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Erfolgreiche Erdbeobachtungsmission feiert 15-jähriges
Jubiläum
Redaktion
/ Pressemitteilung des DLR astronews.com
17. Dezember 2025
Vor genau 15 Jahren – im Dezember 2010 – fiel der
Startschuss für eine bis heute währende Erfolgsgeschichte: Die deutsche TanDEM-X-Mission
begann mit den operationellen Aufnahmen zur Erzeugung eines globalen
Höhenmodells der Erde. Inzwischen ist dieses einzigartige Produkt weltweiter
topographischer Standard. Eine Nachfolgemission wird auch schon geplant.

TanDEM-X und TerraSAR-X im Formationsflug.
Bild: DLR (CC BY-NC-ND 3.0) [Großansicht] |
"TanDEM-X zeigt, dass eine kontinuierliche und umfassende Erdbeobachtung für
den öffentlichen Bereich wie auch die Wirtschaft von großer Bedeutung ist", so
DLR-Vorstandsvorsitzende Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla anlässlich des
Jubiläums. "Zudem demonstriert diese Mission die deutschen Kompetenzen in der
Nutzung der satellitengestützten Radartechnologie sowie der Datenbe- und
verarbeitung. Die Daten aus dem All sind für fundierte Entscheidungen auf der
Erde unerlässlich – vom Katastrophenmanagement über Infrastrukturplanung bis hin
zu Fragen der nachhaltigen Entwicklung. Mit erstklassigen und konsistenten
Datensätzen trägt TanDEM-X dazu bei, die Wirtschaft, Verwaltungen und weitere
öffentliche Stakeholder wie etwa Kommunen wirksam zu unterstützen. In Anbetracht
der aktuellen geopolitischen Situation gilt es, diese Fähigkeiten weiter
auszubauen."
Die TanDEM-X-Mission besteht aus den Zwillingssatelliten TerraSAR-X,
gestartet am 15. Juni 2007, und TanDEM-X, gestartet am 21. Juni 2010. Nach dem
Start wurde der TanDEM-X-Satellit in einem sicheren Abstand von etwa 20
Kilometern hinter TerraSAR-X kalibriert. Im Oktober 2010 führten die
Ingenieurinnen und Ingenieure die beiden Satelliten in den heutigen engen
Formationsflug mit wenigen hundert Metern Abstand – die spannendste Phase der
Mission. In den folgenden Wochen wurden die interferometrischen Fähigkeiten,
also das Zusammenspiel der beiden Satelliten, überprüft und eingestellt. Dabei
sendet einer der beiden Satelliten ein Signal zur Erdoberfläche, und beide
Satelliten empfangen das von dort reflektierte Echo.
Am DLR-Standort Oberpfaffenhofen werden aus den Daten dreidimensionale
Höhendaten errechnet und zu einem globalen Produkt mit einer absoluten
Höhengenauigkeit von einem Meter in einem globalen Raster von zwölf mal zwölf
Metern mosaikiert. Ein erstes globales Höhenmodell wurde 2016 veröffentlicht. Es
ist als Copernicus DEM der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) frei
verfügbar. DEM steht für "Digital Elevation Model", also "digitales
Höhenmodell".
Bei der vom DLR-Institut für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme
ausgerichteten Jubiläumsveranstaltung am 11. Dezember 2025 sagte Dr. Anke
Pagels-Kerp, DLR-Bereichsvorständin für Raumfahrt: "Mit TanDEM-X haben wir,
gemeinsam mit privatwirtschaftlichen Partnern, einen technologischen Meilenstein
in der Radarfernerkundung gesetzt. Die 3D-Radardaten dieser Mission werden
gleichermaßen in der Forschung, in kommerziellen Anwendungen und im
Sicherheitsbereich genutzt. Diese Vielseitigkeit unterstreicht den großen
gesellschaftlichen Nutzen der Mission."
Ursprünglich war die Mission auf fünf Jahre ausgelegt. Die Treibstoffvorräte
und der gute Zustand der Satelliten ermöglichen jedoch einen zuverlässigen
Betrieb bis heute. Daher wurden weitere globale Abdeckungen aufgenommen, um die
zeitlichen Veränderungen der Topographie der Erdoberfläche zu dokumentieren und
nutzbar zu machen. Die daraus erzeugten "DEM Change Maps" sind über den DLR
Geoservice frei verfügbar. Auch ein unabhängiges DEM aus den Daten von 2017 bis
2020 steht ab Anfang 2026 über das TanDEM-X Science System zur Verfügung.
Kommerziell werden die Daten durch die Airbus Defence and Space GmbH vermarktet
und auch von Ministerien wie zum Beispiel dem Bundesministerium der Verteidigung
genutzt. Über 6500 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben zudem mit den
Daten eine Vielzahl an wissenschaftlichen Projekten realisiert und wertvolle
neue Erkenntnisse gewonnen.
Um deutsche Kontinuität in der Erdbeobachtung zu gewährleisten, arbeitet das
DLR an neuen Konzepten für Radarsatelliten der nächsten Generation, die den
Erfolg von TanDEM-X fortführen sollen. Das Hauptziel besteht darin, die
Genauigkeit digitaler Höhenmodelle zu verbessern. Prof. Dr. Alberto Moreira,
Leiter des DLR-Instituts für Hochfrequenztechnik und Radarsysteme, betont: "TanDEM-X
hat alle Erwartungen bei Weitem übertroffen. Die Anforderungen an eine
Nachfolgemission sind entsprechend hoch. Mit dem multistatischen Radarsystem
MirrorSAR, das sich als besonders geeignet erwiesen hat, wollen wir ein
Geländemodell mit einer um eine Größenordnung höheren Genauigkeit als das von
TanDEM-X erstellen. Der Bedarf an einem neuen, präziseren 3D-Bild der Erde ist
entsprechend groß, um mit der Qualitätsverbesserung von Navigations- und
Fernerkundungsdaten Schritt zu halten. Während die Auflösung der
Fernerkundungsbilder heute im Meterbereich liegt, weist der genaueste globale
3D-Datensatz – das Geländemodell von TanDEM-X – immer noch ein Raster von zwölf
Metern auf."
Das MirrorSAR-System besteht aus einem Hauptsatelliten, der die Szene
beleuchtet, und drei oder mehr Begleitsatelliten, die nur als Empfänger
fungieren und die Daten an den Hauptsatelliten "zurückspiegeln". Die
Anforderungen an die Empfängersatelliten können also erheblich reduziert werden.
Für eine kosteneffiziente Realisierung kommen deshalb NewSpace-Plattformen in
Frage – kleine Satelliten, die mit deutlich geringeren Herstellungskosten
produziert werden.
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