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JAMES WEBB
Eine mondbildende Scheibe um einen extrasolaren Planeten?
Redaktion / idw / Pressemitteilung der Universität Zürich
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30. September 2025

Mit dem Weltraumteleskop James Webb konnte erstmals eine Scheibe aus Gas und Staub um einen jungen massereichen extrasolaren Planeten beobachtet und genauer untersucht werden. Möglicherweise entstehen in dieser Scheibe gerade Monde, wie sie in unserem Sonnensystem auch um die Gasriesen Jupiter und Saturn zu finden sind.

Exoplanet

Künstlerische Darstellung der Staub- und Gasscheibe, die den jungen Exoplaneten CT Cha b umgibt, 625 Lichtjahre von der Erde entfernt. Bild: NASA, ESA, CSA, STScI, G. Cugno (University of Zürich, NCCR PlanetS), S. Grant (Carnegie Institution for Science), J, Olmsted (STScI), L. Hustak (STScI) [Großansicht]

Das Weltraumteleskop James Webb hat die ersten direkten Messungen der chemischen und physikalischen Eigenschaften einer möglicherweise mondbildenden Scheibe geliefert, die einen großen Exoplaneten umgibt. Die kohlenstoffreiche Scheibe, die den 625 Lichtjahre von der Erde entfernten Planeten CT Cha b umgibt, ist möglicherweise ein Baulager für Monde, obwohl in den Webb-Daten keine Monde entdeckt wurden.

Der junge Stern, den der Planet umkreist, ist nur zwei Millionen Jahre alt und sammelt noch immer Material an. Die von Webb entdeckte zirkumplanetare Scheibe ist jedoch nicht Teil der größeren Materiescheibe um den Zentralstern: Die beiden Objekte sind 74 Milliarden Kilometer voneinander entfernt. Die Beobachtung, wie Planeten und Monde entstehen, ist von grundlegender Bedeutung für das Verständnis, wie sich Planetensysteme in unserer Galaxie entwickeln. Monde sind wahrscheinlich zahlreicher als Planeten, und einige könnten günstige Bedingungen für Leben bieten. Aber die Wissenschaft tritt erst jetzt in eine Ära ein, in der sie deren Entstehung beobachten kann.

 Die Daten von Webb sind von unschätzbarem Wert, um Vergleiche mit der Entstehung unseres Sonnensystems vor über vier Milliarden Jahren anzustellen. "Wir können Hinweise auf die Scheibe um den Begleiter sehen und zum ersten Mal deren Chemie untersuchen. Wir sind nicht nur Zeugen der Mondentstehung, sondern auch der Entstehung dieses Planeten", sagt Sierra Grant von der Carnegie Institution for Science in Washington. "Wir sehen, welches Material sich ansammelt, um den Planeten und die Monde zu bilden", ergänzt Gabriele Cugno von der Universität Zürich (UZH).

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Die Infrarotbeobachtungen des Planeten CT Cha b wurden mithilfe des Spektrografen des Mid-Infrared Instrument von James Webb durchgeführt. Ein erster Blick in die Archivdaten von Webb zeigte Hinweise auf Moleküle innerhalb der zirkumplanetaren Scheibe, was zu einer eingehenderen Untersuchung der Daten führte. Da das Signal des Planeten sehr schwach ist und in der starken Strahlung des Muttersterns verborgen liegt, mussten die Forscherinnen und Forscher das Licht des Sterns mithilfe spezieller Hochkontrastverfahren vom Licht des Planeten trennen.

"Wir sahen Moleküle an der Position des Planeten und wussten daher, dass es dort etwas gab, das es wert war, weiter zu erforschen, und verbrachten ein Jahr damit, die Moleküle aus den Daten herauszufiltern", erläutert Grant. Das Team entdeckte sieben kohlenstoffhaltige Moleküle innerhalb der Scheibe des Planeten, darunter Acetylen und Benzol. Diese kohlenstoffreiche Zusammensetzung steht in starkem Kontrast zu der Chemie in der Scheibe um den Mutterstern, wo die Forschenden Wasser, aber keinen Kohlenstoff fanden. Der Unterschied zwischen den beiden Scheiben liefert Hinweise auf ihre schnelle chemische Entwicklung innerhalb von nur zwei Millionen Jahren.

Seit langem wird vermutet, dass die vier großen Monde des Jupiters aus einer zirkumplanetaren Scheibe entstanden sind, die einst den Planeten umgab. Die vier sogenannten Galileischen Monde müssen sich vor Milliarden von Jahren aus einer solchen abgeflachten Scheibe herausgebildet haben, wie ihre auf der gleichen Ebene liegenden Umlaufbahnen um den Jupiter zeigen. Die beiden äußeren Monde, Ganymed und Callisto, bestehen zu 50 Prozent aus Wassereis. Aber sie haben vermutlich einen felsigen Kern – möglicherweise aus Kohlenstoff oder Silizium.

"Wir wollen mehr darüber erfahren, wie in unserem Sonnensystem Monde entstanden sind. Das heißt, wir müssen uns andere Systeme ansehen, die sich noch im Aufbau befinden. Wir versuchen zu verstehen, wie das alles funktioniert", sagt Cugno. "Wie entstehen diese Monde? Was ist ihre Zusammensetzung? Welche physikalischen Prozesse spielen dabei eine Rolle und in welchen Zeitskalen? Das Webb-Teleskop ermöglicht es uns, das Drama der Mondentstehung mitzuerleben und diese Fragen erstmals durch Beobachtungen zu untersuchen".

Im kommenden Jahr wird das Team mit James-Webb-Weltraumteleskop eine umfassende Untersuchung ähnlicher Objekte durchführen, um die Vielfalt der physikalischen und chemischen Eigenschaften in den Scheiben um junge Planeten besser zu verstehen. Die Ergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift The Astrophysical Journal Letters  veröffentlicht.

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siehe auch
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Extrasolare Planeten: Auch auf sehr speziellen Monden könnte Leben möglich sein - 20. März 2023
Extrasolare Planeten: Leben auf Exomonden möglich? - 17. Januar 2013
Links im WWW
Cugno, G. & Grant S. L. (2025): A Carbon-rich Disk Surrounding a Planetary-mass Companion, ApJL, 991, L46
Universität Zürich
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