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Die Schwerebeschleunigung ferner Sonnen
Redaktion
/ Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung astronews.com
4. Januar 2016
Die Schwerebeschleunigung auf der Oberfläche von Sternen
verrät Astronomen einiges über das Alter und den Entwicklungszustand einer
Sonne. Sie liefert auch Hinweise darauf, ob es sich bei einem Transitplaneten
eher um einen Gasriesen oder einen Gesteinsplaneten wie die Erde handelt. Ein
neues Verfahren erlaubt nun die Messung der Schwerebeschleunigung auch bei
leuchtschwachen Sternen.

Sterne im Diagramm: Die typische Zeitskala
der akustischen Schwingungen und konvektiven
Bewegungen eines Sterns gibt Aufschluss über die
Schwerebeschleunigung an seiner Oberfläche.
Bild: Thomas
Kallinger [Großansicht] |
Wie viel wir auf einem Planeten wiegen, hängt von der Gravitation auf seiner
Oberfläche ab. Aber auch bei Sternen ist die Schwerebeschleunigung eine wichtige
Größe, die sich im Laufe eines Sternlebens drastisch ändert und Aufschluss über
Alter und Entwicklungszustand gibt. Da uns die Sterne am Nachthimmel nur als
kleine Lichtpunkte erscheinen, ist dieser Wert jedoch sehr schwer zu messen.
Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung in
Göttingen, der Universität Wien sowie aus Kanada, Frankreich und Australien
haben nun eine neue Methode entwickelt, mit der sie die Gravitation an der
Oberfläche ferner Sterne auf wenige Prozent genau bestimmen können. Damit lassen
sich auch die Größe und die Bewohnbarkeit von Exoplaneten besser ermitteln.
In den vergangenen Jahren haben Astronomen weit über tausend Planeten um
ferne Sterne, sogenannte extrasolare Planeten, kurz Exoplaneten, entdeckt, die
meisten davon mit der Transitmethode. Dabei sucht man nach
Helligkeitsschwankungen, die entstehen, wenn Planeten vor ihrer Muttersonne
vorüberziehen und dabei einen Teil des Sternlichts blockieren. Aus der
Lichtkurve ergibt sich die Größe eines Planeten - aber immer nur relativ zu
jener seines Sterns.
Um herauszufinden, ob ein neu entdeckter Planet der Erde ähnlich ist, oder ob
es sich etwa um einen Gasriesen wie Jupiter handelt, muss man die Eigenschaften
des Sterns genau kennen. So lässt sich aus der Schwerebeschleunigung die Größe
des Sterns und schließlich auch die des Planeten ableiten.
Bisher waren exakte Messungen der Schwerebeschleunigung nur für wenige,
relativ helle Sterne möglich. Eine jetzt vorgestellte neue Methode erlaubt es,
die Oberflächengravitation bei nahezu gleichbleibender Genauigkeit für
wesentlich lichtschwächere Sterne zu bestimmen. Das Verfahren bedient sich
minimaler Helligkeitsschwankungen des Sternlichts.
Obwohl das Leuchten der Sterne am Nachthimmel auf den ersten Blick konstant
erscheint, ist es doch messbaren Änderungen unterworfen: Akustische Schwingungen
im Innern eines Sterns verändern die Menge des abgestrahlten Lichts, genauso wie
konvektive Bewegungen – das Aufsteigen heißer Gasblasen und deren Absinken nach
dem Abkühlen.
Beide Phänomene werden direkt von der Oberflächengravitation des Sterns
beeinflusst. Sie lassen sich daher für die Messung der Schwerebeschleunigung,
die sich aus der Masse und dem Radius des Sterns ergibt, nutzen. Dass man nicht
unbedingt ins Weltall schauen muss, um diese Phänomene zu beobachten, erklärt
Thomas Kallinger von der Universität Wien. Ein Blick in die eigene Küche genügt:
"Erhitzt man Wasser in einem Topf, dann steigt es vom Boden zur Oberfläche auf,
wo die transportierte Wärme an die Luft abgegeben wird. Die Flüssigkeit sinkt
wieder ab, und der Zyklus beginnt erneut."
Diese Zirkulation transportiert Energie und wird Konvektion genannt. Sie
findet unter anderem auch in den Schichten unter der Sonnenoberfläche statt,
ebenso in den meisten Sternen unserer Galaxis. Um die akustischen Schwingungen
und konvektiven Bewegungen eines Sterns untersuchen zu können, wird seine
Helligkeit über einen langen Zeitraum hinweg in kurzen Abständen bestimmt. Die
gemessenen Helligkeitswerte - gegen die Zeit aufgetragen - ergeben eine
Lichtkurve.
Die genaueste Methode, die für die Messung der Schwerebeschleunigung zur
Verfügung steht, ist die detaillierte Analyse der Sternschwingungen und damit
der Lichtkurve. Das Verfahren lässt sich jedoch nur für solche Sterne anwenden,
bei denen sich die Schwingungen deutlich vom Hintergrundrauschen abheben. Das
ist aber meist nur bei hellen und daher bei relativ wenigen Sternen der Fall.
Viel häufiger haben Astronomen es mit Sternen zu tun, die zu lichtschwach
sind, um bei ihnen Schwingungen im Detail zu untersuchen. Deren Lichtkurven sind
stärker verrauscht. Denn das Signal-zu-Rauschen-Verhältnis hängt unter anderem
von der Helligkeit eines Sterns ab. Je schwächer ein Stern, umso weniger Signal
kommt am Detektor an und umso schwieriger wird es, dieses zu verarbeiten.
Bei derart verrauschten Lichtkurven lassen sich die einzelnen Frequenzen
nicht mehr extrahieren, die klassische Methode versagt. Das neue Verfahren, das
die Forscher Autocorrelation Function Timescale Technique oder kurz
Timescale Technique nennen, erlaubt es nun, auch für lichtschwache Sterne
mit stark verrauschten Lichtkurven einen genauen Wert für die
Schwerebeschleunigung zu ermitteln.
Die Astronomen filtern dabei die Lichtkurven, um langperiodische Signale -
die etwa vom Magnetfeld des Sterns herrühren und nicht direkt von der
Oberflächengravitation beeinflusst sind - zu unterdrücken. Aus der gefilterten
Lichtkurve lässt sich dann die typische Zeitskala des von Konvektion und
Pulsation verursachten Signals ermitteln. Dies geschieht mittels eines
sogenannten Hochpassfilters, der langperiodische Signale aus den Daten siebt.
Die Filterfrequenz muss dabei so gewählt werden, dass das zu messende Signal
nicht auch noch gefiltert wird. Denn man will ja alle periodischen Signale
entfernen, die nicht mit der Gravitation korrelieren, also etwa Signale, die von
der Sternrotation herrühren. Die Genauigkeit des Verfahrens liegt bei ungefähr
vier Prozent. Die einzige bisher existierende Methode, die sich auf schwach
leuchtende Sterne anwenden lässt, liefert dagegen nur eine Genauigkeit von etwa
25 Prozent.
Anwendungsmöglichkeiten für ihr Verfahren sehen die Forscher reichlich: Nicht
nur das Weltraumteleskop Kepler sucht derzeit mit der Transitmethode
nach Exoplaneten und generiert dabei Hunderttausende hochpräziser Lichtkurven.
Auch zukünftige Missionen wie PLATO oder TESS sollen auf diese Weise arbeiten.
Dabei werden Millionen von Sternen beobachtet, die sich mit dem neuen Verfahren
hinsichtlich ihrer Entwicklungszustände als auch der Größen ihrer
(möglicherweise vorhandenen) Planeten untersuchen lassen.
"Die Methode liefert uns präzise Werte von Sternparametern, die wir
benötigen, um die Struktur und das Alter der Sterne zu bestimmen", unterstreicht
Saskia Hekker vom Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. "Die
Ergebnisse zu den individuellen Sternen werden auch sehr nützlich sein, um
unsere Milchstraße besser zu verstehen."
Über ihr neues Verfahren berichten die Astronomen jetzt in einem Fachartikel,
der in der Zeitschrift Science Advances erschienen ist.
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Ferne
Welten - die astronews.com Berichterstattung über die Suche nach
extrasolaren Planeten
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