Eine Gruppe von Astronomen präsentierte gestern auf einer
Konferenz in New Mexico Aufnahmen der Region des Weltalls, die bisher vom
Band der Milchstraße verdeckt war. Sie fanden eine Unmenge von Galaxien
und mysteriöse dunkle Gaswolken, die überhaupt kein Licht abgeben.

Das Parkes Radioteleskop der CSIRO. Foto:
CSIRO Australien |
"So schön die Milchstraße ist, eigentlich stört sie uns nur",
urteilt Dr. Lister Staveley-Smith von der Australia Telescope National
Facility. "Wie bei einer verschmutzten Scheibe, verhindert sie
den Blick auf etwa 15 Prozent des Himmels. Doch nun haben wir Schmutz und
Spinnenweben beiseite gewischt und viele Hunderte zuvor verborgene Galaxien
entdeckt."
Was sich so einfach nach einem Großreinemachen anhört, war ein
langwieriges Projekt: "Wenn Astronomen sich ein dreidimensionales
Bild des Universums machen wollen, schauen sie nach Galaxien anhand ihres
Lichts das die darin enthaltenen Sterne abstrahlen", erläutert Dr.
Rachel Webster von der Universität in Melbourne. "Wir haben
allerdings nach etwas anderem gesucht, nämlich nach kaltem Wasserstoffgas
aus dem Sterne gemacht werden. Dieses Gas sendet Radiowellen aus, die das
Band der Milchstraße ohne weiteres durchdringen und zu uns gelangen
können."
Durch diese Art der Galaxiensuche erhalten die Wissenschaftler ein
ganz neues Bild des Universums und können Galaxien aufspüren, die andere Himmelsdurchmusterungen nicht gefunden haben - so
etwa die, die
hinter dem Band der Milchstraße versteckt waren. Die neue Durchmusterung
mit Namen HIPASS - für HI Parkes All-Sky Survey - ist so
empfindlich, dass mit ihrer Hilfe bis zu Hundert mal mehr Wasserstoff
aufgespürt werden konnte als mit früheren Himmelkartierungen dieser Art.
| Dunkle
Wolken, unentdeckte Galaxien |
"Wir haben Objekte gefunden, die gar kein Licht abgeben, absolut
dunkle Gaswolken die eine Masse von 100 Millionen mal der Masse unserer
Sonne haben", berichtet Stavely-Smith über die spektakulären Funde
durch HIPASS. Dabei könnte es sich, so spekuliert das Team, um sogenannte Protogalaxien handeln, also um Gaswolken aus
denen später einmal eine Galaxie entstehen wird.
Und genau nach solchen Objekten haben die Wissenschaftler gesucht:
"Wir wollten einfach wissen, wie viel Materie da draußen wir bisher
übersehen haben", so Staveley-Smith. "Denn nur wenn wir das
wissen, können wir genauer abschätzen, wie groß der Anteil an dunkler
Materie sein muss, die überhaupt keine Strahlung abgibt." Astronomen
gehen zur Zeit von einem Dunkelmaterie-Anteil von etwa 90 Prozent im
Universum aus.
Neben exotischen Objekten spürte das Wissenschaftler-Team auch viele ganz normale Galaxien und lichtschwächere Zwerggalaxien auf - deutlich
mehr, als durch frühere Durchmusterungen zu vermuten war. Die hohe
Qualität dieser Himmelskartierung verdanken die Astronomen einer
speziellen 13strahligen Empfangseinrichtung des Parkes Teleskops, mit der
gleichzeitig ein größerer Teil des Himmels beobachtet werden kann.
"Es ist wie beim Fischen: Mit einem großen Netz fängt man mehr als
mit einer einzelnen Angelschnur", so Staveley-Smith. "Hätten
wir nur ein gewöhnliches Teleskop gehabt, hätten wir nur jeweils ein
sehr kleines Stück des Himmels beobachten können und die Durchmusterung
hätte Jahrzehnte gedauert. So haben wir es in drei Jahren
geschafft."