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JAMES WEBB
Hinweise auf Wassereiswolken auf fernem Gasplaneten
Redaktion / Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Astronomie
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23. April 2026

Mithilfe des James Webb Space Telescope wurde jetzt eine Entdeckung gemacht, die die Grenzen vieler aktueller Modelle von Exoplanetenatmosphären aufzeigt: Sie fanden Hinweise auf Wassereiswolken auf einem fernen, Jupiter-ähnlichen Exoplaneten. Aktuelle Atmosphärenmodelle von extrasolaren Planeten berücksichtigen Wolken bislang jedoch nicht.

Epsilon Indi Ab

Künstlerische Darstellung des Planeten Epsilon Indi Ab mit Wolken über seiner von Ammoniak dominierten Atmosphäre. Bild: . C. Matthews, T. Müller (MPIA) [Großansicht]

Die Exoplanetenforschung hat ein ehrgeiziges langfristiges Ziel: Irgendwann in den nächsten Jahrzehnten hoffen Astronominnen und Astronomen, Spuren von Leben auf einem Exoplaneten nachweisen zu können. In der Vergangenheit wurden dazu zunächst nach immer mehr Exoplaneten gesucht, insbesondere mithilfe indirekter Methoden, die Informationen über die Massen einiger Exoplaneten, die Durchmesser anderer und in einigen Fällen Informationen sowohl über die Masse als auch den Durchmesser lieferten. Mit der Inbetriebnahme des James-Webb-Weltraumteleskops (JWST) im Jahr 2022 begann eine neue Phase: Ab jetzt standen für eine beträchtliche Anzahl von Planeten hochwertige, detaillierte Informationen über ihre Atmosphären zur Verfügung, und man begann, die Eigenschaften dieser Atmosphären detailliert zu rekonstruieren. Leben auf einem dieser Exoplaneten wird man vermutlich mit den vorhandenen Mitteln noch nicht sicher nachweisen können, doch gibt eine jetzt vorgestellte Studie einen Vorgeschmack auf künftige Möglichkeiten - am Beispiel eines extrasolaren Gasriesen.

"Das JWST ermöglicht es uns endlich, Planeten, die denen im Sonnensystem ähneln, im Detail zu untersuchen. Wären wir Außerirdische, mehrere Lichtjahre entfernt, und blickten in Richtung Sonne, wäre das JWST das erste Teleskop, mit dem wir den Planeten Jupiter detailliert untersuchen könnten", erläutert Elisabeth Matthews vom Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA). "Um solche Untersuchungen auch an der Erde vornehmen zu können, bräuchten wir allerdings noch weitaus leistungsfähigere Teleskope."

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Doch auch in Bezug auf jupiterähnliche Planeten gibt es aktuell ein grundsätzliches Problem: So gut wie alle bisher mit dem JWST untersuchten Gasriesen sind ungleich heißer als Jupiter - aus einem naheliegenden Grund: Die gängigste Methode zur Untersuchung von Exoplanetenatmosphären setzt voraus, dass der Planet aus der Perspektive irdischer Beobachterinnen und Beobachter direkt vor seinem Stern vorbeizieht. Die Wahrscheinlichkeit für diese Konstellation ist deutlich höher, wenn ein Planet näher an seinem Stern liegt. Das wiederum macht solch einen Planeten naturgemäß vergleichsweise heiß.

Die neue Studie von Matthews und ihren Team nutzt eine andere Methode, die es ermöglichte, ein echtes Jupiter-Analogon so genau zu untersuchen wie nie zuvor – mit einem überraschenden Ergebnis. Das Team nutzte das Mittelinfrarot-Instrument MIRI des JWST, um den Planeten Epsilon Indi Ab direkt abzubilden. Es handelt sich dabei um den ersten um den Stern Epsilon Indi A im südlichen Sternbild Indus entdeckten Planeten. "Dieser Planet hat eine deutlich größere Masse als Jupiter – in unserer Studie kommen wir auf 7,6 Jupitermassen –, aber der Durchmesser entspricht in etwa dem seines Verwandten im Sonnensystem", so Bhavesh Rajpoot, Doktorand am Max-Planck-Institut für Astronomie.

Epsilon Indi Ab ist etwa viermal so weit von seinem Zentralstern entfernt wie Jupiter von der Sonne. Der Stern Epsilon Indi A selbst ist etwas weniger massereich und weniger heiß als unsere Sonne. Dadurch ist die Oberflächentemperatur von Epsilon Indi Ab mit etwa 200 bis 300 Kelvin (zwischen –70 und +20 Grad Celsius) vergleichsweise niedrig. Allerdings liegt Epsilon Indi Ab damit ein wenig oberhalb der Oberflächentemperatur von Jupiter (140 K). Der Grund dafür ist Restwärme aus der Entstehungsphase des Planeten. In den nächsten Milliarden von Jahren wird Epsilon Indi Ab weiter abkühlen und irgendwann dann auch kühler sein als Jupiter.

Die Astronominnen und Astronomen nutzten den Koronografen des MIRI-Instruments, um das Licht des Zentralsterns auszublenden. Das Sternenlicht würde sonst das viel schwächere Licht des Planeten überstrahlen. Anschließend fertigten sie eine Aufnahme durch ein ganz bestimmtes Filter an, nämlich bei 11,3 μm. Diese Wellenlänge liegt knapp außerhalb des Bereichs nahe 10,6 μm, dessen Licht für Ammoniakmoleküle NH3 charakteristisch ist. Bilder bei 10,6 μm hatten Matthews und ihr Team bereits im Jahr 2024 aufgenommen. Der Vergleich ermöglichte es den Astronominnen und Astronomen, die Menge des vorhandenen Ammoniaks abzuschätzen.

Beim Jupiter werden die oberen Schichten der Atmosphäre, die in Beobachtungen sichtbar sind, von Ammoniakgas und Ammoniakwolken dominiert. Aufgrund seiner Eigenschaften ging man davon aus, dass Epsilon Indi Ab ebenfalls riesige Mengen an Ammoniakgas enthält, wenn auch keine Ammoniakwolken. Überraschenderweise wies der beschriebene Aufnahmen-Vergleich nun aber auf eine geringere Menge von Ammoniak hin als erwartet. Die beste Erklärung, die Matthews und ihr Team für diesen Mangel fanden, war das Vorhandensein dichter, wenn auch lückenhafter Wassereiswolken, ähnlich den hochgelegenen Zirruswolken in der Erdatmosphäre - was die Interpretation von Beobachtungen unerwartet komplizieren würde.

In der Regel werden dazu nämlich Daten aus Beobachtungen mit den Ergebnissen von Simulationen entsprechender Planetenatmosphären verglichen. Doch die meisten veröffentlichten Modelle lassen Wolken komplett außen vor. Wolken mit einzubeziehen, würde die Rechnungen nämlich deutlich komplizierter machen. Die neuen Messungen legen nun aber nahe, dass ein vernünftiger Vergleich ohne simulierte Wolken gar nicht möglich ist. "Diese Art von Problem ist immens spannend, und zeugt von den immensen Fortschritten, die wir dank des JWST machen", betont auch James Mang von der University of Texas at Austin. "Was einst außer Reichweite unserer Beobachtungen schien, ist nun in greifbare Nähe gerückt. Wir können die Struktur dieser Atmosphären untersuchen, einschließlich des Vorhandenseins von Wolken. Das eröffnet eine neue Ebene der Komplexität, die unsere Modelle erst allmählich erfassen. Und es öffnet die Tür zu einer noch detaillierteren Charakterisierung dieser kalten, fernen Welten."

In wichtiger Hinsicht haben die Astronominnen und Astronomen Glück: Bald dürfte sich nämlich eine Gelegenheit bieten, stark reflektierende Wassereiswolken anhand ihres reflektierten Lichts zu beobachten: Das Nancy-Grace-Roman-Weltraumteleskop der NASA, dessen Start für spätestens im kommenden Jahr geplant und bei dem auch das MPIA als Partner beteiligt ist, sollte für genau diese Art von Beobachtung geeignet sein. Bis es soweit ist, haben Matthews und ihr Team erst einmal weitere Beobachtungszeit mit dem JWST beantragt, um zusätzliche Kalte-Jupiter-Analoga ins Visier zu nehmen. Und während die Astronomie mehr über kalte Exo-Jupiter lernt, legt sie mit ihren Beobachtungstechniken den Grundstein dafür, dass zukünftige Beobachterinnen und Beobachter – wenn alles gut geht – auf der Suche nach Leben erdähnliche Planeten ins Visier nehmen können.

Über ihre Ergebnisse berichtet das Team in einem Fachartikel, der in den Astrophysical Journal Letters erscheinen wird.

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siehe auch
James Webb: Ein kalter Super-Jupiter um Epsilon Indi A - 25. Juli 2024
Braune Zwerge: Epsilon Indi B - nah dran und äußerst schnell - 14. Januar 2003
Ferne Welten - die astronews.com Berichterstattung über die Suche nach extrasolaren Planeten
Links im WWW
Matthews, E. C. et al. (2026): A second visit to Eps Ind Ab with JWST: new photometry confirms ammonia and suggests thick clouds in the exoplanet atmosphere of the closest super-Jupiter, ApJL (zur Veröffentlichung angenommen, arXiv.org-Preprint)
Max-Planck-Institut für Astronomie
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