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Beschleunigte Expansion des Universums auch ohne Dunkle
Energie erklärbar?
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung des Zentrums für angewandte Raumfahrttechnologie und
Mikrogravitation (ZARM) astronews.com
20. Oktober 2025
Die Entdeckung, dass sich unser Universum sogar beschleunigt
ausdehnt, bescherte der Kosmologie neben der ominösen Dunklen Materie einen
weiteren, bislang unbekannten Bestandteil: die Dunkle Energie. Nun hat ein
Forschungsteam die Allgemeine Relativitätstheorie erweitert und festgestellt,
dass man die Expansion auch ohne Dunkle Energie erklären kann.

Das Hubble Ultra Deep Field.
Bild: NASA, ESA und S. Beckwith (STScI)
und das HUDF Team [Großansicht] |
Warum dehnt sich das Universum immer schneller aus? Dies ist eine der
spannendsten, jedoch ungelösten Fragen der modernen Physik. Weil sie sich mit
unserem gängigen physikalischen Weltbild nicht vollends beantworten lässt,
nehmen Forschende die Existenz einer geheimnisvollen "Dunklen Energie" an. Ihr
Ursprung ist allerdings bis heute unklar. Ein internationales Forschungsteam vom
Zentrum für angewandte Raumfahrttechnologie und Mikrogravitation (ZARM) der
Universität Bremen und der Transsilvanischen Universität Brașov in Rumänien
schlägt nun einen neuen Ansatz vor und kommt zu dem Ergebnis: Die Ausdehnung des
Universums lässt sich – zumindest in Teilen – auch ohne Dunkle Energie erklären.
In der Physik wird die Entwicklung des Universums bisher mit der Allgemeinen
Relativitätstheorie und durch die sogenannten Friedmann-Gleichungen beschrieben.
Um auf dieser Grundlage die beobachtete Expansion des Universums zu erklären,
muss man allerdings per Hand einen zusätzlichen "Dunkle-Energie-Term" in die
Gleichungen einfügen. Diese nicht zufriedenstellende Lösung ließ die
ZARM-Forschenden und ihre Kolleginnen und Kollegen aus Rumänien einen anderen
Weg gehen: Sie erweiterten die Allgemeine Relativitätstheorie (ART) durch das
später entwickelte Modell der Finsler-Gravitation. Anders als der ursprüngliche
Erklärungsansatz der ART erlaubt das Finslersche Modell eine exaktere
Modellierung der Gravitationskraft von Gasen, da eine allgemeinere
Raumzeitgeometrie als in ART zugrunde gelegt wird.
Als das Forschungsteam die Finslersche Erweiterung der Friedmann-Gleichungen
berechnete, machten sie eine spannende Entdeckung: Die Finsler-Friedmann-Gleichungen
sagen bereits im Vakuum eine beschleunigte Ausdehnung des Universums voraus –
ohne dass zusätzliche Annahmen oder "Dunkle-Energie"-Terme eingeführt werden
müssen.
"Das ist ein spannender Hinweis darauf, dass wir die beschleunigte Expansion
des Universums vielleicht auch ohne Dunkle Energie auf Basis einer
verallgemeinerten Raumzeitgeometrie erklären können", freut sich Christian
Pfeifer, ZARM-Physiker und Mitglied des Forschungsteams. "Mit der neuen
Geometrie eröffnen sich ganz neue Möglichkeiten, die Naturgesetze des Kosmos
besser zu verstehen."
Die Ergebnisse der Studie wurden in einem Fachartikel veröffentlicht, der
in der Zeitschrift Journal of Cosmology and Astroparticle Physics erschienen ist.
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