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MILLSEKUNDENPULSARE
Radiosignale mit unerwartetem Ursprung
Redaktion / Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie
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30. März 2026

Einige der am schnellsten rotierenden Sterne im Universum senden offenbar Radiowellen aus, die in unmöglich geglaubten Entfernungen zum Stern entstehen. Das ergab eine jetzt vorgestellte Auswertung von Beobachtungen von Millisekundenpulsaren im Radio- und Gammastrahlenbereich durch ein deutsch-australisches Forschungsteam.

Pulsar

Ein Pulsar (rote Kugel) und sein starkes Magnetfeld (gelbe Linien): Während sich der Sternüberrest dreht, überstreichen Strahlen aus Radiowellen (Kegel) den Himmel und werden auf der Erde als regelmäßige Signale wahrnehmbar. Bild: MPIfR   [Großansicht]

Pulsare sind ultradichte, schnell rotierende und stark magnetisierte Überreste toter Sterne. Sie wirken wie kosmische Leuchttürme, die regelmäßig Radiowellen und manchmal auch Gammastrahlen in Strahlungskegeln aussenden, die den Himmel überstreichen. Eine besondere Klasse namens Millisekundenpulsare dreht sich Hunderte Male pro Sekunde und gehört zu den präzisesten Uhren im Universum. Jahrzehntelang glaubten Astronomen, dass die Radiosignale eines Pulsars nur in der Nähe seiner Oberfläche, nahe seinen Magnetpolen, erzeugt werden. Eine jetzt veröffentlichte Studie stellt diese Vorstellung nun allerdings in Frage.

Michael Kramer vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) in Deutschland und Simon Johnston von der australischen nationalen Wissenschaftsagentur (Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation, CSIRO) analysierten Radiobeobachtungen von fast 200 Millisekundenpulsaren und verglichen sie mit Gammastrahlen-Daten. Das Duo entdeckte in diesem großen Datensatz etwas Auffälliges: Etwa ein Drittel der Millisekundenpulsare zeigt Radiosignale, die aus zwei oder mehr völlig getrennten Regionen stammen, mit strahlungsfreien Lücken dazwischen. Nur etwa drei Prozent der langsamer rotierenden Pulsare verhalten sich so. Noch auffälliger war, dass viele dieser isolierten Radiopulse perfekt mit den vom Fermi-Satelliten der NASA detektierten Gammastrahlen übereinstimmen. Das deutet darauf hin, dass beide Signale in derselben extremen Umgebung erzeugt werden.

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Um diese Muster zu erklären, schlagen die Autoren vor, dass Millisekundenpulsare Radiowellen an zwei sehr unterschiedlichen Orten erzeugen: einem nahe den Magnetpolen des Sterns, wie traditionell angenommen, und einem anderen in einer kreisenden "Stromschicht" knapp außerhalb des sogenannten Lichtzylinders. Der Lichtzylinder befindet sich weiter entfernt als die Magnetpole und markiert die Grenze, an der Magnetfelder mit nahezu Lichtgeschwindigkeit umherkreisen, um mit der Rotation des Sterns Schritt zu halten. Je nach Perspektive eines Beobachters auf den Pulsar sieht er Radiostrahlung entweder aus der Nähe der Oberfläche, aus der Ferne oder aus beiden Regionen. Dies führt zu den ungewöhnlichen, unterbrochenen Radiosignalen, die die Astronomie seit Jahren rätseln lassen. Es wird bereits angenommen, dass die Stromschicht aus geladenen Teilchen für die Gammastrahlung verantwortlich ist. Die Übereinstimmung zwischen Radio- und Gammastrahlen lässt sich durch diesen gemeinsamen Ursprungsort erklären.

Diese Entdeckung hat mehrere wichtige Konsequenzen: Möglicherweise sind mehr Pulsare nachweisbar als bisher angenommen, weil die Radiostrahlung wahrscheinlich nicht auf einen schmalen Kegel in der Nähe der Magnetpole beschränkt ist. Stattdessen breitet sie sich in mehrere Richtungen aus. Auch lässt sich erklären, warum Astronominnen und Astronomen oft Schwierigkeiten haben, die Polarisation (Schwingungsrichtung) der Radiowellen von Millisekundenpulsaren zu interpretieren.

Darüber hinaus deutet der Fund darauf hin, dass fast alle Gammastrahlen-Millisekundenpulsare auch Radiowellen aussenden, selbst wenn diese Signale schwach oder schwer zu erkennen sind. Dies stellt die Theorie vor neue Herausforderungen: Die Wissenschaft muss nun erklären, wie so weit entfernt vom Stern, in einer extremen und turbulenten Umgebung, stabile Radiopulse erzeugt werden können.

"Millisekundenpulsare sind wichtige Werkzeuge für das Erforschen der Gravitation, dichter Materie und sogar Gravitationswellen. Zu verstehen, woher ihre Signale kommen – und warum diese so aussehen, wie sie aussehen – ist unerlässlich, um sie als Präzisionsinstrumente zu verwenden", erklärt Kramer. Und Johnston ergänzt: "Diese Studie zeigt, dass diese winzigen, schnell rotierenden Sterne noch komplexer und überraschender sind, als wir dachten, weil sie sowohl von ihrer Oberfläche als auch vom äußersten Rand ihres magnetischen Einflussbereichs Signale aussenden."

Über ihre Studie berichten Kramer und Johnston in einem Fachartikel, der in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society erschienen ist.

Forum
Radiosignale von Millisekundenpulsaren mit unerwartetem Ursprung. Diskutieren Sie mit anderen Lesern im astronews.com Forum.
siehe auch
MeerKAT: Neun neue und teils sehr ungewöhnliche Pulsare - 26. Januar 2023
Links im WWW

Kramer, M & Johnston, S. (2026): Radio emission from beyond the light cylinder in millisecond pulsars, Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, 547, staf2258
Max-Planck-Institut für Radioastronomie 
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