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PULSARE
Ein
inaktiver Stern, der keiner war
von Stefan
Deiters
astronews.com
11. Juli 2002
Über zwei Jahre
lang schien der Röntgenpulsar EXO 2030+375 inaktiv gewesen zu sein, doch in Wirklichkeit
zeigte er heftige Aktivität. Nur konnten die Forscher auf der Erde dies nicht erkennen, da die Signale vom "Summen" eines Schwarzen Lochs in
der Nähe überdeckt wurden. Dank einer neuen Technik kamen sie dem Pulsar aber
doch auf die Spur.

So könnte der Röntgenpulsar EXO 2030+375 aussehen.
Foto:
NASA / MSFC / NSSTC / Colleen Wilson-Hodge |
Bei Pulsaren handelt es sich um winzige, sich schnell drehende
Neutronensterne, die ein Überbleibsel einer Supernova-Explosion sind. Ein
internationales Astronomenteam legte nun Ergebnisse einer Studie vor, in der sie
den Röntgenpulsar EXO 2030+375 untersuchten. Ihr besonderes Interesse galt dabei
der Zeit von August 1993 bis April 1996 als es so schien, als ob der Pulsar
inaktiv geworden war.
EXO 2030+375 ist ein Pulsar, der einen sehr massereichen Stern mit der acht
bis 15fachen Masse unserer Sonne umrundet. Durch das Überfließen von Materie von
der Sonne auf den Neutronenstern kommt es dabei zu intensiver
Röntgenabstrahlung. Bei der Beobachtung von EXO 2030+375 hat man allerdings mit
einem besonderer Problem zu kämpfen: "Das nahe Schwarze Loch Cygnus X-1 macht
jede Menge Lärm", so Dr. Colleen A. Wilson-Hodge vom National Space Science
and Technology Center (NSSTC). "Wenn dies in einem Frequenzbereich geschehen
würde, den wir wahrnehmen könnten, würde man ein Summen hören."
Und genau dieses Summen hat nach Ansicht der Forscher ausgereicht, um den
Eindruck zu vermitteln, dass der Röntgenpulsar in der fraglichen Zeit inaktiv
war. Mit Hilfe einer neuen Technik wollten Wilson-Hodge und ihre Kollegen nun
herausfinden, was in den 32 Monaten wirklich passiert ist. Sie nutzten dafür die
vorhandenen Daten, entwickelten aber ein neues mathematisches Verfahren, mit dem
das Summen des Schwarzen Loches aus dem Signal herausgefiltert werden sollte. Die
Daten, die ihnen zur Verfügung standen, stammten vom Burst and Transient
Source Experiment (BATSE), das sich an Bord des Compton Gamma Ray
Observatory befand. Dank BATSE verfügten die Astronomen über Daten des
gesamten Himmels für eine Zeitspanne von fast einem Jahrzehnt. Nach Ansicht von
Wilson-Hodge war dies der entscheidende Faktor, um EXO 2030+375 auf die Spur zu
kommen.
"Nachdem wir das Summen von Cygnus X-1 abgezogen hatten, erkannten wir, dass
der Pulsar während der fraglichen Zeit tatsächlich aktiv war", erläutert die
Wissenschaftlerin. "Das Signal war lediglich schwächer." Durch den Vergleich mit
optischen und Infrarot-Daten konnten die Forscher auch ermitteln, warum das
Signal schwächer geworden war: Die Scheibe aus Material rund um den vom Pulsar
umkreisten Stern war dünner geworden, so dass der EXO 2030+375 nicht mehr so
viel Material zur Verfügung stand.
Die von dem Team angewandte Technik lässt die Wissenschaftler hoffen,
zukünftig auch hinter die Geheimnisse anderer Sternsysteme zu kommen. Wie
leistungsfähig das Verfahren ist, zeigt die Tatsache, dass die Gruppe auch eine
Dichtewelle im Gammastrahlen-Bereich aufgespürt - zum ersten Mal überhaupt.
Sonst waren Dichtewellen nur im optischen Bereich beobachtet worden.
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