Wie ein Detektor sich praktisch verhält, wissen wir aus der Praxis.
Was wir nicht kennen, ist ein mathematisch Modell, aus dem dieses
Verhalten vollumfänglich berechnet werden kann.
Wir kennen mathematische Modelle, die das im Ensemble auf
experimentelle Genauigkeit genau berechnen können, und das reicht aus,
um meinem Argument Gewicht zu geben. Siehe die semiklassische Analyse
des Photoeffekts von Mandel und Wolf. Die Detektion eines Elektrons
geht im Prinzip genauso, nur wegen der Ladungserhaltung mit anderen
Details.
TomS schrieb:
Ja, lokalisiert sind Größen wie Energie, Ladung, Stromdichte.
Nein. Lokalisiert sind Größen wie Energiedichte, Ladungdichte,
Stromdichte. Die sind nicht gequantelt, sondern können beliebig kleine
Werte annehmen.
TomS schrieb:
Aber im Falle eines Detektors geschieht dies für ein Elektron
(Myon, Proton …) immer in höchstens einem sehr kleinen
Raumbereich - siehe die Spuren in der Nebelkammer.
Dort geschieht es
für ein Ensemble von geladenen Teilchen, nicht für
ein einzelnes. Dafür reicht aber die Analyse von Mott schon aus.
TomS schrieb:
Das Beispiel der Wasserwelle taugt also nicht.
Dann will ich es ausführlicher gestalten.
Die typische metastabile Situation ist der berühmte Tropfen, der ein
Fass zum Überlaufen bringt. Wir betrachten also eine Regentonne - ein
altes, rundes Fass, dessen oberer Rand fraktal ausgefranst ist.
Die Detektorelemente sind die vielen lokalen Minima des oberen Randes.
Wenn dort Wasser austritt, gilt das als Aktivierung des Detektorelements.
(Eine nagelneue Tonne hätte nur
ein lokales Minimum, ausser sie ist perfekt
gearbeitet und perfekt waagrecht gelagert und es gibt statt eines Minimums ein
Kontinuum von stationären Punkten,)
Im metastabilen Zustand ist das Fass randvoll, das Wasser steht schon
über den Rand hinaus, aber die Oberflächenspannung verhindert gerade
noch das Überfliessen. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt,
aktiviert (unabhängig von der Breite des Fasses) mit Wahrscheinlichkeit
1 ein Detektorelement, und mit geringer Wahrscheinlichkeit mehrere.
(Die Wahrscheinlichkeiten beziehen sich dabei auf die als stochastisch
behandelten Details des ausgefranzten Rands.)
Nur im Zentrum der Tonne fallende Tropfen produzieren Wellen, deren
Symmetrie mit der das Fasses übereinstimmt. Die vorhandene oder
fehlende Symmetrie der Welle ist aber unerheblich für das Auslösen
des Ereignisses. Das entscheidende Element ist nicht die
Symmetriebrechung, sondern die Metastabilität. Die liegt nur beim
Detektor vor, nicht bei dessen Input. Daher ist nur die Struktur des
Detektors relevant.
TomS schrieb:
Wir haben kein Modell, das erklärt, warum höchstens eine
Umgebung, warum höchstens ein Detektorereignis.
Wir brauchen das auch nicht, da das experimentell nicht testbar ist.
Das liegt an den experimentellen Imperfektionen, u.a., der Möglichkeit
von dark counts. Eine noch so geringe Wahrscheinlichkeit für dark
counts macht das unmöglich.
TomS schrieb:
Ich hatte schon mehrfach skizziert - und ich dachte, wir hätten da
einigermaßen Konsens -, was mathematisch zu modellieren und zu zeigen
ist: für eine s-Welle als Modell eines aus genau einem Zerfall
stammenden auslaufenden Elektrons, Photons … und einem näherungsweise
sphärisch symmetrischen Detektor, bestehend aus mit n = 1,2…N
nummerierten Detektorelementen, ist zu zeigen, dass mit
Wahrscheinlichkeit exakt Eins für höchstens ein Detektorelement
n ein q-Erwartungswert vorliegt, der mathematisch ein Detektorereignis
im n-ten Element kodiert; dass also mit Wahrscheinlichkeit exakt Null
für mehr als ein Detektorelement q-Erwartungswerte vorliegen,
die für diese Elemente n,p,q … mehrere Detektorereignisse kodieren.
Das zu zeigen ist meines Erachtens unmöglich, denn auch die
traditionellen quantenmechanischen Ensemblemodelle (auf denen ja unser
Glaube an die Quantenmechanik beruht), sagen eine (extrem winzige,
experimentell vernachlässigbare) positive Wahrscheinlichkeit für
mehrfache Ereignisse voraus.
Aber Wahrscheinlichkeiten von exakt Null oder Eins sind ja gar nicht
nötig, um Übereinstimmung mit dem Experiment zu bekommen.
TomS schrieb:
Ich hatte Sie in den vergangenen Diskussionen immer so verstanden,
dass wir da übereinstimmen,
... aber nicht in Ihrer sinnlos apodiktischen Extremversion mit
exakten Wahrscheinlichkeiten 1 und 0!
TomS schrieb:
Sie haben in den letzten Tagen nochmal klargemacht, dass Sie darauf
bestehen, dies müsse tatsächlich für ausgedehnte Zustände - als
Beispiel oben die s-Welle - erfolgen, und dass Sie eine alternative
Idee einer Art "fortwährenden Lokalisierung" des Elektrons,
Photons o.ä. ablehnen.
Ja, denn dafür habe ich klare physikalische und mathematische Gründe,
die ich Ihnen zu vermitteln hoff(t)e.
Woher sollte denn eine sphärische Welle, die sich in einem
approximativen Vakuum ausbreitet, ahnen können, wo der Experimentator
sein Messgerät aufgestellt hat, wie sie sich also lokalisieren soll?
Diese Information wird ja erst dann verfügbar, wenn die Welle den
Detektor antrifft. Und dann weiss nur der lokal betroffene Teil der
Welle etwas davon. Wie lokalisiert dieser Teil dann den Rest der Welle,
insbesondere den Teil, der sich von diesem lokalen Ort wegbewegt?
Da gibt es nichts in der Wellengleichung, die einem so etwas
ermöglichen würde!
TomS schrieb:
dass Sie allerdings (noch) kein lösbares Modell kennen, das genau
dieses Ergebnis liefert.
TomS schrieb:
wir haben kein detailliertes quantitatives Modell, aus dem diese
Lokalisierung beweisbar folgt.
Und solange wir das nicht haben, wissen wir nicht, was der Fall ist.
Ich habe - wie auch sonstwo in der Physik - eine Anzahl von Modellen
verschiedener Qualität, die mir zusammengenommen die nötigen Hinweise
und die richtige Intuition geben. Zum Beispiel
- den Tropfen, der das Fass überlaufen lässt,
- eine ganze Reihe von Modellen, die ein Ensemble benutzen, aber damit die experimentellen Resultate reproduzieren
- und eine ganze Reihe semiklassischer Modelle, die die Bornsche Regel erklären (allerdings mit Zirkelschlüssen).
- Ausserdem habe ich verschiedene Modelle, die meine Version des Ergebnisses liefern sollten, wenn ich sie nur rechnen könnte.
Und ich bin dabei, diese letzteren Modelle zunehmend zu vereinfachen,
bis ich sie rechnen kann (was hoffentlich bald der Fall sein wird).
Alles zusammen zeigt mit einen klaren Weg, der halt seine Zeit
braucht, um gegangen zu werden.
TomS schrieb:
Zu dem, was Sie glauben, was ich denke:
Wenn ich 'Sie' sage, ist das nicht persönlich gemeint,
sondern einfach eine bequeme Kurzform für '"Ihr(e) Argument(e)''. Ich fühle
mich auch nicht von Ihren Argumenten angegriffen; im Gegenteil,
sie zeigen mir, wo ich noch besser erklären muss...
TomS schrieb:
Ich denke nicht, dass Ihre Idee als Ganzes falsch ist, sondern dass
ein Modell mittels ausgedehnter Quantenzustände, die erst ganz zuletzt
zu einem Detektorereignis lokalisiert werden, eine Sackgasse
darstellen könnte.
... ich dagegen finde, Ihre Alternative ist sicher eine Sackgasse!
TomS schrieb:
Da wir ohne bzw. vor der Detektion nicht sicher wissen können, was
geschieht,
... nicht sicher, aber doch mit sehr guten Gründen!