Hat diese Uranus-Argumentation in Euren (kritischen) Augen Nachweischarakter?
Mit Sicherheit nicht. Was ich aus der Tabelle entnehmen kann, ist zum einen eine Auflistung von Daten, die mit politischen Ereignissen in Verbindung stehen (linke Spalte) und eine Auflistung von beobachtbaren Himmelserscheinungen, die im fraglichen Zeitraum stattfanden (rechte Spalte). Darin tauchen fast ausschließlich Konjunktionen mit dem Mond auf, wobei die Daten vermutlich so selektiert wurden, dass Uranus irgendwie eine Rolle spielt. Nicht berücksichtigt wurden z.B. Oppositionen, Quadranten u.a. Konstellationen, die in der Astrologie eine Rolle spielen. Aber gut, vielleicht waren die Mayas in diesen Details damals nicht so firm wie die "Berufskollegen" der BILD-Zeitung heute ...
Wie auch immer: Die im Anschluss an das Datenmaterial präsentierte "Beweisführung" kann nicht überzeugen, denn 17 Ereignisse sind eine sehr kleine Menge. 11 von 17 Uranus-Magnituden waren kleiner als der Durchschnittswert, aber wie groß ist die Streubreite? Ich trage mal zusammen:
1. 5,67mag;
2. 5,60mag;
3. 5,84mag;+
4. 5,34mag;-
5. 5,50mag;-
6. 5,39mag;-
7. 5,60mag;
8. 5,48mag;-
9. 5,78mag;+
10. 5,71mag;+
11. 5,81mag;+
12. 5,45mag;-
13. 5,45mag;-
14. 5,59mag;
15. 5,83mag;+
16. 5,83mag;+
17. 5,55mag -
Der Durchschnittswert beträgt 5,625mag. Eine Abweichung von mehr als 10% kann man als deutlich werten. Das Intervall beträgt 0,63mag, so dass eine Streubreite von +/- 0,063mag um den Durchschnittswert als normal einzustufen ist. Also müssen wir auf Werte achten, die geringer als 5,562mag sind (in der Liste mit einem Minuszeichen markiert). Ich zähle 7 und liege damit im statistischen Durchschnitt. Werte, die größer als 5,688mag sind, liegen außerhalb des statistischen Durchschnitts (in der Liste mit einem Pluszeichen markiert). Hier sind es 6 Werte. Also ergiebt sich folgende Verteilung:
7 unterdurchschnittliche Werte (Helligkeit größer als der Durchschnitt);
4 durchschnittliche Werte (Helligkeitsabweichung < 10% vom arithmetischen Mittel);
6 überdurchschnittliche Werte (Helligkeit geringer als der Durchschnitt)
Das entspricht in grober Näherung (soweit das bei nur 17 Werten möglich ist) einer statistischen Normalverteilung, wie sie durch eine Gaußsche Glockenkurve repräsentiert wird. Das Argument 11:17 überzeugt daher nicht. Ebenso das vermeintlich stützende "Gegenargument" einer zufälligen Datenauswahl, die ein Verhältnis von 8:9 ergab.
Zu deiner Frage, die du am Ende des Kapitels stellst ("Warum haben die Olmeken nicht das Datum der Sonnenfinsternis gewählt?"), fällt mir spontan ein, dass Sonnenfinsternisse bei vielen Völkern allgemein negativ besetzt sind, also auf Gefahr und Unheil verweisen (Die Sonne wird scheinbar vom Mond verschluckt und verliert ihre Eigenschaft, Licht und Wärme zu spenden - was kann schlimmer sein als das?!). Für eine Krönung ist das eine denkbar schlechte Publicity, so dass man 5 Tage gewartet hat. 5 unheilvolle Tage spielen im Maya-Kalender an jedem Jahresende eine Rolle (Sie passen nicht ins 360-Tage-Schema des Tun und sind folglich "unberechenbar"), so dass es mich nicht verwundert, dass hier wiederum dem Unheil 5 Tage lang Raum gegeben wurde und erst danach die Krönung angesetzt wurde. Aber das nur am Rande ...
Viele Grüße!