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Mögliche Biosignatur in Gesteinsprobe aus dem Jezero-Krater
von
Stefan Deiters astronews.com
11. September 2025
Eine Gesteinsprobe, die der Marsrover Perseverance
im vergangenen Juli in einem ausgetrockneten Flussbett des Jezero-Kraters auf
dem Mars untersucht hat, weist Merkmale eine Biosignatur auf. Das hat die
amerikanische Raumfahrtbehörde NASA gestern auf einer Pressekonferenz
mitgeteilt. Ob die Signatur allerdings wirklich etwas mit früherem Leben zu tun
hat, ist noch vollkommen ungewiss.

Aufnahme des Cheyava Falls genannten Gesteinsbrockens
auf dem Mars mit seinen eigentümlichen Flecken.
Bild: NASA / JPL-Caltech / MSSS
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Der gestrigen Pressekonferenz waren gründliche Auswertungen der vom Mars
übermittelten Daten der Gesteinsprobe vorausgegangen, die vom Team den
Spitznamen "Sapphire Canyon" erhalten hatte. Die entdeckten Strukturen könnten
biologischen Ursprungs sein, allerdings, so das Team, seien noch deutlich mehr
Daten und Untersuchungen nötig, um auf die Existenz von früherem Leben auf dem
Mars zu schließen - oder aber es auszuschließen.
Diese Entdeckung von Perseverance sei der bisher größte Fortschritt
bei der Suche nach Leben auf dem Mars, so der geschäftsführende
NASA-Administrator Sean Duffy. "Die Identifizierung einer potenziellen
Biosignatur auf dem Roten Planeten ist eine bahnbrechende Entdeckung, die unser
Verständnis des Mars voranbringen wird". Auf den Gesteinsbrocken stieß
Perseverance im Juli 2024 als der Rover das Neretva Vallis erkundete, ein
ehemaliges, etwa 400 Meter breites Flussbett, das entstand, als hier einmal
Wasser in den Krater floss.
Spannend war vor allem die Zusammensetzung des Sedimentgesteins. In Gesteinen
dieser Art lassen sich auf der Erde oft Spuren mikrobiellen Lebens finden.
Außerdem entdeckte man darin Kohlenstoff, Schwefel, oxidiertes Eisen und
Phosphor. "Die Kombination der chemischen Verbindungen könnte eine reichhaltige
Energiequelle für mikrobielle Stoffwechselprozesse gewesen sein", sagte
Perseverance-Wissenschaftler Joel Hurowitz von der Stony Brook University.
"Aber nur weil wir all diese überzeugenden chemischen Signaturen in den
Daten sahen, bedeutete das nicht, dass wir eine potenzielle Biosignatur hatten.
Wir mussten analysieren, was diese Daten bedeuten könnten."
Erste Hinweise auf eine mögliche Biosignatur lieferten eigentümliche Flecken
auf einem rötlichen Felsen, der den Spitznamen "Cheyava Falls" erhalten hatte.
Diese Flecken könnten von mikrobiellem Leben hinterlassen worden sein, wenn
dieses etwa den organischen Kohlenstoff, Schwefel und Phosphor im Felsen als
Energiequelle genutzt hätte. Eine nähere Untersuchung der Flecken ergab dann
Hinweise auf zwei eisenreiche Mineralien: Vivianit, ein hydratisiertes
Eisenphosphat, und Greigit, ein Eisensulfid. Vivianit kommt auf der Erde häufig
in Sedimenten, Torfmooren und in der Umgebung von verrottenden organischen
Stoffen vor. Greigit wird auf der Erde von bestimmte Formen mikrobiellen Lebens
produziert.
Die Kombination dieser Mineralien sei, so das Team, ein potenzieller
Fingerabdruck für mikrobielles Leben. Die Mineralien können allerdings auch ohne
Beteiligung von lebenden Organismen entstanden sein, wobei man in der Region
bislang keine Hinweise auf Prozesse oder Umweltbedingungen gefunden hat, die
eine solche alternative Entstehung ermöglichen würden.
Die Entdeckung hat das Team auch deshalb überrascht, weil es sich bei "Cheyava
Falls" um eines der jüngsten Sedimentgesteine handelte, die im Rahmen der
Mission bislang untersucht worden sind. Bislang war man davon ausgegangen, dass
sich Spuren von früherem Leben insbesondere in älteren Gesteinsformationen
finden lassen sollten. Der Mars könnte also möglicherweise länger oder später in
seiner Geschichte lebensfreundliche Bedingungen aufgewiesen haben, als bisher
angenommen.
"Astrobiologische Behauptungen, insbesondere solche, die sich auf die
mögliche Entdeckung früheren außerirdischen Lebens beziehen, erfordern
außergewöhnliche Beweise", sagte Katie Stack Morgan, Projektwissenschaftlerin
von Perseverance am Jet Propulsion Laboratory der NASA in
Kalifornien. "Eine so bedeutende Entdeckung wie eine potenzielle Biosignatur auf
dem Mars in einer von Fachkollegen begutachteten Publikation zu veröffentlichen,
ist ein entscheidender Schritt im wissenschaftlichen Prozess, da dies die
Genauigkeit, Gültigkeit und Bedeutung unserer Ergebnisse sicherstellt. Und
obwohl abiotische Erklärungen für das, was wir in der Felsformation sehen,
angesichts der Ergebnisse weniger wahrscheinlich sind, können wir sie nicht
ausschließen."
Die Frage, ob es auf dem Mars einmal Leben gab, ist auch mit dem jetzt
präsentierten Fund somit nicht geklärt. Die Bodenprobe, in der sich die Spuren
fanden, wurde auch in einen speziellen Probenbehälter gefüllt, der - so die
Planungen - einmal im Rahmen einer Probenrückholmission zur Erde gebracht und in
irdischen Laboratorien weiter untersucht werden könnte. Eine solche
Probenrückholmission hatte die NASA zusammen mit der europäischen
Weltraumorganisation ESA geplant, sie steht allerdings durch das Spardiktat der
neuen Trump-Administration auf einer Streichliste. Die jetzt präsentierten
Ergebnisse dürften den Unterstützerinnen und Unterstützern der
Probenrückholmission sehr gelegen kommen, um in den Haushaltverhandlungen die
Mission vielleicht doch noch zu retten.
Über ihre Entdeckung berichtet die Team in einem Fachartikel, der in der
Zeitschrift Nature erschienen ist.
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Mission Mars, die astronews.com-Berichterstattung über die Erforschung des roten Planeten |
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