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Wasserwelten sind sehr viel seltener als angenommen
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung der ETH Zürich astronews.com
18. September 2025
An der Oberfläche von fernen Planeten außerhalb unseres
Sonnensystems gibt es wohl viel weniger Wasser als bisher vermutet. Das macht die
Existenz von sogenannten Wasserwelten sehr viel unwahrscheinlicher und die Suche
nach Leben deutlich schwieriger. Die Erde hingegen scheint in Bezug auf ihr
Wasser relativ normal zu sein.

Künstlerische Darstellung des Exoplaneten
K2-18b. Der Planet hat vermutlich eine dicke Gashülle und
keinen globalen Ozean.
Bild: ESA / Hubble, M. Kornmesser,
CC BY 4.0 [Großansicht] |
Ein Exoplanet, der 124 Lichtjahre von der Erde entfernt um einen Zwergstern
kreist, machte im April 2025 weltweit Schlagzeilen. Forschende der Universität
Cambridge in Großbritannien berichteten, dass es sich beim Planeten K2-18b um
eine Wasserwelt mit einem tiefen, globalen Ozean voller Leben handeln könnte.
Doch nun zeigt eine Studie, dass sogenannte Sub-Neptune wie K2-18b mit hoher
Wahrscheinlichkeit keine von Wasser dominierten Welten sind und dort kaum
lebensfreundliche Bedingungen herrschen. "Wasser auf Planeten ist viel
begrenzter vorhanden als bisher angenommen", sagt Caroline Dorn, Professorin für
Exoplaneten an der ETH Zürich. Die Studie wurde unter Leitung der ETH Zürich
gemeinsam mit Forschenden des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg
und der University of California in Los Angeles durchgeführt.
K2-18b ist größer als die Erde, aber kleiner als Neptun und gehört damit zu
einer Klasse von Planeten, die in unserem Sonnensystem fehlen. Draußen im All
aber kommen sie häufig vor, wie Beobachtungen zeigen. Manche dieser Sub-Neptune
wurden vermutlich weit entfernt von ihrem Zentralstern gebildet – jenseits der
sogenannten Schneelinie, wo Wasser zu Eis gefriert – und wanderten später nach
innen. Bisher nahm man an, dass einige dieser Planeten während ihrer Entstehung
besonders viel Wasser ansammeln konnten und heute unter einer wasserstoffreichen
Atmosphäre globale, tiefe Ozeane beherbergen. Die Fachleute sprechen von Hycean-Planeten
– eine Kombination aus "Hydrogen" für Wasserstoff und "Ocean" für Ozean.
"Unsere Berechnungen zeigen, dass dieses Szenario nicht möglich ist", sagt
Dorn. Denn eine grundlegende Schwäche von bisherigen Studien war, dass sie
jegliche chemische Kopplung zwischen der Atmosphäre und dem Inneren des Planeten
außer Acht ließen. "Wir haben nun die Interaktionen zwischen dem Planeteninnern
und der Atmosphäre berücksichtigt", erklärt Aaron Werlen, Forscher in Dorns Team
und Erstautor der jetzt vorgestellten Studie. Die Forschenden nehmen an, dass
die Sub-Neptune in einer frühen Bildungsphase einen Zustand durchliefen, in dem
sie von einem tiefen, heißen Magma-Ozean bedeckt waren. Darüber sorgte eine
Hülle aus Wasserstoffgas dafür, dass diese Phase über Jahrmillionen erhalten
blieb.
"In unserer Studie haben wir untersucht, wie sich die chemischen
Wechselwirkungen von Magma-Ozean und Atmosphäre auf den Wassergehalt junger
Sub-Neptun-Exoplaneten auswirkt", sagt Werlen. Dazu verwendeten die Forschenden
ein bestehendes Modell, das die Planetenentwicklung über einen bestimmten
Zeitraum beschreibt. Dieses kombinierten sie mit einem neuen Modell, das die
chemischen Prozesse berechnet, die zwischen dem Gas in der Atmosphäre und den
Metallen und Silikaten im Magma ablaufen.
Die Forschenden berechneten den chemischen Gleichgewichtszustand von 26
verschiedenen Komponenten für insgesamt 248 Modell-Planeten. Die
Computersimulationen zeigten, dass die chemischen Prozesse die meisten H2O-Wassermoleküle
zerstören. Wasserstoff (H) und Sauerstoff (O) lagern sich an metallische
Verbindungen an, und diese verschwinden zu einem großen Teil im Planetenkern.
Auch wenn die Genauigkeit solcher Berechnungen an Grenzen stößt, sind die
Forschenden von den Resultaten überzeugt. "Wir fokussieren uns auf die großen
Trends und sehen in den Simulationen klar, dass die Planeten viel weniger Wasser
haben, als sie ursprünglich ansammelten", erklärt Werlen: "Das Wasser, das
tatsächlich als H2O an der Oberfläche vorhanden bleibt, ist auf
maximal einige Prozente begrenzt."
Bereits in einer früheren Veröffentlichung konnte Dorns Gruppe zeigen,
wie sich das meiste Wasser eines Planeten im Innern versteckt. "Bei der jetzigen
Studie haben wir analysiert, wie viel Wasser im Ganzen auf diesen Sub-Neptunen
vorkommt", erklärt die Wissenschaftlerin: "Den Berechnungen zufolge gibt es
keine fernen Welten mit massiven Wasserschichten, in denen Wasser rund 50
Prozent der Planetenmasse ausmacht, wie man bisher dachte. Hycean-Welten mit 10
bis 90 Prozent Wasser sind daher sehr unwahrscheinlich."
Damit gestaltet sich die Suche nach außerirdischem Leben schwieriger als
erhofft. Denn lebensfreundliche Bedingungen mit genügend flüssigem Wasser an der
Oberfläche gibt es wahrscheinlich nur auf kleineren Planeten, die wohl erst mit
noch besseren Observatorien als dem James-Webb-Weltraumteleskop zu beobachten
sein werden. Besonders spannend hingegen findet Dorn die Rolle unserer Erde im
Hinblick auf die neuen Berechnungen. Diese zeigen, dass die meisten fernen
Welten ähnliche Wasseranteile haben wie unser Planet. "Die Erde ist vielleicht
gar nicht so außergewöhnlich, wie wir meinen. In unserer Studie erscheint sie
jedenfalls als typischer Planet", sagt sie.
Erstaunt hat die Forschenden zudem ein scheinbar paradoxer Unterschied: Die
Planeten mit den wasserreichsten Atmosphären sind nicht etwa diejenigen, welche
jenseits der Schneelinie am meisten Eis angesammelt haben, sondern Planeten, die
innerhalb der Schneelinie entstanden sind. Hier lieferten nicht die Eiskristalle
das Wasser, sondern es wurde chemisch produziert, indem Wasserstoff in der
Planetenatmosphäre mit Sauerstoff aus den Silikaten des Magma-Ozeans reagierte
und H2O-Moleküle entstanden. "Diese Erkenntnisse stellen den
klassischen Zusammenhang zwischen eisreicher Entstehung und wasserreichen
Atmosphären infrage. Sie unterstreichen stattdessen die dominante Rolle des
Gleichgewichts zwischen Magma-Ozean und Atmosphäre bei der Bildung der
Planeten-Zusammensetzung", bilanziert Werlen. Dies werde sich weitreichend auf
Theorien zur Planetenentstehung sowie auf die Interpretation der Atmosphären von
Exoplaneten im Zeitalter des James-Webb-Teleskops auswirken.
Über ihre Ergebnisse berichtet das Team in einem Fachartikel, der in der Zeitschrift
The Astrophysical Journal Letters
erschienen ist.
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Ferne
Welten - die astronews.com Berichterstattung über die Suche nach
extrasolaren Planeten |
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