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Drei Jahre im Saturnsystem (2)
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Drei Jahre im Saturnsystem

Die Cassini-Falschfarbenbild des Saturnmonds Enceladus. Die
Staubfontainen aufgrund des Eisvulkanismus sind deutlich über der südlichen Polarregion
zu erkennen. Bild: NASA /
JPL |
Neben der erfolgreichen Landung mit der Huygens-Sonde auf dem Titan
sorgte die Entdeckung von Eisvulkanismus auf Enceladus für die größte
Aufmerksamkeit – nicht nur in der wissenschaftlichen Welt. Dieser Trabant des
Saturn ist mit einem Durchmesser von nur 500 Kilometern eigentlich zu klein, als
dass in seinem Inneren noch genügend Wärme durch den Zerfall radioaktiver
Elemente entstehen könnte, die ausreichen würde, um einen Teil seines Mantels
aus Wassereis zu schmelzen. An der Oberfläche von Enceladus – in fast eineinhalb
Milliarden Kilometer Entfernung zur Sonne – herrschen Temperaturen von minus 180
Grad Celsius.
Doch den Forschern fiel auf, dass ein großes Gebiet am Südpol von Enceladus
zum einen frei von Einschlagskratern ist. Dies deutet darauf hin, dass diese
Region noch nicht lange den Umwelteinflüssen des kosmischen "Bombardements"
ausgesetzt ist, mithin also geologisch "jung" sein muss. Zum anderen ist das
Südpolgebiet von ungewöhnlichen, hunderte von Kilometer langen Bergrücken
überzogen. Erste Messungen mit dem CIRS-Experiment (Composite Infrared
Spectrometer) von Cassini zeigten zudem, dass die
Oberflächentemperatur entlang dieser Bergrücken – von den Forschern
"Tigerstreifen" genannt – um 15 bis 20 Grad Celsius gegenüber den umgebenden
Ebenen erhöht ist.
Auch mit dem Cassini-Magnetometer wurden erhöhte Werte im
Saturn-Magnetfeld gemessen, die darauf schließen lassen, dass in der Umgebung
von Enceladus ein "Hindernis" für die Feldlinien existiert, sich also kleine
Teilchen im Raum um den Mond befinden müssen. Daraufhin wurden mit dem
Imaging Science Subsystem (ISS), der Kamera an Bord von Cassini,
Aufnahmen der ungewöhnlichen Südpolregion im Gegenlicht der Sonne aufgenommen.
Dies erbrachte den Beweis, dass dort Eispartikel mehrere hundert Kilometer in
den Raum geschleudert wurden.
Enceladus ist damit der erste Eismond im Sonnensystem, von dem bekannt ist,
dass er nicht komplett durchgefroren ist, sondern in einem Reservoir unter
seinem Eispanzer Wasser existiert, das bei Überdruck durch die Kruste gepresst
wird und – Geysiren ähnlich – über die Oberfläche und ins All gesprüht wird.
Diese Form von Eisfontänen wird als "Kryovulkanismus" bezeichnet. Die
Wasserpartikel gefrieren beim Austritt sofort aus. Sie fallen entweder auf die
Oberfläche von Enceladus oder nähren außerdem einen der äußeren Ringe des Saturn
mit Eispartikeln: Dies wurde seit geraumer Zeit diskutiert und nun erhärtet.
"Mit dem abbildenden Spektrometer VIMS konnten wir bei drei Vorbeiflügen an
Enceladus Daten von diesem Gebiet aufnehmen, die bestätigen, dass die
Kryovulkane entlang der Tigerstreifen feine Eispartikel ins All schießen und auf
Enceladus herabschneien lassen. So wird die Oberfläche dort ständig erneuert",
erklärt Professor Jaumann, der Mitglied des VIMS (Visual and Infrared
Mapping Spectrometer)-Teams ist. Auch die Wärmequelle, die das Eis im
Innern des Mondes schmelzen lässt, ist inzwischen gefunden: Die Schwerkraft des
Planetenriesen Saturn bewirkt, dass auf Enceladus Gezeitenkräfte einwirken, die
genügend Wärme erzeugen, um in mehreren Kilometern Tiefe das Eis tauen zu
lassen.
Lesen Sie im dritten Teil:
Geheimnisvoller Titan
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