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Auf der Suche nach lebensfreundlichen Nischen auf dem
Roten Planeten
Redaktion
/ Pressemitteilung der Technischen Universität Berlin astronews.com
9. April 2026
Erstmals konnte unter marsähnlichen Laborbedingungen gezeigt
werden, dass chlorid- und chlorathaltige Salzlaken Mikroorganismen bessere
Überlebenschancen bieten könnten als perchlorathaltige Umgebungen. Ein
Forschungs-Team schlägt daher vor, bei der Suche nach Leben entsprechende
Regionen auf dem Mars stärker in den Fokus zu nehmen.

Der Planet Mars in einer Aufnahme des
Weltraumteleskops Hubble.
Foto: : NASA, ESA und STScI [Großansicht] |
Die salztolerante Hefe Debaryomyces hansenii kann in durch Luftfeuchtigkeit
entstehenden Salzlaken aus Chlorid und Chlorat überleben und wachsen - das
zeigte jetzt erstmals eine Studie unter marsähnlichen Laborbedingungen des
Fachgebiets Astronomie und Astrophysik der TU Berlin unter der Leitung von Prof.
Dr. Dirk Schulze-Makuch. Zugleich belegt die Untersuchung, dass
perchlorathaltige Salzlösungen trotz Wasseraufnahme für den getesteten
Organismus zu toxisch sind. Die Ergebnisse liefern neue Hinweise darauf, welche
Regionen des Mars potenziell lebensfreundlicher sein könnten.
Der Mars gilt als einer der erdähnlichsten Planeten unseres Sonnensystems und
steht deshalb seit langem im Mittelpunkt der Suche nach außerirdischem Leben.
Die Bedingungen auf seiner Oberfläche sind jedoch extrem: Der Luftdruck ist sehr
niedrig, die Temperaturen liegen meist weit unter dem Gefrierpunkt. Flüssiges
Wasser, eine wesentliche Voraussetzung für Leben, wie wir es von der Erde
kennen, kann dort heute daher eigentlich nicht dauerhaft existieren.
Eine mögliche Ausnahme bilden bestimmte Salze, die bereits auf dem Mars
nachgewiesen wurden. Sie können Feuchtigkeit direkt aus der dünnen Atmosphäre
aufnehmen und dadurch kleine Mengen flüssiger Salzlösungen bilden. Da Salz den
Gefrierpunkt von Wasser stark herabsetzt, bleiben solche Lösungen auch bei sehr
niedrigen Temperaturen flüssig und verdunsten nur langsam. Damit könnten sie
zumindest zeitweise mikroskopisch kleine Lebensräume für besonders salztolerante
Mikroorganismen schaffen.
Um diese Möglichkeit zu untersuchen, wurden im Labor marsähnliche Bedingungen
nachgestellt. Nachgeahmt wurden die Zusammensetzung des Marsbodens, das
Vorhandensein hygroskopischer Salze und der Prozess der Deliqueszenz, d. h. die
Absorption von Wasser aus der Atmosphäre durch Salze. Nicht simuliert wurden
hingegen atmosphärische Bedingungen wie Temperatur, Druck und
Atmosphärenzusammensetzung. Die Forschenden verwendeten ein Substrat, das in
seiner Zusammensetzung dem Marsboden (Regolith) ähnelt, und mischten es mit
verschiedenen Mars-typischen Salzen: Natriumchlorid, Natriumchlorat und
Natriumperchlorat. Diese Salze unterscheiden sich sowohl in ihrer Fähigkeit,
Wasser aufzunehmen, als auch in ihrer Schädlichkeit für Zellen.
In die Proben wurde die Hefe Debaryomyces hansenii eingebracht, ein besonders
salztoleranter Mikroorganismus, der auch hohe Konzentrationen von Perchlorat
tolerieren kann. Anschließend wurden die Proben zunächst vollständig getrocknet
und später einer hohen Luftfeuchtigkeit ausgesetzt, wie sie auf dem Mars in der
Nacht und den frühen Morgenstunden vorzufinden ist. Auf diese Weise konnten die
Salze Wasser aufnehmen und Salzlösungen bilden – ähnlich wie es theoretisch auch
auf dem Mars möglich wäre.
Das Ergebnis des 63-tägigen Experiments: Alle drei Salzsysteme konnten Wasser
aus der Atmosphäre aufnehmen. Die Hefe überstand das Austrocknen in Böden mit
Natriumchlorid (21,9 %), Natriumchlorat (39.3 %) sowie in einem Vergleichsboden
ohne zusätzliche Salze (1,9 %). "Nachdem sich aus Natriumchlorid oder
Natriumchlorat flüssige Salzlösungen gebildet hatten, begann sich die Hefe sogar
wieder zu vermehren", so Shivani Nundoo, Erstautorin der Studie. In Proben mit
Natriumperchlorat stellten die Forschenden dagegen kein Überleben fest. Offenbar
ist dieses Salz für den getesteten Organismus trotz seiner Wasseraufnahme zu
toxisch. Selbst in der salzfreien Kontrolle zeigte sich Wachstum, was die
Forschenden auf die geringe, aber vorhandene Wasseraufnahme des Regoliths
zurückführen.
"Das Erstaunliche ist, dass dieser Organismus in Gegenwart von Chlorid- und
Chloratsalzen aufgrund der relativ hohen Luftfeuchtigkeit der Atmosphäre
überleben kann, aus der er das lebenswichtige Wasser bezieht. Dies ist äußerst
relevant für potenzielles Leben auf dem Mars, da es dort zwar nicht regnen kann,
die Luftfeuchtigkeit jedoch so hoch sein kann, dass sich sogar Nebel bildet", so
Schulze-Makuch. Falls also auf dem Mars jemals mikrobielles Leben entstanden ist
oder möglicherweise bis heute existiert, könnten chlorid- oder chloratreiche
Böden die besseren Überlebensräume bieten. Perchloratreiche Umgebungen
erscheinen dagegen deutlich lebensfeindlicher. Damit müsse die Forschung chlorid-
und chloratreiche Mikroumgebungen als potenziell lebensfreundlichere Habitate
auf dem Mars stärker in den Fokus rücken.
Über ihre Ergebnisse berichtete das Team jetzt in der Fachzeitschrift
International Journal of Astrobiology.
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Mission Mars, die astronews.com-Berichterstattung über die Erforschung des
Roten Planeten
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