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Vom Staubkorn zum Planeten
Redaktion / idw / Universität
Tübingen
astronews.com
8. November 2006
Wie wird aus winzigen Staubkörnern ein großer erdähnlicher
Planet? Mit dieser - angesichts zahlreicher neu entdeckter Planetensysteme -
äußerst aktuellen Frage will sich eine neu gegründete Forschergruppe in vier
deutschen Universitätsstädten näher beschäftigen. Die Deutsche
Forschungsgemeinschaft wird die Arbeiten in den nächsten drei Jahren mit 1,5
Millionen Euro unterstützen.

Hubble-Aufnahme der Staubscheiben um Beta Pictoris. Hier sind
vermutlich schon Planeten entstanden. Foto:
NASA, ESA, D. Golimowski (Johns Hopkins University), D. Ardila (IPAC),
J. Krist (JPL), M. Clampin (GSFC), H. Ford (JHU), Garth
Illingworth (UCO/Lick) and und das ACS Science Team [mehr
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Die Entstehung von Planeten ist eine der Schlüsselfragen der modernen
Astrophysik. Das rührt vor allem daher, dass die Frage nach der
Planetenentstehung die Frage nach dem Ursprung des Lebens überhaupt auf der Erde
einschließt. Mit der Entdeckung von bis jetzt 200 extrasolaren Planeten, die um
sonnenähnliche Systeme kreisen, ist innerhalb der letzten Jahre das Interesse an
solchen Himmelskörpern stark gestiegen. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat vor kurzem entschieden, ein
Forschungsvorhaben zur Planetenentstehung mit insgesamt rund 1,5 Millionen Euro
für drei Jahre zu fördern. Bewilligt wurde eine Forschergruppe, welche die
Zusammenarbeit von Wissenschaftlern in neun Arbeitsgruppen an den vier
Universitäten Tübingen, Heidelberg, Braunschweig und Münster vorsieht. Unter dem
Namen "The Formation of Planets: The critical first Growth Phase" will man dem
Phänomen der Planetenentstehung weiter auf den Grund gehen. Auch das
Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg ist an dem Projekt beteiligt;
Sprecher der Forschergruppe ist Prof. Dr. Wilhelm Kley vom Institut für
Astronomie und Astrophysik der Universität Tübingen.
Die Entstehung eines Planeten vollzieht sich parallel zur Entstehung eines
Sterns. Ein Planet ist sozusagen ein Nebenprodukt, das bei der Entstehung eines
Sterns entsteht. Sterne, wie die Sonne auch, sind bei ihrer Entstehung umgeben
von einer so genannten protoplanetaren Scheibe, die in etwa den Ringen des
Saturns ähnelt. Im Gegensatz zu diesen Ringen aber, die nur aus Staub und Eis
bestehen, setzt sich die Scheibe eines jungen Sterns aus einer Mischung von
Staub, Eis und Gas zusammen.
Der erste Schritt von den Bestandteilen der Scheibe hin zum Planeten ist die
Gerinnung von Staubteilchen zu immer größeren Staubklumpen, auch Staubaggregate
genannt. Auch Zusammenstöße zwischen den Partikeln führen dazu, dass sie
aneinander haften und größere Brocken bilden. Diese vergrößern sich durch eine
Sequenz von haftenden Stößen von einem Mikrometer bis hin zu vielen tausend
Kilometern. Letzteres ist dann der fertige Planet.
Die Forschergruppe beschäftigt sich hauptsächlich mit dieser ersten Phase der
Planetenentstehung, das heißt mit dem Wachstum von Staubteilchen. Dazu werden
umfangreiche Experimente durchgeführt. An den Universitäten in Braunschweig und
Münster werden seit einigen Jahren Partikel-Zusammenstöße im Labor simuliert.
Dazu werden Aggregate, die aus Milliarden von Quarz-Kügelchen aufgebaut sind,
mit Geschwindigkeiten von bis zu zehn Meter pro Sekunde aufeinander geschossen,
und so ihre Haftungseigenschaften und die inneren physikalischen Eigenschaften
der porösen Staubklumpen untersucht.
Die Forscher in Heidelberg widmen sich der Frage, wie sich die
Zusammensetzung der Staubaggregate bei hohen Temperaturen verändert. Eine solche
Veränderung kann Auswirkungen auf das Stoß-Verhalten haben. An der Universität
Tübingen und am Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie wird erforscht,
wie diese Erkenntnisse sich sowohl auf die Verteilung als auch auf die
großräumige Bewegung der Partikel in der Scheibe auswirken und wie dies wiederum
die Entstehung von Planeten beeinflusst. Zudem möchte man herausfinden, welche
beobachtbaren Effekte man künftig mit astronomischen Methoden untersuchen kann.
Die gesamte Planetenbildung stellt sich als ein höchst komplexer Prozess dar,
der verschiedene Aspekte der Physik, der Chemie, der Astronomie und der
Mineralogie umfasst. Dem soll das interdisziplinär angelegte Forschungsprojekt
Rechnung tragen.
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Ferne Welten - die astronews.com-Berichterstattung über die Suche nach
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