermöglicht einen seltenen Einblick in die ersten Galaxienhaufen, die Ursprungsorte massereicher elliptischer Galaxien. "SPT2349-56 hält den Rekord für die aktivste Sternfabrik", bemerkt Weiß, der auch an der ursprünglichen Entdeckung von SPT2349-56 mit APEX beteiligt war. "Im Zentrum fanden wir vier eng miteinander wechselwirkende Galaxien, die alle 40 Minuten einen Stern hervorbringen", fügt Ryley Hill von der University of British Columbia in Kanada hinzu. Zum Vergleich: In der Milchstraße dauert es derzeit ein ganzes Jahr, bis sich drei oder vier Sterne bilden.

"Wichtig ist", betont Sulzenauer, "dass dieses Galaxienquartett riesige, zusammenhängende Gezeitenarme mit einer Geschwindigkeit von 300 Kilometern pro Sekunde ausstößt. Diese erstrecken sich über einen Bereich, der viel größer ist als die Milchstraße, und sie leuchten intensiv im Submillimeterbereich. Stoßwellen, die ionisierte Kohlenstoffatome anregen, verstärken ihre Helligkeit dabei um das Zehnfache. Dank dieser hellen Emission konnten wir die Bewegung des Gases präzise vermessen. Die Gasklumpen in den spiralförmigen Armen ähneln den Perlen einer Kette, die den Kern des Protoclusters umgeben. Zu unserer Überraschung sind die Klumpen mit 20 weiteren Galaxien verbunden, die sich in den Außenbereichen der kollabierenden Struktur befinden. Dies deutet auf einen gemeinsamen Ursprung hin. Zum ersten Mal beobachten wir den Beginn einer kaskadenartigen Verschmelzung. Die meisten der 40 gasreichen Galaxien in diesem Kern werden zerstört werden und schließlich in weniger als 300 Millionen Jahren – einem Wimpernschlag – eine einzige, riesige elliptische Galaxie bilden."

Duncan MacIntyre und Joel Tsuchitori, zwei Studenten der University of British Columbia und Mitglieder des Teams, führten detaillierte numerische Simulationen durch. Diese waren unerlässlich, um die Beobachtungen des Kollapses dieses Protoclusters mit früheren Studien zu entwickelten Galaxienhaufen zu verknüpfen. Es gibt eine auffällige Übereinstimmung zwischen diesen beiden Arten von Objekten, die zu unterschiedlichen kosmischen Zeitpunkten gefunden werden. Dies könnte nicht nur erklären, dass das zeitgleiche Verschmelzen großer Strukturen für das Entstehen massereicher Galaxien bedeutsam ist, sondern auch, wie Galaxienhaufen mit schweren Elementen (wie Kohlenstoff) angereichert und erhitzt wurden.

"Unsere Ergebnisse liefern zwar spannende neue Einblicke in die schnelle Entstehung elliptischer Galaxien, doch verschiedene Wechselwirkungen bleiben weiterhin ein großes Rätsel. Dazu zählen die Wechselwirkungen zwischen den Stoßwellen und dem Erhitzen von Gas durch das Wachstum extrem massereicher Schwarzer Löcher sowie deren Auswirkungen auf den Treibstoff für die Sternentstehung", bemerkt Scott Chapman von der Dalhousie University. "Es ist vielleicht noch zu früh, um zu behaupten, dass wir die 'frühe Kindheit' der riesigen elliptischen Galaxien vollständig verstehen. Wir sind jedoch schon weit gekommen, was die Verbindung zwischen den Gezeitenarmen in Protoclustern und dem Entstehungsprozess massereicher Galaxien in den heutigen Galaxienhaufen angeht."

Die Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift The Astrophyiscal Journal veröffentlicht.

Forum
Wie sich Riesengalaxien im jungen Universum bilden konnten. Diskutieren Sie mit anderen Lesern im astronews.com Forum.
siehe auch
ALMA & APEX: Galaxienkollisionen im jungen Universum - 27. April 2018
Links im WWW
Sulzenauer, N. et al. (2026): Bright [C II]158µm Streamers as a Beacon for Giant Galaxy Formation in SPT2349−56 at z = 4.3, ApJ, 998, 191
Max-Planck-Institut für Radioastronomie
In sozialen Netzwerken empfehlen
 
 
Anzeige
astronews.com 
Nachrichten Forschung | Raumfahrt | Sonnensystem | Teleskope | Amateurastronomie
Übersicht | Alle Schlagzeilen des Monats | Missionen | Archiv
Weitere Angebote Frag astronews.com | Forum | Bild des Tages | Newsletter
Kalender Sternenhimmel | Startrampe | Fernsehsendungen | Veranstaltungen
Nachschlagen AstroGlossar | AstroLinks
Info RSS-Feeds | Soziale Netzwerke | astronews.com ist mir was wert | Werbung | Kontakt | Suche
Impressum | Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung | Cookie-Einstellungen
     ^ Copyright Stefan Deiters und/oder Lieferanten 1999-2023. Alle Rechte vorbehalten.  W3C
Diese Website wird auf einem Server in der EU gehostet.

© astronews.com / Stefan Deiters und/oder Lieferanten 1999 - 2020
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.


URL dieser Seite: https://www.astronews.com:443/news/artikel/2026/02