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Bauen auf dem Mond und Konzentrationsprobleme im All
Redaktion
/ Pressemitteilung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e. V. astronews.com
21. Mai 2026
In Bordeaux geht in dieser Woche die 46. Parabelflugkampagne
des DLR zu Ende. Insgesamt waren acht Experimente aus den Bereichen Biologie,
Physik, Technologie und Materialwissenschaften an Bord. Auf den Flügen herrscht
wiederholt bis zu 22 Sekunden Schwerelosigkeit. Themen der Experimente waren
unter anderem das Schmelzen von Mondstaub und Konzentrationsprobleme in
Schwerelosigkeit.

Der Airbus A310 ZERO-G steht bereit für die
46. DLR-Parabelflugkampagne.
Foto: DLR (CC BY-NC-ND 3.0) [Großansicht] |
Am 19. Mai 2026 ist der Airbus A310 ZERO-G um 9:30 Uhr vom Flughafen
Bordeaux-Mérignac gestartet, um Forscherinnen und Forschern zusammen mit ihren
Experimenten in die Schwerelosigkeit zu bringen. Es ist der erste von drei
aufeinanderfolgenden Flugtagen während der 46. Parabelflugkampagne der Deutschen
Raumfahrtagentur im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Während der
aktuellen Parabelflugkampagne werden insgesamt acht Experimente von deutschen
Forschungseinrichtungen, Universitäten und Hochschulen an Bord durchgeführt.
Bei der Erforschung des Mondes wird Infrastruktur wie Behausungen und Straßen
benötigt werden. Das Material hierfür von der Erde aus heranzuschaffen, wäre
extrem aufwändig. Deutlich einfacher wäre es, wenn das Mondgestein Regolith
hierfür genutzt werden könnte. Die Forschung konzentriert sich aktuell darauf,
Mondgestein aufzuschmelzen und ähnlich wie in einem 3D-Drucker zu nutzen. Der
Vorteil ist, dass nur die technologische Ausrüstung zum Mond transportiert
werden muss. Die für das Schmelzen notwendige Energie kann durch Photovoltaik
gewonnen werden.
Für das Experiment der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung wurde
eine Anlage entwickelt, die Regolith unter Vakuum mittels Laserstrahlung in
einem Durchmesser von ungefähr zehn Millimetern schmelzen kann. Während der
Parabelflüge soll untersucht werden, wie sich Vakuum und unterschiedliche
Gravitation auf das Schmelzergebnis auswirken. Zudem soll untersucht werden, ob
und wie der Schmelzvorgang die Laseroptik verschmutzen und damit unbrauchbar
machen könnte. Der Mond hat keine Atmosphäre und eine im Vergleich zur Erde
geringe Schwerkraft. Kräfte, die auf der Erde kaum wirken – wie beispielsweise
Druck durch Weltraumstrahlung – können hier jedoch zu einem Einfangen oder
Wegschieben von Staubpartikeln führen.
Mit fortschreitender Entwicklung der astronautischen Raumfahrt rückt eine
zentrale Fragestellung in den Fokus: Wie lässt sich die kognitive und
psychomotorische Leistung von Crews auf Raumflügen erhalten? Schwerelosigkeit
kann unmittelbar zu Beeinträchtigungen von Aufmerksamkeit, Gedächtnis und
Reaktionsgeschwindigkeit führen. Das erhöht das Risiko für schwerwiegende
Fehler. Versuche auf der Erde haben gezeigt, dass sich die geistige Leistung
verbessert, wenn der Vagusnerv durch schwache elektrische Impulse stimuliert
wird.
Der Vagusnerv ist einer der großen Gehirnnerven. Er ist unter anderem an der
Aufmerksamkeitskontrolle und der kognitiven Verarbeitung beteiligt. Im
Experiment der Universität Magdeburg erhalten Teilnehmende teils eine echte
Stimulation und teils eine Placebo-Stimulation. Die kognitive und
psychomotorische Leistungsfähigkeit der Teilnehmenden wird dann vor, während und
nach dem Flug erfasst. Sollte sich die Methode als wirksam erweisen, würde das
Perspektiven für den Einsatz tragbarer, nichtinvasiver Systeme zur Unterstützung
der Leistungsfähigkeit von Astronautinnen und Astronauten eröffnen.
Seit 1999 organisiert die Deutsche Raumfahrtagentur im DLR regelmäßig eigene
Parabelflugkampagnen für biologische, humanphysiologische, physikalische,
technologische und materialwissenschaftliche Experimente von deutschen
Forschungseinrichtungen. Das Forschungsflugzeug, der A310 Air ZERO G der
französischen Firma Novespace, wird dabei nicht nur für die wissenschaftlichen
Kampagnen des DLR genutzt, sondern auch von anderen Raumfahrtagenturen wie der
Europäischen Weltraumorganisation ESA oder der französischen Raumfahrtagentur
CNES.
Eine Parabelflugkampagne besteht in der Regel aus drei Flugtagen mit ungefähr
vier Flugstunden, an denen jeweils 31 Parabeln geflogen werden. Während jeder
Parabel herrscht für etwa 22 Sekunden Schwerelosigkeit. Insgesamt stehen bei
einer Flugkampagne also circa 35 Minuten Schwerelosigkeit – im Wechsel mit
normaler und nahezu doppelter Erdbeschleunigung – zur Verfügung, die Forschende
für ihre Experimente nutzen können. Bis zu 40 Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler können an einem Flug teilnehmen, bei dem sich um die zehn
Experimente an Bord befinden.
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