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Winter am Himmel und die Geminiden
von
Stefan Deiters astronews.com
1. Dezember 2025
Der Dezember beschert uns einen der aktuell aktivsten
Sternschnuppenströme: die Geminiden. Außerdem beginnt offiziell der Winter,
womit die Nächte auch schon wieder kürzer werden. Unsere beiden planetaren
Nachbarn haben sich vom Nachthimmel zurückgezogen, der Gasriese Jupiter
dominiert den nächtlichen Himmel, der ansonsten von den Sternen des Winters
geprägt wird.

Jupiter bekommt am Abendhimmel im Osten am 7. Dezember 2025
Besuch vom Mond. Bild: astronews.com / Stellarium [Großansicht] |
Jetzt ist er vorbei, der vermeintlich "dunkle" November, doch eigentlich ist
es der Dezember, der uns die längsten Nächte des Jahres beschert. Nur fällt das
vielleicht angesichts der allgegenwärtigen Weihnachtsbeleuchtung - oder des
Glühweinkonsums auf den Weihnachtsmärkten - nicht so auf. Bis zur
Wintersonnenwende werden die Tage noch kürzer. Zum offiziellen Winteranfang am 21. Dezember um
16.03 Uhr MEZ
hat die Sonne den tiefsten Punkt
ihrer Bahn erreicht und die Nächte werden fortan wieder kürzer. Genug Zeit also,
den Sternhimmel einmal genauer in Augenschein zu nehmen - wenn denn das Wetter
mitspielt.
Dominieren tun dort inzwischen eindeutig die Sternbilder des Winters: Schaut
man Mitte Dezember gegen Mitternacht an den süd-östlichen Sternhimmel, kann
man etwa das sogenannte Wintersechseck [Findkarte]
in seiner vollen Schönheit bewundern: Es besteht aus den Sternen Prokyon im
Kleinen Hund, Pollux in den Zwillingen, Kapella im Fuhrmann, Aldebaran im Stier,
Rigel im Orion und Sirius im Großen Hund.
Das Sternbild Orion ist am nächtlichen Himmel kaum zu
übersehen und auch für die Astronomie äußerst interessant: Im "Schwert" des Orion,
das sich unter den drei Sternen des Oriongürtels befindet, ist schon mit bloßem
Auge ein äußerst aktives Sternentstehungsgebiet erkennbar, der Orionnebel. Der
Nebel ist rund 1350 Lichtjahre von uns entfernt und hat einen Durchmesser von
etwa 30 Lichtjahren. Durch Beobachtungen der jungen und gerade entstandenen
Sterne können Astronomen viel über die Geburt von Sonnen und ihre frühe
Entwicklung lernen.
Das Sternbild hat aber noch mehr zu bieten: Etwa Betelgeuse,
auch Alpha Orionis genannt, den linken Schulterstern des Orion und Hauptstern
des Sternbilds. Der Name Betelgeuse entstand durch die Übertragung des aus dem
Arabischen stammenden Sternnamens ins Lateinische. Die arabische Bezeichnung
tauchte bereits im "Buch der Konstellationen der Fixsterne" des arabischen
Astronomen Abd ar-Rahman as-Sufi auf, der von 903 bis 986 lebte. Der arabische
Name bedeutet wohl so viel wie "Hand des Orion".
Betelgeuse dürfte rund 13.000-mal heller leuchten als unsere Sonne und einen
Durchmesser aufweisen, der den unserer Sonne um das 500- bis 800-Fache
übersteigt. Betelgeuse ist somit ein Riesenstern und Astronomen glauben, dass er
in nicht allzu ferner Zeit als Supernova explodieren wird. Glücklicherweise ist
Beteigeuze einige Hundert Lichtjahre von der Erde entfernt, so dass uns ein
solches Ereignis nicht gefährlich werden kann.
Freunde von Meteoren wissen, dass es auch im Dezember einen bekannten
Sternschnuppenstrom zu sehen gibt: Zwischen dem 7. und dem 17. Dezember machen
sich die sogenannten Geminiden bemerkbar. Die Geminiden haben
ihren Namen - wie alle Sternschnuppenströme - von dem Sternbild, aus dem sie zu
kommen scheinen, in diesem Fall also aus dem Sternbild Zwillinge. Wer das
Wintersechseck am Himmel schon aufgespürt hat, sollte im Sternbild Zwillinge
also vielleicht noch etwas länger verweilen, vielleicht sieht er eine
Sternschnuppe.
Die Geminiden lassen sich übrigens ausnahmsweise einmal nicht auf einen
Kometen zurückführen, sondern auf den Asteroiden 3200 Phaethon. Das Maximum der
Geminiden wird am Morgen des 14. Dezember erwartet. Die Geminiden
sind die ganze Nacht über zu sehen, die Morgenstunden eignen sich aber für eine
Beobachtung besser. In der zweiten Monatshälfte
sind zudem die Ursiden aktiv, deren Radiant im Kleinen Bären liegt. Sie
gehen auf den Kometen 8P/Tuttle zurück. Ihr Maximum wird für den Morgen des 22.
Dezember erwartet. Allerdings ist hier nur mit einer Handvoll
Sternschnuppen zu rechnen, bei den Geminiden können es einige Dutzend sein.
Die Venus hat sich im Dezember praktisch vom Morgenhimmel
zurückgezogen und steuert auf ihre obere Konjunktion mit der Sonne zu, die sie
Anfang Januar erreicht. Ganz ähnlich ist es bei unserem anderen Nachbarn im All,
dem Mars: Er steht am 9. Januar 2026 in Konjunktion, ist also
auch unsichtbar. Jupiter hingegen steuert auf seine Opposition im
kommenden Jahr zu. Er wird zu einem Planeten der ganzen Nacht. Zu finden
ist der Gasriese im Sternbild Zwillinge. Der Ringplanet Saturn hat seine Opposition bereits
hinter sich und wird zum Planeten der ersten Nachthälfte. Der Ringplanet ist im Wassermann zu
sehen. Auch Merkur zeigt sich noch einmal am Morgenhimmel:
Geübte Beobachter können versuchen, den sonnennächsten Planeten in der ersten
Monatshälfte am Morgenhimmel im Osten in den Sternbildern Waage und Skorpion aufzuspüren.
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