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Europäer setzen weiter auf ISS
Redaktion / DLR
astronews.com
14. Dezember 2005
Das höchste Gremium der ESA verabschiedete in der letzten Woche in Berlin ein
umfangreiches Programm für die Zeit bis 2010, das die
europäische Raumfahrt weiterhin international
wettbewerbsfähig erhalten soll. Wesentliche Kernpunkte sind
die Fortführung des gemeinsamen Wissenschaftsprogramms
mit einer jährlichen Steigerung um 2,5 Prozent, die
Erweiterung der Trägersysteme zu einer Trägerfamilie und die
Zukunft der ISS.

Die Internationale Raumstation ISS. Bild:
ESA / D.Ducros |
Mit der Konferenz ging der vierjährige deutsche Vorsitz im
ESA-Ministerrat zu Ende. Der Bundesminister für Wirtschaft
und Technologie, Michael Glos, übergab den Vorsitz an den
niederländischen Wirtschaftsminister und stellvertretenden
Premierminister Laurens Jan Brinkhorst.
Neben Glos lag die Verhandlungsführung auf deutscher Seite
bei Georg Wilhelm Adamowitsch, dem Staatssekretär im
Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi). Er
betonte: "Mit dem Verhandlungserfolg in Berlin unterstreicht die Bundesregierung
auch auf europäischer Ebene ihr Ziel, bis 2010 drei Prozent des
Bruttosozialproduktes für die Forschung einzusetzen und damit international
konkurrenzfähig zu bleiben."
Prof. Dr. Sigmar Wittig, Vorstandsvorsitzender des Deutschen
Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) und Vorsitzender des
ESA-Rates, sagte über den Ausgang der Konferenz: "Ich bin sehr erfreut, dass es
trotz der unterschiedlichen und wohl begründeten Interessen der einzelnen
Mitgliedsstaaten zu einem guten und tragfähigen Ausgleich der Positionen
gekommen ist. Damit ist Europa auf bestem Weg, auch zukünftig ein starker
Partner in der internationalen Raumfahrt zu sein und die eigenen Stärken
auszubauen. Die anspruchsvollen Forschungsaufgaben, Programme und Projekte,
denen wir uns im DLR stellen, werden durch die Ergebnisse der Konferenz bestärkt
und bestätigt."
Wesentliches Ziel der Konferenz war es, die ESA-Programme
auf hohem Niveau fortzuführen. Die 17 Mitgliedsländer der
ESA und Kanada als assoziiertes Mitglied setzten in Berlin
deutliche Impulse für Forschung, Technologie und Innovation.
Damit wird die ESA weiterhin einen starken Beitrag zur
internationalen Wettbewerbsfähigkeit Europas leisten.
Deutschland bleibt mit Frankreich die größte europäische
Raumfahrtnation und trägt auch in Zukunft rund 25 Prozent
aller Beiträge bei. Deutschland zeichnete für die kommenden Jahre insgesamt etwa 1,8 Milliarden Euro für die europäische
Raumfahrt.
Das Wissenschaftsprogramm der ESA wird ab 2006 jährlich
um 2,5 Prozent wachsen. Damit stellen die ESA-Minister
sicher, dass die Weltraumforschung auch in Zukunft das
"Flaggschiff" der europäischen Raumfahrt bleibt. Bis 2010
investieren die Partner 2080 Millionen Euro in das
Wissenschaftsprogramm, Deutschland beteiligt sich mit 460
Millionen Euro, das entspricht 21,85 Prozent. Höhepunkte der
Weltraumforschung werden in den kommenden Jahren das
Weltraumteleskop Herschel (Start 2007), die Mission GAIA zur
dreidimensionalen Vermessung unserer Milchstraße (Start
2011) sowie die Reise der Raumsonde BepiColombo zum
sonnennächsten Planeten Merkur (Start 2013) sein.
Von besonderer Bedeutung für Deutschland und Europa ist die
Erderkundung. Auf der Ministerratskonferenz der ESA wurde
hierfür die erste Phase (2006-2008) der gemeinsamen
Initiative von ESA und EU zur Umwelt- und Sicherheitspolitik
beschlossen - GMES (Global Monitoring for Environment and
Security). Deutschland wird bei diesem Programm mit 31
Prozent die Führung übernehmen. Dies entspricht 62 Millionen
Euro. Damit ist Deutschland bei der Landbeobachtung, in der
Katastrophenvorhersage und in Sicherheitsfragen bestens
aufgestellt.
Deutschland behält zudem die Führung in der
wissenschaftlichen Erderkundung. Hier können in der
Meteorologie und im Verständnis der Klimaentwicklung
wichtige Erkenntnisse gewonnen werden. Die
Bundesregierung fördert mit ihrem Engagement zugleich die
industrielle Kompetenz Deutschlands: Bis 2009 erwartet die
EU einen Weltmarkt von insgesamt mindestens 29 Milliarden
Euro für Satellitenbau und -start, Datenverkauf,
Bodenstationen und nachgeordneten Service.
In Berlin wurde die deutsche Programmführung bei neuen,
kleinen Nachrichtensatelliten mit einer maximalen
Nutzlastmasse von 300 Kilogramm und einer elektrischen
Leistung von 3 Kilowatt beschlossen - ARTES-11. Deutschland
ist hier mit 32 Prozent, das entspricht 32 Millionen Euro,
beteiligt. Dieser Markt wird zurzeit neben den USA neuerdings
auch von China und Indien bedient und stellt damit für Europa
eine ganz besondere Herausforderung dar.
Das technische
Konzept des neuen europäischen Nachrichtensatelliten geht
auf die Firma OHB-System aus Bremen zurück und basiert auf
dem national vom DLR geförderten Projekt LUX. In dessen
Rahmen wird eine Satellitenplattform für kleine, geostationäre
Satelliten entwickelt, um in diesem Bereich eine neue
Systemführung zu etablieren.
Europa wird in Zukunft mit drei Trägern einen Zugang zum All
haben. Dieser Zugang ist von größter strategischer
Bedeutung. Hierdurch kann Europa ungehindert und
unabhängig von anderen Raumfahrtnationen das All in so
wichtigen Bereichen wie der Erdbeobachtung, Meteorologie,
Aufklärung, Kommunikation und Navigation nutzen. Erst
durch den unabhängigen Zugang zum Weltraum ist es Europa
möglich, in diesen Zukunftstechnologien eine Vorreiterrolle zu
spielen.
Um dieses Ziel zu erreichen, beteiligt sich
Deutschland mit etwa 15 Prozent finanziell am Programm der
Ariane 5 und unterstützt die künftigen Starts der Sojus-Raketen von Kourou (Franz. Guayana) sowie den kleinen,
neuen europäischen Launcher Vega für Lasten bis zu 1.300
Kilogramm ab 2008. Backup für diesen Launcher wird die
deutsch-russische Kooperation Eurockot sein.
In Berlin konnte Deutschland seine Partner dafür gewinnen,
den bisherigen Kurs zum weiteren Aufbau der Station für bis
zu sechs Astronauten zielstrebig fortzuführen. Den Start des
europäischen Labors Columbus erwartet die ESA im Jahr
2008. Im Rahmen des ESA-Programms ist Deutschland zu 41
Prozent am Aufbau, zu etwa 38 Prozent an den europäischen
Betriebskosten der ISS beteiligt.
Abschließend erklärte der DLR-Vorstandvorsitzende Wittig:
"Mit den Ergebnissen der ESA-Ministerratskonferenz in Berlin
hat die europäische Raumfahrt eine gute Ausgangsbasis
geschaffen, auch weiterhin ein international anerkannter,
starker und begehrter Partner in der Raumfahrt zu sein.
Insbesondere Deutschland wird die vorhandenen Stärken
weiter ausbauen", erklärte er zum Abschluss der Konferenz.
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