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Es gibt unzählige kleine Programme für Smartphones, die bei der Erkundung des Sternenhimmels helfen sollen. Die App AudioHimmelsführungen geht dabei einen ganz eigenen Weg: Hier wird man von einem Sprecher praktisch an die Hand genommen und bekommt den Sternenhimmel kompetent erklärt. Die App ist ein Projekt eines engagierten ehemaligen Lehrers.
An Astronomie-Programmen für Smartphones, sogenannten Apps, herrscht wahrlich kein Mangel: Viele bieten multimediale Exkursionen an den Sternenhimmel und ermöglichen es dem Anwender, Sterne, Sternhaufen und Galaxien zu entdecken, ohne überhaupt das Haus zu verlassen. Die jetzt in einer überarbeiteten Version erschienene App "AudioHimmelsführungen" von Lutz Clausnitzer ist da anders. Sie verzichtet - von Sternkarten abgesehen - auf Bilder, Filme oder sonstige Gimmicks und setzt ausschließlich auf die Erklärungen eines Sprechers, der den Nutzer praktisch an die Hand nimmt und ihn bei den nächtlichen Exkursionen begleitet. Diese Beschränkung ist das eigentliche Alleinstellungsmerkmal der App - und gleichzeitig ihre Stärke. "Eine gute, geführte Himmelsbeobachtung gehört zu den attraktivsten Möglichkeiten, junge Menschen für die Naturwissenschaft zu begeistern", ist Clausnitzer überzeugt. Der Pädagoge im Ruhestand hat sich sein gesamtes Berufsleben für die Vermittlung astronomischer Inhalte im Unterricht eingesetzt - insbesondere für ein eigenständiges Fach "Astronomie", das es nur in wenigen Bundesländern gibt. "Die Zahl derer, die in der Schule oder anderswo nachhaltig an unsere schöne Wissenschaft herangeführt werden, liegt in den meisten Bundesländern aber wohl irgendwo im einstelligen Prozentbereich", meinte Clausnitzer bei der Vorstellung seiner App auf der Herbsttagung der Astronomischen Gesellschaft in diesem Jahr in Bamberg. Und genau diese Zahl hofft der Pädagoge mit seiner App etwas zu vergrößern: "Vielleicht können wir mit der App weitere Menschen an den Sternenhimmel locken."
Wer die App öffnet, bekommt eine Übersicht über die sechs verfügbaren und jeweils etwa 20-minütigen Himmelsführungen angezeigt. Dabei dient die erste Führung als eine Art Einführung in den Sternenhimmel, die vier folgenden Führungen sind dann jeweils einer speziellen Jahreszeit gewidmet und bauen aufeinander auf. Die sechste Führung beinhaltet eine kritische Auseinandersetzung mit der Astrologie. Im Stil erinnern die Himmelsführungen dabei nicht so sehr an den Schulunterricht, sondern mehr an eine nächtliche Wanderung, die man vielleicht einmal mit seinem Vater oder Großvater unternommen hat und auf der einem die Sternbilder erklärt wurden. Genauso beginnt auch die erste Führung "Mit dem Großen Wagen um den Himmelspol": Man lernt mit dem Polarstern die Himmelsrichtung oder auch die geografische Breite seines Beobachtungsplatzes zu bestimmen und erfährt etwas über den kulturellen Hintergrund der Sternbilder. In den auf die Jahreszeiten bezogenen Führungen werden dann anhand der dabei behandelten Sterne die verschiedensten astronomischen Themen angesprochen: Wie groß sind Entfernungen im All, wie unterscheiden sich Sterne und wie können Astronomen mehr über Sterne herausfinden. Auch auf andere Galaxien, die Suche nach außerirdischem Leben und die verschiedenen Entwicklungsphasen im "Leben" eines Sterns wird im Rahmen der Führungen eingegangen. Außerdem werden auch immer wieder Objekte ausführlicher vorgestellt, die sich besonders zur Beobachtung mit dem Fernglas eignen. Clausnitzer hofft, dass seine App auch an Schulen eingesetzt wird, an denen die Lehrer keine Zeit oder Gelegenheit haben, um mit ihren Schülern eine abendliche Exkursion am Sternenhimmel zu unternehmen. Für die Anwendung im Unterricht lassen sich auf seiner Webseite auch Übungsblätter herunterladen, Lehrern schickt er gerne die zugehörigen Lösungen zu. In der vor wenigen Wochen aktualisierten neuen Version stehen nun nicht nur Sternkarten für 50 Grad nördlicher Breite zu den einzelnen Himmelsführungen zur Verfügung, sondern auch für 35 Grad nördlicher Breite. Damit kann die App auch etwa bei einem Urlaub in Südeuropa oder in den USA genutzt werden. Die Karten stehen dabei in verschiedenen Varianten zur Auswahl. Sie zeigen dem Benutzer immer das Himmelsgebiet, in dem die jeweilige Himmelswanderung stattfindet. In der neuen Version erlaubt schon die kostenlose Variante der App das Anhören der kompletten ersten Himmelsführung. Die App ist für Geräte von Apple und für Android-Smartphones erhältlich. Die Vollversion kostet 4,49 bzw. 3,99 Euro. Clausnitzer hofft, durch die Einnahmen aus dem Verkauf der App zumindest einige der Kosten wieder hereinzubekommen, die er in seine Idee bereits investiert hat: Für App-Entwickler, Grafiker oder auch Sprecher hat er in den vergangenen Monaten mehrere Tausend Euro ausgegeben. Im kommenden Jahr sollen die AudioHimmelsführungen auch auf französisch und englisch erscheinen. Update (17. März 2015): Wegen einer Änderung des Preisrasters im Appstore von Apple kostet die App für iOS inzwischen 4,99 Euro.
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