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Mit Kerzenwachs in den niedrigen Erdorbit
Redaktion
/ Pressemitteilung des DLR astronews.com
14. September 2026
Das DLR beteiligt sich an einer Finanzierungsrunde an der
Firma HyImpulse, die 2018 aus dem DLR-eigenen Institut für Raumfahrtantriebe
ausgegründet wurde. Das Unternehmen entwickelt eine neue Orbitalrakete mit einem
Hybridantrieb. Die Feststoffkomponente basiert dabei auf umweltfreundlichem
Paraffin. Das Unternehmen will nun eine erste Orbitalrakete mit dem Antrieb
entwickeln.

Am 3. Mai 2024
hob die einstufige Höhenforschungsrakete SR75 der
DLR-Ausgründung HyImpulse erstmals erfolgreich
vom australischen Koonibba ab. Aktuell laufen die
Vorbereitungen für den Zweitflug der SR75, der
für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant ist.
Foto: HyImpulse Technologie [Großansicht] |
Das Raumfahrtunternehmen HyImpulse entwickelt und baut Trägerraketen mit
einer innovativen, hybriden Antriebstechnologie auf Basis von Paraffin und
flüssigem Sauerstoff. Das Gründungsteam aus der DLR-Forschung hat diese
Technologie auf Basis von im DLR entwickeltem Know-how bereits erfolgreich
eingesetzt, um eine Suborbital-Rakete zu starten. Nun arbeitet HyImpulse daran,
auch eine Orbitalrakete mit Hybridantrieb in die erdnahe Umlaufbahn zu bringen.
Das DLR beteiligt sich an der aktuellen Finanzierungsrunde, mit der unter
anderem die Entwicklung der Orbitalrakete SL1 (Small Launcher) weiter
vorangetrieben wird.
HyImpulse wurde im Jahr 2018 aus dem damaligen DLR-Institut für
Raumfahrtantriebe heraus gegründet. Das Management-Team verfügt über mehr als 15
Jahre Erfahrung in der Entwicklung von Hybridantrieben und hat seine Technologie
in mehr als 100 Tests erprobt. Dabei arbeitet das Unternehmen bereits seit der
Gründung eng mit der DLR-Einrichtung Raumfahrtantriebe in Lampoldshausen
zusammen. Dort nutzt HyImpulse die Testanlagen des DLR.
Mit der aktuellen Investitionsrunde plant HyImpulse unter anderem, die
orbitalfähige Rakete "SL1" zur Marktreife zu entwickeln und die
Startinfrastruktur für deren Start auszubauen. Schon im Jahr 2027 soll die
dreistufige Hybrid-Rakete SL1 erstmals von Schottland aus starten und in Zukunft
Nutzlasten von bis zu 600 Kilogramm in die erdnahe Umlaufbahn befördern. Die
Transportrakete soll auf rund 500 Kilometer Flughöhe aufsteigen. Im Jahr 2024
hatte die Rakete "SR75" bereits erfolgreich einen Testflug absolviert. Aktuell
laufen die Vorbereitungen für den Zweitflug der SR75, der für die zweite
Jahreshälfte 2026 geplant ist. Namhafte Investoren beteiligen sich ebenfalls an
der Finanzierungsrunde, darunter JOIN Capital, Oscar Mike Venture Partners
(OMVP), ACE sowie die staatlichen Beteiligungsgesellschaften Bayern Kapital,
NRW.Bank und BW-Capital und der Technologie-Transfer-Fonds TT49.
Die von HyImpulse entwickelte Antriebstechnologie kombiniert einen festen
Treibstoff mit einem flüssigen Oxidationsmittel. Das Unternehmen nutzt als
Festtreibstoff Paraffin und als flüssige Komponente Sauerstoff (LOX, Liquid
Oxygen). Paraffin ist ungiftig, umweltfreundlich und einfach zu lagern, da es
nicht explosiv ist. Außerdem erfordert es keine aufwändigen Kühl- oder
Druckbehälter. Und es ist ein preiswertes Massenprodukt: Im Grunde ist es nichts
anderes als Kerzenwachs. HyImpulse will mit seinen Hybrid-Raketen kommerzielle
suborbitale und orbitale Nutzlasttransporte anbieten, also zum Beispiel
Satelliten ins All befördern. Ein eigens entwickeltes Orbital Transfer Vehicle
(OTV) namens HyMOVE soll dazu als Nutzlast auf der SL1-Rakete mitfliegen und
Satelliten zielgenau an verschiedenen Stellen im Orbit aussetzen.
"Wir investieren in HyImpulse, um das Gründungsteam dabei zu unterstützen,
Know-how aus der DLR-Forschung erfolgreich in den Markt zu bringen. Die hybride
Antriebstechnologie kann den Zugang zum Weltraum für Deutschland und Europa
flexibler, kostengünstiger und unabhängiger machen. Innovative,
forschungsbasierte Wachstumsunternehmen wie HyImpulse treiben den Aufbau
europäischer suborbitaler und orbitaler Startdienste voran. Damit stärken sie
die technologische Souveränität Deutschlands und Europas im Weltraum, ein Ziel,
das wir mit unserer Beteiligung unterstützen. Es ist jetzt an der Zeit, dass
diese Innovation in den Weltraum kommt – wir wollen, dass die Technologie
fliegt", sagt Prof. Dr.-Ing. Karsten Lemmer, Mitglied des DLR-Vorstands für
Innovation, Transfer und wissenschaftliche Infrastrukturen.
"Europa braucht Startkapazitäten, die souverän, flexibel verfügbar und
wirtschaftlich tragfähig sind. Mit unserer proprietären hybriden
Antriebstechnologie und unserem Fokus auf suborbitale wie orbitale Dienste sind
wir hervorragend aufgestellt, um die starke Nachfrage aus der Wirtschaft, von
öffentlichen Einrichtungen und dem Verteidigungssektor zu bedienen. Dabei
schätzen wir die Unterstützung des DLR. Die enge und vertrauensvolle
Zusammenarbeit gibt uns seit der Ausgründung Zugang zu exzellenter
Raumfahrtforschung, technischer Infrastruktur und wissenschaftlicher Expertise",
sagt Dr. Christian Schmierer, Mitgründer und Geschäftsführer von HyImpulse
Technologies.
Das DLR unterstützt Start-ups aus der DLR-Forschung systematisch im Rahmen
seines fünfstufigen Ausgründungsprogramms, der DLR_Startup Factory.
Forschungsbasierte Start-ups, sogenannte Deeptech-Start-ups, benötigen oft
bereits in frühen Phasen der Gründung viel Kapital und müssen einen finanziell
anspruchsvollen Weg bis zur Marktreife ihrer Produkte bewältigen. Hierbei
unterstützt das DLR seine Ausgründungen auch durch direkte Beteiligungen im
Rahmen von Finanzierungsrunden mit weiteren Investoren. Zudem ist das DLR am
Technologie-Transfer-Fonds TT49 beteiligt, der gezielt in forschungsbasierte
Ausgründungen investiert.
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