|
Mysteriöses dunkles Objekt im jungen Universum
Redaktion
/ Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Astrophysik astronews.com
13. Oktober 2025
Ein internationales Forschungsteam hat ein dunkles
Objekt mit geringer Masse im fernen Universum entdeckt - mithilfe des
Gravitationslinseneffektes. Dieses
mysteriöse Objekt hat eine Masse, die etwa eine Million Mal so groß ist wie die
unserer Sonne. Die Existenz des Objekts passt zur derzeit besten Theorie über
die Entstehung von Galaxien wie unserer Milchstraße.

Überlagerung der Infrarotemission
(schwarz-weiß) mit der Radioemission (farbig). Das dunkle
Objekt mit geringer Masse befindet sich in der Lücke im hellen
Teil des Bogens auf der rechten Seite.
Bild: Keck / EVN / GBT / VLBA [Großansicht]

Die Vergrößerung zeigt die Verengung im leuchtenden
Radiowellenbogen. Mithilfe der ausgeklügelten
Modellierungsalgorithmen des Teams wird die zusätzliche Masse
des dunklen Objekts dort gravitativ "abgebildet". Das dunkle
Objekt ist durch den weißen Fleck an der Verengung des Bogens
markiert. Bisher konnte jedoch kein Licht von ihm im
optischen, infraroten oder radiowellenlangen Bereich
nachgewiesen werden. Bild:
Keck / EVN / GBT / VLBA |
"Die Suche nach dunklen Objekten, die offenbar kein Licht ausstrahlen, ist
eindeutig eine Herausforderung”, sagt Dr. Devon Powell vom Max-Planck-Institut
für Astrophysik (MPA). "Da wir sie nicht direkt sehen können, verwenden wir sehr
weit entfernte Galaxien als Hintergrundbeleuchtung, um nach ihren
Gravitationsspuren zu suchen." Bestehen könnten solchen Objekte aus Dunkler
Materie, einer rätselhaften Form von
Materie, die kein Licht ausstrahlt. Sie ist jedoch für das Verständnis der
Entwicklung der vielfältigen Sternen- und Galaxienstruktur, die wir am
Nachthimmel sehen, von entscheidender Bedeutung.
Als grundlegender Baustein des Universums ist für Astronomen die Frage von
zentraler Bedeutung, ob Dunkle Materie gleichmäßig verteilt oder klumpig ist, da
dies Aufschluss über ihre Zusammensetzung geben könnte. Da Dunkle Materie nicht
sichtbar ist, können ihre Eigenschaften nur durch Beobachtung der Wirkung ihrer
Gravitation bestimmt werden. Dabei wird das Licht eines weiter entfernten
Objekts durch die Schwerkraft des dunklen Objekts verzerrt und abgelenkt.
Das Team nutzte ein Netzwerk von Teleskopen aus aller Welt, darunter das
Green Bank Telescope (GBT), das Very Long Baseline Array (VLBA)
und das European Very Long Baseline Interferometric Network (EVN). Die
Daten dieses internationalen Netzwerks wurden am Joint Institute for VLBI
ERIC (JIVE) in den Niederlanden korreliert. Dadurch entstand ein virtuelles
Super-Teleskop, das die Größe der Erde hat und die subtilen Signale der
Gravitationslinseneffekte des dunklen Objekts erfassen konnte. Das Team
entdeckte, dass das Objekt eine Million Mal so viel Masse hat wie unsere Sonne
und sich in einer entfernten Region des Weltraums befindet, die etwa zehn
Milliarden Lichtjahre von der Erde entfernt ist, als das Universum erst 6,5
Milliarden Jahre alt war.
Es ist das Objekt mit der geringsten Masse, das je mit dieser Technik
gefunden wurde – um einen Faktor 100. Um diese Empfindlichkeit zu erreichen,
musste das Team mithilfe von Radioteleskopen auf der ganzen Welt ein
hochauflösendes Bild des Himmels erstellen. Professor John McKean von der
Universität Groningen, der Universität Pretoria und dem South African Radio
Astronomy Observatory leitete die Datenerfassung. Er sagte: "Auf dem ersten
hochauflösenden Bild sahen wir sofort eine Verengung im Gravitationsbogen. Das
war ein eindeutiges Zeichen dafür, dass wir auf der richtigen Spur waren. Nur
eine weitere kleine Massenansammlung zwischen uns und der entfernten
Radiogalaxie konnte dies verursachen."
Um den riesigen Datensatz zu analysieren, musste das Team neue
Modellierungsalgorithmen entwickeln, die nur auf Supercomputern ausgeführt
werden konnten. "Die Daten sind so umfangreich und komplex, dass wir neue
numerische Ansätze zu ihrer Modellierung entwickeln mussten. Das war nicht
einfach, da dies noch nie zuvor gemacht worden war", sagt Dr. Simona Vegetti vom
MPA. "Wir gehen davon aus, dass jede Galaxie, einschließlich unserer eigenen
Milchstraße, mit Klumpen Dunkler Materie gefüllt ist. Um sie zu finden und die
Fachwelt von ihrer Existenz zu überzeugen, sind jedoch umfangreiche Berechnungen
erforderlich."
Das Team wandte eine spezielle Technik namens Gravitationsbildgebung an, mit
der es die unsichtbaren Klumpen Dunkler Materie "sehen" konnte, indem es deren
Gravitationslinseneffekt gegenüber dem Lichtbogen abbildete. "Angesichts der
Empfindlichkeit unserer Daten hatten wir erwartet, mindestens ein dunkles Objekt
zu finden, sodass unsere Entdeckung mit der sogenannten 'Theorie der kalten
Dunklen Materie' übereinstimmt, auf der ein Großteil unseres Verständnisses der
Entstehung von Galaxien basiert", sagt Powell. "Nachdem wir eines gefunden
haben, stellt sich nun die Frage, ob wir weitere finden können und ob die Zahlen
weiterhin mit den Modellen übereinstimmen."
Das Team analysiert die Daten nun weiter, um besser zu verstehen, was dieses
mysteriöse dunkle Objekt sein könnte. Es untersucht aber auch andere Teile des
Himmels, um mit derselben Technik nach weiteren dunklen Objekten mit geringer
Masse zu suchen. Werden weitere dieser mysteriösen Objekte in anderen Teilen des
Universums gefunden und sollte sich herausstellen, dass sie tatsächlich völlig
frei von Sternen sind, könnten einige Theorien zur Dunklen Materie
ausgeschlossen werden.
Über ihre Beobachtungen berichtet das Team in zwei einem Fachartikeln, die
in den Zeitschriften Nature Astronomy und Monthly Notices of the
Royal Astronomical Soiciety erschienen sind.
|