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AG-TAGUNG
Das ruhelose Universum in Deutschlands östlichster Stadt
von Stefan Deiters
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16. September 2025

Die Astronomische Gesellschaft lädt in dieser Woche wieder zu ihrer traditionellen Herbsttagung ein. Gastgeber ist 2025 die Stadt Görlitz und das dort gerade entstehende Deutsche Zentrum für Astrophysik. Höhepunkt sind wie jedes Jahr die Preisverleihungen am Eröffnungstag. Die renommierte Karl-Schwarzschild-Medaille erhielt diesmal Prof. Dr. Paola Caselli.

Görlitz

Prof. Dr. Stefanie Walch-Gassner, Präsidentin der Astronomischen Gesellschaft (links) überreicht die Karl-Schwarzschild-Medaille an Prof. Dr. Paola Caselli. Foto: Stefan Deiters [Großansicht]

Das Treffen der deutschsprachigen Astronominnen und Astronomen findet traditionell im September statt - in diesem Jahr in der östlichsten Stadt Deutschlands, in Görlitz. Zentrales Thema der Tagung ist die Zeitdomäne – und damit das "ruhelose Universum" selbst. Gemeint sind astrophysikalische Prozesse, die sich im Laufe der Zeit verändern: von kurzlebigen Ereignissen wie Supernovae oder Gammastrahlenausbrüchen bis hin zu langfristigen Entwicklungen von Sternen und Galaxien. Ausrichter vor Ort ist das neue Deutsche Zentrum für Astrophysik (DZA).

"Es freut mich ganz besonders, dass wir die diesjährige AG-Jahrestagung am Standort des neuen DZA durchführen können. Das DZA wird ein wichtiges neues Standbein für die Astrophysik in Deutschland und insbesondere für die Multi-Messenger-Astrophysik sein", so Prof. Dr. Stefanie Walch-Gassner, Präsidentin der Astronomischen Gesellschaft (AG). "Die diesjährige Jahrestagung bietet die ideale Gelegenheit, den Austausch zwischen den verschiedenen astrophysikalischen Communities zu stärken und gemeinsam die wissenschaftlichen Perspektiven zu gestalten, die sich mit dem DZA eröffnen."

"Die Tagung unterstreicht, dass exzellente Wissenschaft in der Lausitz beheimatet sein kann", so Prof. Dr. Günther Hasinger, designierter DZA-Gründungsdirektor. "Wir freuen uns, mit der AG2025 sowohl die neuesten Entwicklungen in der Astrophysik zu präsentieren als auch die Lausitz als wachsende Innovations- und Wissenschaftsregion sichtbar zu machen." 

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Traditionell beginnen die Tagungen der AG mit der Verleihung der höchsten Auszeichnung, die die Astronomie im deutschsprachigen Raum zu vergeben hat: die Karl-Schwarzschild-Medaille. Mit dieser wurde heute Prof. Dr. Paola Caselli für ihre wegweisenden Beiträge zur Astrochemie und Sternentstehung ausgezeichnet. Caselli ist Direktorin am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching, Honorarprofessorin an der Ludwig-Maximilians-Universität München und Mitglied der Academia Europaea. Ihr wissenschaftlicher Fokus liegt auf den physikalisch-chemischen Prozessen in dichten Molekülwolken, insbesondere den Frühphasen der Stern- und Planetenentstehung.

Dr. Frank Grupp vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik Garching und der Universitäts-Sternwarte München, wurde mit dem Preis für Instrumentenentwicklung für seine herausragenden Leistungen beim Design und Bau von komplexen Optiken, insbesondere für die ESA-Mission Euclid, ausgezeichnet. Prof. Dr. Anna-Christina Eilers, Assistenzprofessorin am MIT Kavli Institute for Astrophysics and Space Research, erhielt den Ludwig-Biermann-Preis in Anerkennung ihrer außergewöhnlichen wissenschaftlichen Beiträge zum Wachstum Schwarzer Löcher im frühen Universum. Dr. Jonah Wagenveld schließlich erhielt den Promotionspreis für seine herausragende Doktorarbeit mit dem Titel "Testing Large-Scale Cosmology with MeerKAT", die er am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) in Bonn angefertigt hat.

In den kommenden Tagen gibt es in Görlitz ein vielfältiges Programm, das nicht nur aus zahlreichen Fachvorträgen besteht, sondern auch aus Diskussionen zur Strategie 2040 der Europäischen Südsternwarte ESO und zur strategischen Planung der Astrophysik in Deutschland. Neben Vorträgen im großen Plenum wird auch diese AG-Tagung wieder von sogenannten Splinter-Treffen bestimmt. Sie bieten den Rahmen für Vorträge zu spezielleren Themen. Sie sind vielfach auch ein Forum für junge Astronominnen und Astronomen, die mit ihren Diplom- und Doktorarbeiten zum ersten Mal vor ein größeres Fachpublikum treten und so Erfahrungen im Präsentieren von wissenschaftlichen Ergebnissen sammeln können.

Eine weitere Tradition von AG-Tagungen ist es - praktisch als Dankeschön an die gastgebende Stadt - einen öffentlichen Abendvortrag am jeweiligen Tagungsort zu veranstalten. Am Donnerstag, dem 18. September 2025 um 20 Uhr, berichtet Stefan Wagner, verantwortlicher Radioastronom innerhalb der Abteilung Astrophysik am DZA und Mitinitiator des Projekts, im Kuppelsaal des Kulturforums Görlitzer Synagoge, über das Thema "Heller als Milliarden Sonnen: Vom Teufelsstern zu den größten Explosionen im Universum". Er stellt darin das "ruhelose und veränderliche Universum" mit seinen faszinierenden Phänomenen vor – bis hin zu den hellsten Explosionen im Kosmos seit dem Urknall. Der Eintritt ist frei.

Die Astronomische Gesellschaft wurde 1863 in Heidelberg gegründet und war bis nach dem Ersten Weltkrieg die einzige größere internationale astronomische Vereinigung. Diese Rolle übernahm später die Internationale Astronomische Union (IAU). Heute ist die AG ein Zusammenschluss von Astronominnen und Astronomen aus den deutschsprachigen Ländern und setzt sich verstärkt für die Förderung jüngerer Wissenschaftler, für die Vernetzung von Astronomen, die Ausbildung von Lehrern und die Öffentlichkeitsarbeit ein.

Mit dem Deutschen Zentrum für Astrophysik soll in Görlitz und im Landkreis Bautzen ein nationales Forschungszentrum mit internationaler Strahlkraft entstehen, das ressourcensparende Digitalisierung vorantreibt, neue Technologien entwickelt, für Transfer sorgt und Perspektiven für die Region schafft. In Görlitz soll es die Datenströme astronomischer Observatorien rund um den Globus zusammenführen und in enger Kooperation mit der Industrie und Technologiezentren in Sachsen und weltweit neue Technologien entwickeln. Im Landkreis Bautzen ist ein Untergrundforschungslabor im Granit der Lausitz, einem Ort größter seismologischer Ruhe, vorgesehen.

Forum
Treffen der deutschsprachigen Astronomie in Görlitz. Diskutieren Sie mit anderen Lesern im astronews.com Forum.
siehe auch
Forschung: Deutsches Zentrum für Astrophysik bezieht Interimsstandort in Görlitz - 23. Februar 2024
150 Jahre Astronomische Gesellschaft: "Was für eine tolle Wissenschaft!" - 26. September 2013
 
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Astronomische Gesellschaft
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