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DLR sucht Probanden für 100 Tage Isolation oder 60 Tage im
Bett
Redaktion
/ Pressemitteilung des DLR astronews.com
2. Dezember 2025
Im Frühjahr starten im :envihab des DLR in Köln die Studien
SOLIS100 und SMC3. Dabei sollen die Auswirkungen von Isolation und
Schwerelosigkeit im All erforscht werden. Die Probanden werden entweder 100 Tage
isoliert oder verbringen 60 Tage im Bett. Bewerbungen für beide Studien sind bis
12. Dezember 2025 möglich. Bewerberinnen und Bewerber durchlaufen dann ein
mehrstufiges Auswahlverfahren.

Die Studie SOLIS8 hat die Studie SOLIS100
vorbereitet: Im Modul M5 des :envihab stehen sechs
Schlafkapseln über- und nebeneinander. Sie haben ein eigenes
Belüftungssystem und bieten ein wenig Privatsphäre. Die
ESA-Isolationsstudie SOLIS100 beginnt im kommenden Frühjahr.
Foto: DLR [Großansicht] |
100 Tage in einer beengten Umgebung, ohne Freunde und Familie, mit strengen
Regeln, in einem kleinen Team und abgeschottet von der Außenwelt – was macht das
alles mit uns Menschen? Darum geht es bei der Isolationsstudie SOLIS100, die das
Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) ab dem kommenden Frühjahr in Köln
durchführt. Initiator ist die Europäische Weltraumorganisation ESA. Die Studie
erforscht die Auswirkungen von Isolation auf die Gesundheit, die
Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden. Bewerbungen sind bis zum 12. Dezember
2025 über eine eigens eingerichtete Website möglich. Die sechs Teilnehmenden
müssen viele Voraussetzungen erfüllen, es gibt eine aufwändige Vorauswahl.
Parallel können sich Interessierte ebenfalls bis zum 12. Dezember 2025 für die
nächste Bettruhestudie SMC3 im DLR bewerben. Für SMC3 – in Zusammenarbeit mit
der amerikanischen Luft- und Raumfahrtbehörde NASA – sucht das DLR zwölf
terrestrische Astronautinnen und Astronauten.
"Zukünftige Raumfahrtmissionen werden die Erdumlaufbahn verlassen und weit
entfernte Ziele wie den Mond oder Mars im Blick haben. Da dies mit langen
Missionszeiten in Schwerelosigkeit einhergeht, ist es wichtiger denn je,
Astronautinnen und Astronauten auf die psychologischen und körperlichen
Herausforderungen vorzubereiten", sagt Dr. Amelie Therre vom DLR-Institut für
Luft- und Raumfahrtmedizin, Leiterin von SOLIS100. "Missionen zum Mond und zum
Mars erfordern psychische und physische Belastbarkeit, Selbstständigkeit und die
Fähigkeit, in isolierten und beengten Umgebungen zu bestehen. Um solche
Missionen erfolgreich durchzuführen und die Sicherheit von Astronauten und
Astronautinnen zu gewährleisten, müssen wir die Auswirkungen dieser extremen
Bedingungen auf die menschliche Gesundheit, das Verhalten und die
Leistungsfähigkeit erforschen."
Eine Reise zum Mond dauert etwa drei Tage. Auf dem Weg zum Mars sind
Astronautinnen und Astronauten ungefähr sechs Monate unterwegs. Und das auch
nur, wenn Mars und Erde in einer günstigen Konstellation zueinander stehen. Der
Mars ist zwar ein direkter Nachbar der Erde, aber trotzdem mindestens 55
Millionen Kilometer entfernt. Bis zum Mond sind es zum Vergleich "nur" rund
400.000 Kilometer. Wer monatelang in einer Raumkapsel unterwegs ist oder
hunderttausende Kilometer entfernt in einem Habitat wohnt, muss mit
außergewöhnlichen Bedingungen umgehen: Er oder sie muss sich nicht nur mit
Mitreisenden verstehen, sondern auch mit dem Habitat und der Entfernung zur
Heimat zurechtkommen, mit Ressourcen haushalten und erfolgreich für die Mission
arbeiten.
Das ist das Thema von SOLIS100. Die Studie bewertet die psychischen und
physischen Risiken, die mit der Isolation und der beengten Umgebung während
Langzeitmissionen einhergehen. Dazu leben sechs Personen 100 Tage lang in einer
simulierten Raumstation mit begrenzten Ressourcen. Die Raumstation befindet sich
in einem Labor des :envihab, der luft- und raumfahrtmedizinischen
Forschungsanlage des DLR in Köln. Die Teilnehmenden haben den gleichen
Tagesablauf wie Astronautinnen und Astronauten auf einer Mission: Sie arbeiten
als Crew zusammen, haben wissenschaftliche Aufgaben, treiben Sport und müssen
sich um ihre "Raumstation" kümmern.
Die sechs internationalen Crew-Mitglieder sollen ein ähnliches Profil wie
Astronautinnen und Astronauten aufweisen. Sie müssen zwischen 25 und 55 Jahre
alt und körperlich fit sein. Sie sollten mindestens einen Bachelor-Abschluss
haben, ein höherer Abschluss und Fachkenntnisse in relevanten Bereichen sind von
Vorteil. Mit Fragebögen, Tests und Untersuchungen stellt das Studienteam die
medizinische und psychologische Eignung der Bewerbenden fest. Da die
Studiensprache Englisch ist, sind sehr gute Englischkenntnisse erforderlich.
Inklusive Vorbereitung und anschließender Erholungsphase umfasst SOLIS100
insgesamt 126 Tage. Die ESA-Studie beginnt nach aktueller Planung im April 2026.
SOLIS100 wurde im Juli 2025 mit der achttägigen Studie SOLIS8 vorbereitet.
Ebenfalls im :envihab, und wahrscheinlich zeitgleich zu SOLIS100, findet die
dritte Kampagne der SMC-Bettruhestudie statt. SMC steht für Sensorimotor
Countermeasure Study. Die Studie untersucht, wie den sensomotorischen
Beeinträchtigungen, welche durch die Schwerelosigkeit hervorgerufen werden,
entgegengewirkt werden kann. Künftige Astronautinnen und Astronauten werden
längere Zeit der Schwerelosigkeit ausgesetzt sein. Sie werden auf der
Mondoberfläche, auf der nur ein Sechstel der Anziehungskraft der Erde wirkt,
arbeiten und zur Raumstation im Mondorbit zurückkehren. Sie müssen sich gut und
sicher bewegen und brauchen Kraft. Allerdings wird es in der Raumstation nicht
viel Platz für große Trainingsgeräte geben.
"Die Studie untersucht, wie man mit relativ kleinen und leichten
Trainingsmethoden die Funktion des Bewegungsapparats aufrechterhalten kann.
Dafür simulieren wir zunächst die Effekte der Schwerelosigkeit. Die Probandinnen
und Probanden liegen nicht nur 60 Tage im Bett. Zusätzlich ist das Bett zum Kopf
hin um sechs Grad nach unten geneigt: Der Kopf liegt niedriger als die Füße,
damit sich auch die Körperflüssigkeiten wie in der Schwerelosigkeit in Richtung
Kopf verschieben. Wie bei Astronautinnen und Astronauten nimmt dann die
Muskelmasse ab und der Gleichgewichtssinn verschlechtert sich", erklärt Dr.
Stefan Möstl vom DLR-Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin, der die
Bettruhestudie leitet.
Die Probandinnen und Probanden werden auch "terrestrische Astronautinnen und
Astronauten" genannt. Während eine Gruppe als Kontrollgruppe "nur" im Bett
liegt, bekommen die anderen während ihrer Bettruhe zusätzlich ein Training für
den Bewegungsapparat. Dabei trainiert eine Gruppe den Gleichgewichtssinn mit
einem sogenannten "GravityBed": Die Teilnehmenden "schweben" auf einem
druckluftgelagerten Schlitten, während die Füße über ein Gurtsystem an ein
Balance Board gedrückt werden. Sie sollen das Balance Board durch ausgleichende
Bewegungen mit den Beinen und dem Oberkörper halten. Bei den terrestrischen
Astronautinnen und Astronauten der dritten Gruppe wird ausschließlich die
Beinmuskulatur mit elektrischen Impulsen (Elektromyostimulation) trainiert. Da
beide Trainingsmethoden auch für den Einsatz auf einer zukünftigen Raumstation
geeignet wären, sollen sie schon jetzt in Köln getestet werden.
Für die NASA-Bettruhestudie sucht das DLR zwölf gesunde Frauen und Männer
zwischen 24 und 55 Jahren, mit einer Größe zwischen 1,53 und 1,90 Metern und
einem BMI zwischen 18 und 28 kg/m². Neben weiteren Voraussetzungen sollte eine
durchschnittliche Fitness vorhanden sein. Außerdem sind gute Deutschkenntnisse
erforderlich. Inklusive Vor- und Nachbereitung bleiben die Probanden für genau
88 Tage im :envihab. Alle Interessierten müssen für eine Vorauswahl zunächst
einen Fragebogen ausfüllen, anschließend finden weitere Auswahlschritte statt.
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