Ein junger Stern in rund 2.000 Lichtjahren Entfernung von der
Erde verhält sich in gewisser Weise genauso, wie ein menschliches Baby:
Er rülpst hin und wieder. Astronomen entdeckten nämlich mit dem Very
Large Baseline Array (VLBA) Radioteleskop, dass die junge Sonne in
Abständen Gashüllen ins All abstößt. Dies war von bisherigen Theorien
über die Frühphase im Leben eines Sterns nicht vorhergesagt
worden.

Radiobeobachtung
eines Teils der Cepheus A Region sowie die graphische
Darstellung der VLBA-Beobachtungen. Darstellung: NRAO |
Dass junge Sterne
Material ins All abstoßen ist von den Astronomen erwartet worden: Würden sie
das nicht tun, würde sich ihre Eigendrehung durch das auf sie einfallende
Material so stark vergrößern, dass sie am Ende auseinandergerissen würden.
Stattdessen sammelt sich aber dieses Material in einer dünnen sich drehenden
Scheibe um den entstehenden Stern (die Akkretionsscheibe) und ein gewisser Teil
des Materials wird in zwei sogenannten Jets senkrecht zu dieser Scheibe ins All
geschleudert.
"Diese
Zwillings-Jets wurden bei vielen jungen Sternen beobachtet und daher sind wir
sehr erstaunt, dass bei diesem Stern keine Jets zu beobachten sind. Stattdessen
scheint er Gashüllen ins All abzustoßen", erläutert Paul T. P. Ho vom Harvard-Smithsonian
Center für Astrophysik die Ergebnisse, die in der gestrigen Ausgabe des
Wissenschaftsmagazins Nature veröffentlicht wurden.
Die Astronomen
beobachteten eine sehr komplexe Sternentstehungsregion im Sternbild Cepheus und
spürten einen Bogen aus Wassermolekülen auf (siehe graphische Darstellung),
die die Radiosignale verstärkten. Dieses Maser genannte Phänomen
führt zu hellen Punkten auf den Aufnahmen des Radioteleskops. "Durch die
Leistungsfähigkeit des VLBA konnten wir die Bewegung dieser Punkte über Wochen
verfolgen und errechnen, dass sich dieser Bogen aus Wassermolekülen mit einer
Geschwindigkeit von über 30.000 Kilometern pro Stunde ausbreitet", so
Ho.
Der Bogen, den die
Forscher sahen, passt genau zu einem Kreis, so dass der beobachtete Bogen
vermutlich eine komplette Gashülle ist, die etwa die eineinhalbfache Größe
des Sonnensystems hat. Sie dürfte, so die These der Wissenschaftler, von einem
einzigen, kurzeitigen Auswurf stammen. Zudem fanden die Forscher Hinweise auf
den zweiten Ausstoß einer Gashülle. "Wir haben nun zumindest einen Fall,
in dem ein junger Stern wiederholt in dieser Weise Masse ausstößt",
erklärt Guillem Anglada vom andalusischen Institut für Astrophysik die
Bedeutung der Beobachtungen. "Mit unseren jetzigen Theorien können wir das
nicht verstehen, so dass sich hier ein faszinierendes Forschungsgebiet
eröffnet. Es ist überraschend, wie es so eine perfekt Symmetrie geben kann, wo
es doch um junge Sterne recht wild zugeht. Es sieht so aus, als gäbe es hier
einen Triumph der Ordnung über das Chaos."