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Neue Theorie soll bessere Modellierung ferner Atmosphären
ermöglichen
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung der Ludwig-Maximilians-Universität München astronews.com
2. Februar 2026
Um die Beobachtungen ferner extrasolarer Planeten und deren
Atmosphären auszuwerten, bedarf es möglichst exakter theoretischer Modelle der
Atmosphären. Bislang musste man sich hier mit vereinfachten Modellen begnügen,
was die Analyse von Beobachtungen ungenau machte. Nun hat ein Physiker ein neue
Theorie vorgestellt, die exaktere Auswertungen ermöglichen soll.

Die Atmosphären von extrasolaren Planeten,
hier eine künstlerische Darstellung des Planeten HR8799e,
könnten dank der neuen Theorie künftig genauer untersucht
werden.
Bild: ESO / L. Calçada ,
CC BY 4.0 [Großansicht] |
Dr. Leonardos Gkouvelis, Wissenschaftler an der Universitätssternwarte
München der Ludwig-Maximilians-Universität München und Mitglied im
Exzellenzcluster ORIGINS, hat ein grundlegendes mathematisches Problem gelöst,
das die Untersuchung der Atmosphären von extrasolaren Planeten jahrzehntelang
erschwert hat. Seine jetzt vorgestellte geschlossene analytische Theorie der
Transmissionsspektroskopie berücksichtigt, wie sich die Trübung einer Atmosphäre
mit dem Druck verändert – ein Effekt, der bei der Erforschung realer Atmosphären
von entscheidender Bedeutung ist, aber bislang als mathematisch unlösbar galt.
Über 30 Jahre lang basierten analytische Modelle auf einer "vereinfachten"
Atmosphäre, da eine vollumfängliche mathematische Darstellung die Lösung einer
komplexen geometrischen Integralgleichung unter Berücksichtigung der
höhenabhängigen Lichtdurchlässigkeit erfordert – ein Problem, das bislang nur
mit Hilfe aufwendiger numerischer Simulationen gelöst werden konnte. Diese
Einschränkung verschleierte jedoch, wie die tatsächliche vertikale Struktur
einer Atmosphäre die von Teleskopen beobachteten Signale verändert.
Das neue Modell liefert wichtige Erkenntnisse darüber, warum viele
Exoplaneten-Atmosphären "gedämpfte" Spektralmerkmale aufweisen, verbindet
Labor-Daten zur Molekülphysik direkt mit astronomischen Beobachtungen und
verbessert die Übereinstimmung mit realen Daten erheblich – sowohl für die
Erdatmosphäre als auch für hochpräzise Beobachtungen von Exoplaneten. Über
seinen grundlegenden Wert hinaus kommt dieser Durchbruch zu einem entscheidenden
Zeitpunkt: Teleskope wie das James-Webb-Weltraumteleskop (JWST) liefern
mittlerweile Spektren mit beispielloser Präzision, und theoretische Überlegungen
waren bisher der größte Engpass bei der Gewinnung ihrer vollständigen
physikalischen Informationen.
"Diese analytische Lösung öffnet die Tür zu einer neuen Generation von viel
schnelleren, transparenteren und realistischeren Methoden zur Analyse und
Erfassung der Atmosphäre", sagt der LMU-Physiker. "Sie werden für die
Maximierung wissenschaftlicher Erkenntnisse aktueller und zukünftiger Missionen
wie JWST und ARIEL sowie für die detaillierte Charakterisierung potenziell
bewohnbarer Welten außerhalb des Sonnensystems von entscheidender Bedeutung
sein."
Über seine Ergebnisse berichtet Gkouvelis in einem Fachartikel, der in der Zeitschrift
The Astrophysical Journal
erschienen ist.
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Ferne
Welten - die astronews.com Berichterstattung über die Suche nach
extrasolaren Planeten |
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