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Auf der Spur der Bestandteile des Universums
Redaktion
/ idw / Pressemitteilung der Technischen Universität Dresden astronews.com
9. April 2009
Mit dem neuen Teilchenbeschleuniger Large Hadron
Collider am Genfer Forschungszentrum CERN beginnt eine ganz neue Phase der
Teilchenphysik, die auch ein neues Licht auf so manche kosmologische
Fragestellung werfen könnte. Auf diese neue Ära will man in Sachsen, Berlin und
Brandenburg die nächste Generation von Teilchenphysikern vorbereiten. Dazu
startete jetzt ein neues Graduiertenkolleg.

Erfährt man aus der Beschäftigung mit den
kleinsten Teilchen bald mehr darüber, warum das
Universum so aussieht, wie wir es beobachten?
Hier ein Bild des Hubble-Weltraumteleskops.
Bild:
STScI / NASA |
Die Elementarteilchenphysik hat mit den Grundregeln ihres "Standardmodells"
unser Naturverständnis in den letzten Jahrzehnten entscheidend vorangebracht.
Mit der Inbetriebnahme des neuen Large Hadron Colliders (LHC), dem
weltgrößten Teilchenbeschleuniger am Europäischen Laboratorium für
Teilchenphysik CERN, steht die Menschheit jedoch am Beginn einer neuen Ära, von
der gänzlich neue Entdeckungen zu erwarten sind, die über das Standardmodell
hinausgehen.
Geaun hier setzt das neue, universitätsübergreifende Graduiertenkolleg
"Masse, Spektrum, Symmetrie - Teilchenphysik in der Ära des Large Hadron
Colliders" der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit Arbeitsgruppen in
Dresden, Berlin und Zeuthen (Brandenburg) an. Gemeinsam beteiligen sich die
Teilchenphysiker unter anderem am ATLAS-Experiment des LHC, und gemeinsam mit
der nächsten Generation von Physikerinnen und Physikern wollen sie die spannende
Zeit der langjährigen experimentellen und theoretischen Forschung am und rund um
den LHC miterleben und mitgestalten.
So werden 16 Doktorandenstellen und sechs Qualifizierungsstipendien in dem
neuen Kolleg finanziert, das seine Arbeit im April 2009 aufgenommen hat und
vorerst bis Ende Oktober 2013 laufen soll. "Mit dem Standardmodell verfügen wir
über eine revolutionäre Theorie, die - außer der Gravitation - alle Kräfte und
Wechselwirkungen in unserem Universum nicht nur beschreibt, sondern sogar ihre
Ursache aufgedeckt hat: Elegante fundamentale Symmetrien der Natur. Zur
Vervollständigung wird der LHC die einzig noch offene Frage des Standardmodells
beantworten, nämlich wie Teilchen zu ihrer Masse kommen", beschreibt Prof.
Michael Kobel, Leiter des Instituts für Kern- und Teilchenphysik der TU Dresden
und stellvertretender Sprecher des Kollegs, die Forschungsschwerpunkte in den
kommenden Jahren.
"Unsere Arbeitsgruppe in Dresden wird mit der Suche nach Higgs-Teilchen
überprüfen, ob tatsächlich ein unsichtbares Medium, das Higgsfeld, die Massen
verursacht. Dies würde uns einen weiteren Schritt näher an die Beantwortung der
Frage bringen, warum das Universum gerade so ist, wie es ist; gerade so, dass
Sterne, Planeten, und Leben entstehen konnten", erklärt Kobel. "Gelänge uns
darüber hinaus der Nachweis der letzten noch nicht entdeckten Symmetrie, der so
genannten Supersymmetrie, so könnte das leichteste der supersymmetrischen
Teilchen die mystische Dunkle Materie im Universum erklären, und so eine direkte
Brücke zur Astroteilchenphysik schlagen."
In der Region Sachsen stellt die TU Dresden auf dem Gebiet der
Elementarteilchenphysik einen wichtiges Kompetenzzentrum für Studierende und
Doktoranden dar. Das Institut für Kern- und Teilchenphysik wird überdies vom
Zentrum für Informationsdienste und Hochleistungsrechnen der TU Dresden (ZIH)
unterstützt. Momentan stehen den Teilchenphysikern hier 128 Rechenprozessoren
und mehrere Terabyte Plattenplatz zur Verfügung, um ihre Forschungsergebnisse
auszuwerten.
Exzellente Diplom- und Masterstudierende des neuen Studienprogramms können
nun einen schnelleren Zugang zur Promotion nutzen. Und die Promovierenden werden
sich in der Theorie breite Kenntnisse aneignen, um auf mögliche
Paradigmenwechsel in der Teilchenphysik, die aus der Entdeckung neuer Teilchen
am LHC resultieren könnten, vorbereitet zu sein. Aber auch jenseits der
Wissenschaft bieten sich den teilnehmenden Teilchenphysikern anschließend
vielfältige, teilweise unkonventionelle Karrierewege an, zum Beispiel im Bereich
der Unternehmensberatung, Informationstechnologie, bei Finanzdienstleistern und
im Risikomanagement.
"In den kommenden Jahren wird sich zeigen, welche über das Standardmodell
hinausreichenden Konzepte in der Natur realisiert sind", so Kobel. "Die
Kombination detaillierter Messungen am LHC, experimenteller Untersuchungen der
Eigenschaften von Neutrinos und theoretischer Einbettung in neue Symmetrien wie
der Supersymmetrie könnte neue fundamentale Erkenntnisse liefern, die von der
Möglichkeit einer supersymmetrischen Vereinigung aller zwischen den Teilchen
wirkenden Kräften bis zu kosmologischen Fragen wie etwa der Asymmetrie zwischen
Materie und Antimaterie reichen."
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