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THEORIE
Ganze Welten aus Spiegelmaterie?
von Stefan Deiters
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25. Juli 2002

Es klingt nach einer Episode aus der Science Fiction-Reihe StarTrek, stammt jedoch von einem Physiker der Universität Melbourne: Bei einem beträchtlichen Teil der rätselhaften dunklen Materie könnte es sich nach Ansicht des Forschers um unsichtbare Spiegelmaterie handeln. Auch könnten viele Kometen, deren Verbleib sich Astronomen nicht erklären können, hauptsächlich aus Spiegelmaterie bestehen und sich Spiegel-Asteroiden unbemerkt auf Kollisionskurs mit der Erde befinden. 

Einschlagstelle

Die Einschlagsstelle in Jordanien. Ist ein Asteroid aus Spiegelmaterie dafür verantwortlich? Foto:  Universität Melbourne / Jordan Astronomical Society

Wo sind nur die Kometen geblieben, fragen sich Astronomen schon seit längerem (astronews.com berichtete) und geben teilweise recht plausible Antworten: Kometen, die nach einmaliger Umrundung der Sonne nicht mehr aufzufinden sind, könnten beispielsweise einfach verdampft sein, was man auch schon beobachtet hat. Nach Ansicht von Dr. Robert Foot von der Universität im australischen Melbourne kommt aber auch noch eine andere Erklärung in Betracht: Die Kometen könnten aus Spiegelmaterie bestehen, einer exotischen Form von Materie, die für uns unsichtbar ist und an deren Existenz bislang nur eine kleine Gruppe von  Wissenschaftlern glaubt.

"Wenn es Spiegelmaterie gibt, dann sollte es auch Spiegel-Sterne, Spiegel-Planeten und auch Spiegel-Leben geben", so erläutert Foot und betont, dass die Theorie der Spiegelmaterie in den letzten Jahren vielen Tests standgehalten hätte. Bester Beweis für die Existenz dieser ominösen Materie sind für den Physiker allerdings Ereignisse, die die meisten seriösen Wissenschaftler kaum als Indizien heranziehen würden: "Unser Planet könnte regelmäßig von Asteroiden aus Spiegelmaterie getroffen werden, was Ereignisse wie das in Sibirien im Jahr 1908 und kleinere Vorfälle in den letzten Jahren erklären könnte."

Neben dem schon berühmt berüchtigten Vorfall im sibirischen Tunguska baut Foot, der seine Theorie gerade in einem Buch zusammengefasst hat, vor allem auf Berichte wie die aus Jordanien: Im April 2001 beobachteten 100 Zeugen, wie ein Feuerball auf die Erde stürzte, am Boden aber kaum Schäden oder gar einen Krater hinterließ. Lediglich einige Bäume waren verbrannt und der Boden etwas aufgewühlt. "Diese Ereignis kann nicht durch einen normalen Himmelskörper erklärt werden, der hätte für ein viel größeres Spektakel gesorgt", ist Foot überzeugt.

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Seine Idee der Spiegelmaterie beruht auf der physikalischen Erkenntnis, dass die Natur offenbar nicht ganz so symmetrisch ist, wie man ursprünglich gedacht hatte. In der Sprache der Elementarteilchenphysiker wechselwirken die Teilchen normaler Materie "linkshändig". Es könnte also, so die Theorie einiger Forscher, auch "rechtshändige" Teilchen, die das exakte Spiegelbild der uns bekannten Teilchen sind. Nur wo normale Teilchen "linkshändige" Wechselwirkungen bevorzugen, bevorzugen die Spiegelteilchen "rechtshändige."

Diese Spiegelmaterie kann normalerweise nicht mit normaler Materie wechselwirken. Wir, die wir aus normaler Materie bestehen, können daher auch nicht die Spiegelphotonen der Spiegelmaterie erkennen. Die Spiegelmaterie bleibt für uns unsichtbar. Allerdings hat Spiegelmaterie auch ein Masse und die Gravitationswirkung sollte für beide Arten von Materie gleichermaßen gelten. Es gibt zudem die Möglichkeit, dass es eine neue Kraft gibt, die normale und Spiegelmaterie verbindet. Teilchenphysiker glauben sogar erste Hinweise darauf gefunden zu haben. In empfindlichen Experimenten, unter anderem am Teilchenforschungszentrum CERN in der Schweiz, soll dies nun überprüft werden.

Diese neu entdeckte Kraft würde aber nach Ansicht von Foot ausreichen, um die Ereignisse in Tunguska und in Jordanien zu erklären: Sie würde nämlich dafür sorgen, dass sich die Spiegel-Asteroiden beim Eintritt in die Erdatmosphäre aufheizen und schließlich explodieren, wodurch sie sichtbar würden. Stimmt dies, sollten sich sowohl in Sibirien als auch in Jordanien große Mengen von Spiegelmaterie unter der Erdoberfläche finden lassen. "Aber niemand hat bislang danach gesucht", so Foot.

Auch die verschwundenen Kometen ließen sich mit der Spiegelmaterie elegant erklären: "Es könnten Spiegel-Kometen sein, die mit normaler Materie verschmutzt sind", so Foot. "Nach einmaliger Umrundung der Sonne sind die normalen Teilchen verdampft und nur der unsichtbare Kern aus Spiegelmaterie bleibt zurück."

siehe auch
Kometen: Wo sind die Kometen hin? - 5. Juli 20028
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