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Was Doppelsterne über junge Sternhaufen verraten
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung der Universität Bonn astronews.com
16. Mai 2012
Viele Sterne entstehen als Doppelsterne in Sternhaufen, können aber im
Laufe der Zeit ihren Partner durch Wechselwirkungen mit anderen Sonnen
wieder verlieren. Aus dem Anteil von Doppelsternen in verschiedenen
Sternentstehungsgebieten haben Astronomen nun Rückschlüsse auf die
ursprüngliche Ausdehnung dieser stellaren Kinderstuben gezogen. Diese
waren offenbar überraschend klein.

Hubble-Aufnahme
des jungen Sternhaufens NGC 3603.
Foto: NASA, ESA und die Hubble Heritage (STScI/AURA)-ESA/Hubble Collaboration [Großansicht
als Bild des Tages] |
"Sterne entstehen im Allgemeinen nicht isoliert im Weltraum, sondern
werden zeitgleich in Sternhaufen zusammen mit anderen Sternen geboren",
erklärt Prof. Dr. Pavel Kroupa vom Argelander-Institut für Astronomie
der Universität Bonn. "Diese Sternen-Kreißsäle produzieren Doppelsterne
- das heißt so gut wie jeder neu entstehende Stern hat einen Partner zum
Zeitpunkt seiner Geburt." Wenn sich diese Doppelsterne dann aber durch
"ihren" Sternhaufen bewegen, interagieren sie durch die Massenanziehung
mit anderen Sternen.
"Dadurch kann ein Doppelstern aufgespalten werden, dann bleiben zwei
Einzelsterne zurück - ganz ähnlich wie ein Tanzpaar getrennt werden kann,
nachdem es mit anderen Tänzern in einem überfüllten Ballsaal zusammengestoßen
ist", veranschaulicht Kroupas Kollege Dr. Michael Marks. Dies führt dazu, dass
sich der Anteil der Doppelsterne in einem Sternhaufen mit der Zeit verringert.
Nicht überall in einer Sternentstehungsregion gibt es gleich viele Sterne.
Wenn mehr Doppelsterne in einer bestimmten Region entstehen, begegnen sich
Sternpaare öfter als sie es in einer weniger dicht besiedelten Region tun. Dies
führt zu mehr Wechselwirkung zwischen den Doppelsternen in dicht gepackten
Sternentstehungsgebieten. Sind diese Wechselwirkungen stark genug, werden aus
den Doppelsternen Einzelgänger. "Wie die resultierende Einzel- und
Doppelsternbevölkerung in einem Sternhaufen aussieht, ist also durch die
anfängliche Dichte eindeutig vorgeschrieben", so Kroupa.
Mit Hilfe von Computersimulationen haben die Bonner Astronomen nun den Anteil
von Einzel- und Doppelsternen in unterschiedlich dichten Regionen berechnet und
die so gewonnenen Resultate mit detaillierten Beobachtungsdaten verglichen. Auf
diese Weise konnten sie dann Rückschlüsse auf die Eigenschaften der beobachteten
Regionen zum Zeitpunkt ihrer Entstehung ziehen.
"Obwohl Sternhaufen unterschiedlich schwer sind, zeigen die Ergebnisse, dass
sie alle in etwa die gleiche Ausdehnung bei ihrer Geburt hatten", beschreibt
Kroupa das überraschende Ergebnis. Dies deutet darauf hin, dass alle Sternhaufen
unabhängig von ihrer Masse auf eine sehr ähnliche Art und Weise entstanden sind
und sich erst danach unterschiedlich weiterentwickelten.
Nach den Ergebnissen der Bonner Astrophysiker sind die Geburtsstätten der
Sternhaufen sehr klein und haben eine Ausdehnung von nur ungefähr einem
Lichtjahr. Zum Vergleich: Die Entfernung von der Sonne zum nächstgelegenen Stern
beträgt über vier Lichtjahre. "Zum ersten Mal konnten wir berechnen, dass in
einem Raum von nur einem Kubik-Lichtjahr zwischen eine Million und zehn
Millionen Sterne entstehen können", so Marks. Ihre Ergebnisse würden sich auch
mit den Beobachtungen dichter Gaswolken decken, in denen die Entstehung von
vielen Sternen vermutet wird.
Die Astronomen berichten über ihre Untersuchung in einem Fachartikel, der in
der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics erscheinen wird.
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