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Warum verriet ein Venustransit die Entfernung zur Sonne?
Die Planeten und die Sonne lassen sich zwar am Himmel beobachten, doch aus
den bekannten Gesetzen über die Planetenbewegung und den beobachteten
Umlaufzeiten konnte man lediglich die relativen Entfernungen der Planeten zur
Sonne bestimmen. Was fehlte, um daraus sämtliche Entfernungen im Sonnensystem
ableiten zu können, war zumindest eine konkrete Entfernungsmessung zur Sonne.
Der Venustransit bot genau eine solche Möglichkeit, nämlich mithilfe der
sogenannten Parallaxe. Dabei wertet man aus, wie sich ein Objekt in Bezug auf
den weiter entfernten Hintergrund verschiebt, wenn man es von verschiedenen
Positionen aus betrachtet. Den Effekt kann man selbst beobachten, wenn man sich
einen Stift vor die Nase hält und diesen einmal nur mit dem linken und dann nur
mit rechten Auge betrachtet. Er wird vor dem weiter entfernten Hintergrund hin-
und herspringen.
Auch wenn sich bei einem Venustransit die Venus vor die Sonnenscheibe
schiebt, tut sie das für Beobachter an verschiedenen Orten der Erde nicht genau
gleich und auch nicht zur exakt gleichen Zeit. Die Unterschiede sind natürlich
sehr gering, doch wandert der dunkle Punkt der Venus für einen sehr nördlichen
Beobachter auf einer Bahn über die Sonnenscheibe, die eine leicht andere
Entfernung zum Sonnenzentrum hat, als es für einen südlichen Beobachter
erscheint.
Eine genaue Auswertung solcher Beobachtungen von unterschiedlichen Orten aus,
erlaubt dann die Bestimmung der Entfernung zur Venus durch Triangulation und
daraus dann die Ermittlung der Entfernungen im Sonnensystem. Seit dem 18.
Jahrhundert konnte man durch aufwendige Venustransit-Expeditionen so das
Sonnensystem immer genauer vermessen.
(ds/17.
Juni 2019)
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