|
Venus, Jupiter und die Sterne des Frühlings
von
Stefan Deiters astronews.com
1. April 2026
Die Sterne des Frühlings prägen den abendlichen Himmel und
sogar erste Anzeichen des Sommers lassen sich bereits entdecken. Unser
Nachbarplanet Venus ist weiterhin Abendstern: Außer Mond und Sonne ist aktuell
kein Objekt am Himmel heller - auch nicht der Gasriese Jupiter, der sich zudem
vom Morgenhimmel zurückzieht. Ende des Monats sind die Lyriden zu sehen.

Blick nach Westen am Abend des 19. April 2026: Die schmale
Mondsichel gesellt sich zum "Abendstern" Venus.
Bild: astronews.com / Stellarium [Großansicht] |
Nun haben wir sie wirklich hinter uns die "kalte Jahreszeit" - auch wenn in
den Nächten zuweilen noch sehr winterliche Temperaturen herrschen. Wer noch
Zweifel hat, schaut an den nächtlichen Himmel: Die Wintersternbilder, die uns
während der letzten Monate begleitet haben, werden am Himmel immer mehr von den
Frühlingskonstellationen verdrängt: So ist das markante Frühlingsdreieck [Findkarte],
das aus den Sternen Arktur im Sternbild Bootes, Spica im Sternbild Jungfrau und
Regulus im Löwen besteht, inzwischen schön am nächtlichen Himmel zu beobachten.
Und wer die langsam wärmer werdenden Nächte, die gegenwärtig noch nicht
zu spät beginnen, für einen Spaziergang am Himmel nutzt, kann sogar schon
Hinweise auf den bevorstehenden Sommer finden: Im (Nord-)Osten erscheint das
sogenannte Sommerdreieck [Findkarte],
das aus den Sternen Deneb im Sternbild Schwan, Wega in der Leier und Altair im
Adler besteht.
Blickt man am Abend nach Südwesten, kann man dort das Sternbild
Krebs beobachten. Darin findet sich der Sternhaufen Praesepe (M 44), die Krippe [Findkarte].
Diese Ansammlung von Sternen wird im englischsprachigen Raum auch
Bienenkorb-Haufen (Beehive-Cluster) genannt und ist schon mit bloßem Auge als
verschwommener Fleck am dunklen Nachthimmel auszumachen. Der Sternhaufen hat
eine Ausdehnung am Himmel, die etwas größer ist als der Vollmond und ist einer
der uns am nächsten gelegenen und größten offenen Sternhaufen.
Da Praesepe schon mit bloßem Auge erkennbar ist, gehört er zu den wenigen
Sternhaufen, die schon von Gelehrten im Altertum beschrieben wurden. So soll der
griechische Astronom Hipparch über den Haufen als "Kleine Wolke" berichtet
haben. Um was es sich bei dieser Wolke wirklich handelte, fand erst Galileo
Galilei heraus, der Praesepe 1610 mit seinem Teleskop genauer beobachtete: Er
zählte insgesamt 36 Sterne in dem Haufen.
Mit heutigen Amateurteleskopen sollten bis zu 150 Sterne zu sehen sein. Man
schätzt, dass der Haufen rund 400 Sterne enthält. Er ist rund 500 Lichtjahre von
der Erde entfernt und etwa 400 Millionen Jahre alt. Etwas südlich von Praesepe
befindet sich mit M 67 ein weiterer Sternhaufen, der allerdings nur mit dem
Fernglas zu sehen ist. Er enthält viele Hundert Sterne und ist der älteste
Sternhaufen unserer Milchstraße.
Unser Nachbarplanet Venus ist weiterhin Abendstern, kann
ihre Position aber nur langsam ausbauen, da unser sonnennnäherer Nachbar zwar
deutlich später untergeht, ihre Sichtbarkeit aber durch die später einsetzende
Dunkelheit beschränkt wird. Wenn die Venus zu sehen ist, überstrahlt sie aber
derzeit alle anderen Objekte am Himmel - abgesehen von Sonne und Mond natürlich. Der Rote Planet
Mars bleibt auch im April unsichtbar. Jupiter steht in
den Zwillingen und wird im Laufe des April zu seinem Planeten der ersten
Nachthälfte. Seine Helligkeit geht weiter zurück. Saturn bleibt
im April unsichtbar, auch Merkur ist nicht zu sehen.
Sternschnuppenfreunde könnten im April auf ihre Kosten kommen -
zumindest ein wenig: Die Lyriden, mit Ausstrahlungspunkt im Sternbild Leier,
sind ab dem 16. April aktiv. Ihr Maximum ist für die Nacht vom
22. auf den 23. April
vorhergesagt. Unter besten Bedingungen werden maximal 18 Meteore zu sehen sein. Die Lyriden
gehen auf den Kometen C/1861 G1 Thatcher zurück.
|