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Der zentrale Teil des Canyons Valles Marineris
Redaktion
astronews.com
22. Februar 2005
Der
Canyon Valles Marineris, entdeckt auf Satellitenbildern der Sonde Mariner 9
im Jahr 1971, gehört sicherlich zu den eindrucksvollsten Geländeformationen auf
dem roten Planeten. Die vom DLR betriebene, hochauflösende Stereokamera HRSC an Bord der
ESA-Raumsonde Mars Express lieferte jetzt neue eindrucksvolle Bilder des
Zentralbereichs des Canyons, aus denen das DLR auch einen kleinen Film
produzierte.

Mars Express-Blick auf den Zentralbereich des Valles Marineris
(perspektivische Ansicht). Bild: ESA / DLR / FU Berlin (G. Neukum) [Gesamtansicht] |
Die vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betriebene,
hochauflösende Stereokamera HRSC an Bord der ESA-Raumsonde Mars Express
machte während der Orbits 334 und 360 Aufnahmen des zentralen Teils des 4.000
Kilometer langen Canyons Valles Marineris auf dem Mars. Die Bildauflösung
beträgt zwischen 21 und 30 Meter pro Bildpunkt.
Die Abbildungen entstammen einem
Mosaik der während der beiden Orbits aufgenommenen Bildsequenzen und zeigen
einen etwa 600 Kilometer hohen und 300 Kilometer breiten Ausschnitt zwischen
drei und 13 Grad südlicher Breite bzw. 284 und 289 Grad östlicher Länge.
An dieser Stelle haben die in Ost-West-Richtung verlaufenden Täler der Valles
Marineris, die nach ihrer Entdeckung auf den ersten Satellitenbildern der
Marssonde Mariner 9 im Jahr 1971 benannt wurden, ihre größte
Nord-Süd-Ausdehnung. Die perspektivische Ansicht zeigt den Blick von einem
imaginären Punkt oberhalb des angrenzenden Hochlands über die mittleren Valles
Marineris von Süden nach Norden.
Dabei sind die drei parallel verlaufenden
Zentraltäler Melas Chasma (lateinisch: die "dunkle Talenge"), Candor Chasma
(lateinisch: die "blasse Talenge") und Ophir Chasma (in der Bibel das Land, in
das König Salomon eine Schiffsexpedition entsandte - vermutlich Indien) zu
sehen. Jedes dieser Täler ist etwa 200 Kilometer breit und zwischen fünf und
sieben Kilometer tief.
Wie diese riesige geologische Struktur entstanden ist, kann immer noch nicht
mit Gewissheit gesagt werden. Möglicherweise führten Spannungen in der
Marskruste zu einem Aufreißen des Hochlands und einem Absinken der
Gesteinsschollen zwischen den Bruchlinien. Dieses Auseinanderbrechen könnte sich
ereignet haben, als vor Milliarden von Jahren unter der sich nach Westen
erstreckenden Tharsis-Region vulkanische Aktivität einsetzte und das Gebiet zu
einem mehrere Kilometer hohen lang gezogenen Bergrücken aufgewölbt wurde. Auf
der Erde bezeichnet man solche die Kruste in ihrer ganzen Tiefe durchziehenden
Grabenbrüche als "Rift".
Als Alternative zu diesen "tektonischen" Bewegungen werden Einsturzvorgänge
angeführt. Beispielsweise könnte ein beträchtlicher Anteil von Eis, das
möglicherweise ursprünglich in der Tiefe vorhanden war, geschmolzen sein. Das
Wasser wäre in Richtung der großen Ausflusstäler abgeflossen, die Oberfläche
stürzte in die entstandenen Hohlräume nach und hätte so dieses Talsystem
gebildet. Was auch immer der Grund für die Entstehung der Valles Marineris war:
Die Wände wurden nach der Absenkung des Geländes stark erodiert.
Auffallend sind zwei sehr unterschiedliche Geländeformen: Zum einen stark
zerklüftete, schroffe Klippen, und zum anderen im Inneren der Täler
langgestreckte Berge, die "weichere", gerundete Oberflächen haben. Erstere
stellen eine typische Erosionsform in trockenen Gebirgen dar; auch wenn es als
gesichert gilt, dass auf dem Mars einst Wasser geflossen ist oder sich Gletscher
über die Oberfläche geschoben haben, ist der Mars heute ein trockener
Wüstenplanet. An manchen steilen Talhängen sind Gesteinsschichten zu erkennen,
und man nimmt an, dass einzelne Schichten aus vulkanischen Gesteinen das flache,
von den Valles Marineris durchschnittene Hochland aufbauen. Wie die gerundeten
Hügel entstanden sind, ist unklar.
Unterhalb der nördlichen Geländekante sind gewaltige Hangrutsche zu erkennen,
in denen sich von den Rändern abgebrochenes Material bis zu 70 Kilometer weit in
die Täler geschoben hat. Auch im Bildvordergrund sieht man Strukturen, die
darauf schließen lassen, dass hier in früherer Zeit etwas geflossen ist: Dadurch
könnte Material abgelagert worden sein, das den heute auffallend ebenen Talgrund
gestaltet hat. Die an zerbrochene Eisschollen erinnernde Oberfläche in der
Bildmitte wurde bereits auf den Bildern der amerikanischen Viking-Sonden
in den 1970er-Jahren identifiziert, ihr Ursprung gilt auch heute noch als
rätselhaft.
Das DLR hat aus den Bilddaten auch einen kleinen Film produziert, der einen
virtuellen Rundflug durch die mehrere tausend Meter tiefen Täler Ophir Chasma
und Candor Chasma zeigt. Die Topographie ist gegenüber der Wirklichkeit dreifach
überhöht.
Das Kameraexperiment HRSC auf der Mission Mars Express der
Europäischen Weltraumorganisation ESA wird vom Principal Investigator Prof. Dr.
Gerhard Neukum (Freie Universität Berlin), der auch die technische Konzeption
der hochauflösenden Stereokamera entworfen hat, geleitet. Das Wissenschaftsteam
besteht aus 45 Co-Investigatoren aus 32 Instituten und zehn Nationen.
Die Kamera
wurde am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) unter der Leitung des Principal Investigators (PI) Gerhard Neukum entwickelt und in Kooperation mit
industriellen Partnern gebaut. Die Kamera wird vom DLR-Institut für
Planetenforschung in Berlin-Adlershof betrieben. Hier erfolgt auch die
systematische Datenprozessierung. Das hier gezeigte Bild wurden vom DLR-Institut
für Planetenforschung in Berlin in Zusammenarbeit mit dem Institut für
Geologische Wissenschaften der FU Berlin erstellt.
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