Die Thermal Interpretation der Quantenmechanik

Bernhard

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Zu Mott's Problem gibt es in den letzten Jahren z.B. mehrere (durchaus interessante) Arbeiten von Schonfeld (die neueste https://arxiv.org/pdf/2505.00716), aber die Argumente sind so unpräzise, dass er ohne es zu merken einen Kollaps (''draining the square norm'') verwendet, und nachher meint, ihn abgeleitet zu haben.
Meine Suche nach einer moderneren Darstellung ergab ein pdf von Figari (Universität Neapel) und Teta: Emergence of classical trajectories in quantum systems: the cloud chamber problem in the analysis of Mott (1929)
 

antaris

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Der Detektor besteht aus einer Unzahl von mikroskopischen Detektorelementen, die für die Zwecke der visuellen Interpretation auf eine Anzahl von Pixeln oder Sliberjodidkörnern, etc., zusammengefasst werden. Wenn man nur ein Detektorelement anschaut, wird es bei einen einzelnen Photon mit fast 100%iger Wahrscheinlichkeit nicht ansprechen, aber eins der Vielen wird mit einer positiven Wahrscheinlichkeit ansprechen, die dem Wirkungsgrad des Detektors entspricht.
Mir ging es nur darum, ob der gesamte Detektor als Umgebung der Detektorelemente aufgefasst werden kann. Das ein "ganzer Detektor" benötigt wird, damit eine vernüftige Messung durchgeführt werden kann, stand gar nicht in Frage. Ich hätte auch Fragen können ob ein Stein die Umgebung der Atome/Moleküle ist, aus denen er besteht.
Darin ist alles enthalten, was Beobachter im Universum im Prinzip beobachten können!
Danke!

Ebene Wellen eliminieren die Zeit in den Formeln, man bekommt stationäre Streutheorie. Kugelwellen haben immer noch hohe Symmetrie, und man kann sie leicht experimentell erzeugen.
(y)

Wellenpakete sind dagegen nur wandernde unförmig oszillierende Klumpen, die man euphemistisch Teilchen nennt, ohne schöne Eigenschaften.
Sie meinen, "das Teilchen" ist nur eine beschönigende Bezeichnung für etwas, das zu beschreiben eine sehr große Herausforderung wäre?
Gerade "der wandernde unförmige oszillierende Klumpen" weckt mein Interesse. Ist dieser "Klumpen" insofern für die TI uninteressant, da er heuristisch/effektiv mittels der World Tube beschrieben werden kann?

Es gibt da nur einen V-förmigen world tube
Oben hatte ich aus dem Foundations II zitiert. Sie haben dort geschrieben, dass die World Tube nested, also verschachtelt ist und aus eine Familie von World-Tubes besteht. Kann man sich das als baumartiges Netzwerk vorstellen? Können Sie das bitte weiter erläutern oder haben sie das schon und können mir nennen wo?

Der wird immer breiter; das nennt man das Zerfliesen des Wellenpakets.
Ok, also durch Dispersion.
Die V-Form kommt von der maximalen Ausbreitungsgeschwindigkeit (Lichtkegel)?

Weil beim Detektor die Idealisierung der perfekten Homogenität zu unrealistisch ist. Es kann halt einfach nie passieren.
Gehst du oder Prof. Neumaier davon aus, dass im Vakuum zwischen Quelle und Detektor perfekte Homogenität herrscht? Ist diese Sicht nicht zu klassich geprägt bzw. woher wollen wir das wissen? Wir können das nur soweit bestätigen, dass...

...manchmal sogar Zimmertemperatur kein Problem [ist].

oder habe ich was falsch verstanden?

Nun komme ich doch nochmal zu den Skalen, ab denen wir nicht mehr mit den Augen oder mit Messinstrumente direkt die Strukturen der Entitäten beobachten können. Mir ist klar, dass zur Formulierung der TI darüber hinaus nichts weiter benötigt wird aber bleibt diese dann nicht tatsächlich rein interpretativ und erschwert zuätzlich die Lösung der Modellierung der richtigen Quellen und Detektoren?
Wie sollen diese richtig modelliert werden, wenn das harte Problem "der wandernden unförmigen oszillierenden Klumpen", welche ja vermessen werden sollen, gar nicht im Detail untersucht werden?

Wenn ich eine kleine Kugel aus meiner Hand (Quelle) eine steinigen Abhang herunterrollen lasse, dann springt diese auch in einer Art "Kugel-World-Tube" hin und her. Stelle ich unten eine Wand (Detektor) auf, dann prallen die Kugeln eines Kugel-Ensembles an vollkommen unterschiedlichen Positionen an der Wand. Auch die Position der Quelle kann im gewissen Rahmen verändert werden, ohne dass es an der Wand auffallen würde. Das hin und herspringen der Kugel auf den Steinen verwäscht jede toleranzbehaftete Anfangsbedingung. Dennoch werden wohl eher viele Kugeln im Bereich der Mitte und immer weniger zum Rand der Wand aufprallen. Ich sehe da irgendwie keinen prinzipiellen Unterschied, was m.E. zumindest das auftreffen vieler einzelner Photonen auf einen Detektor betrifft.

Bisher hat noch nie ein Mensch die Struktur eines Photon mit eigenen Augen gesehen. In einem deterministischen Universum hat jede Zustandsänderung eine Ursache und das muss dann auch für die Wanderung, die Unförmigkeit und die Oszillation dieser "Klumpen" gelten. Erst recht wenn diese Klumpen emergieren sollen, was Sie ja selbst geschrieben haben. Aus meiner Sicht wäre es ein Ziel des Forschungsprogramms TI, genau diesen Ursachen auf den Grund zu gehen und zu zeigen, wie diese Klumpen mit ihren Eigenschaften emergieren.
 
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antaris

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Das ist vom Thread "zur Problematik der Interpretation der Quantenmechanik":
Der Dichteoperator hat zu jeder Zeit einen Kern, der von zwei Raumkoordinaten abhängt, und damit alle Eigenschaften des Photons im ganzen Raum und der gewählten Zeit beschreibt.

Was meinen Sie mit "Der Dichteoperator hat zu jeder Zeit einen Kern, der von zwei Raumkoordinaten abhängt, ..."? Was ist der Kern und warum 2 Dimensionen? Können Sie das bitte erläutern oder eine Quelle zum nachlesen nennen?
 

Bernhard

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Was meinen Sie mit "Der Dichteoperator hat zu jeder Zeit einen Kern, der von zwei Raumkoordinaten abhängt, ..."? Was ist der Kern und warum 2 Dimensionen? Können Sie das bitte erläutern oder eine Quelle zum nachlesen nennen?
Mir ist der Satz auch nicht ganz klar, obwohl es vermutlich zu den Grundlagen der TI gehört :oops: . Ich tippe auf den Punkt 3.5 von Foundations of quantum physics III. Measurement . Da gibt es eine 2x2-Matrix, die eine lineare Abbildung definieren kann, womit sich auch ein Kern dieser Abbildung ergibt.
 
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antaris

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Ich habe alle Arbeiten letztes Jahr mehrmals gelesen, als wir auf dem Physikerboard diskutierten. Wenn ich heute die Arbeiten lese, ist es als wären sie ganz neu. Irgendwie seltsam aber ich muss wohl alle nochmal mehrmals lesen und wer weiß wie oft noch, bis dann die Gundlagen wirklich verstanden sind.
 

Bernhard

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Wenn ich heute die Arbeiten lese, ist es als wären sie ganz neu.
Es gibt bei Fachliteratur trivialerweise mindestens zwei Schichten. Beim ersten Lesen geht es nur darum das Thema verbal zu verstehen und dieses grob einzuordnen. Beim zweiten Lesen kommt dann die logische Struktur mit ihren Schlussfolgerungen und dabei geht es dann erst um das Verstehen, was auch in Prüfungen bewertet wird. Um da zu punkten, muss man in der Physik normalerweise viel rechnen und prüfen, ob man die verwendeten mathematischen Modelle nachvollziehen kann. Bei diesen Rechnungen gibt es dann erneut die genannten Schichten: Zuerst grob verstehen, um was es geht und dann die Details und möglicherweise die verschiedenen Rechenwege.

Insofern ist das beschriebene "Phänomen" ganz normal.
 

antaris

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Es gibt bei Fachliteratur trivialerweise mindestens zwei Schichten.
Ja genau aber ich glaube auch behaupten zu können, seit dem letzten lesen der Arbeiten auch von den Voraussetzungen tiefer drin zu stecken, was meine Sicht auch insgesamt ein wenig verändert hat. Letztes mal war es noch das Chaos, was mich angetrieben hatte aber nun glaube ich zu wissen, dass dies auch "nur" eine, von vielen effektiven Ansichten des Universums ist...
 

Bernhard

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aber nun glaube ich zu wissen, dass dies auch "nur" eine, von vielen effektiven Ansichten des Universums ist...
Schön, wenn die Physik etwas Orientierung geben kann, denn das ist ja auch eine ihrer Stärken. Die Frage nach den ganz großen und ganz kleinen Skalen ist im Vergleich dazu und zum Glück nur ein Teilaspekt.
 

antaris

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Schön, wenn die Physik etwas Orientierung geben kann, denn das ist ja auch eine ihrer Stärken. Die Frage nach den ganz großen und ganz kleinen Skalen ist im Vergleich dazu und zum Glück nur ein Teilaspekt.
Ja aber mitunter ist es der schwerste Stein, der zu tragen ist. Die Schwierigkeit liegt, für über das Universum nachdenkende, nicht nur in der Komplexität des Universums selbst, sondern vor allem darin, diese in interdisziplinäre Theorien fassen, verstehen und überblicken zu können.
 

A.Neumaier

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Sie behaupten, es wäre der Detektor alleine, der die Symmetrie bricht.

Ich habe den Verdacht, dass dies nicht ausreicht.
Das muss schon deshalb ausreichen, weil ein Detektor schon so reagiert, wenn er mit einem klassischen externen Feld wechselwirkt, so dass die Quantennatur des Inputs und seine Genesis vor dem Detektorkontakt also keinerlei Rolle spielen kann.
Meine Frage ist, ob bzw. warum dies ausreicht, aus einem über den gesamten Detektor delokalisierten, kugelsymmetrischen Photonen- oder Elektronzustand ein in einem einzigen Detektorelement lokalisiertes Detektorereignis zu erhalten,
Sie dürfen sich ein einzelnes auf eine Kugelwelle delokalisertes Elektron nicht mehr als Teilchen vorstellen, sondern nur noch als Elektronenfeld mit einer extrem geringen Dichte. Es wird nirgends wahrgenommen ausser potentiell an solchen Detektorelementen, wo (aus andern Gründen) schon vorher genug Elektronendichte da ist, um einen signifikanten Effekt zu erzielen. Das reicht aus, um die Lokalisierung zu erklären. Lokalisiert ist dann nicht das Elektron, sondern das Detektorereignis!

Wirft man einen Stein ins Wasser, bekommt man auch eine Kugelwelle, aber in 10 Meter Entfernung siehr man nichts mehr davon. Trotazdem wird die verdrängte Wassermasse weitergegeben, eben immer verdünnter, und kann dann irgendwo weit weg zum Überlaufen führen.
insbs. wenn die Dauer der Wechselwirkung mit dem Detektor extrem kurz ggü. der Lichtlaufzeit quer durch einen riesigen Detektor ist. Woher weiß denn das Detektorelement hier, dass hier die gesamte Ladung des Elektrons lokalisiert wird, und nichts davon dort?
Das ist ja gar nicht der Fall! Das Detektorelement sieht (nur) die lokal ankommende Dichte und reagiert mit einer dazu proportionalen Wahrscheinlichkeit.
Das lässt eine kleine Wahrscheinlichkeit zu, dass tatsächlich zwei Detektorelemente reagieren. D.h. man hätte z.B. hier eine Ladungsmenge xe, dort (1-x)e.
Nein. Man hat die Dichte eps e hier und dort, mit winzigem eps, und eine Umgebung bei der dieses eps ausreicht, um die Stabilitätsbarriere des metastabilen Detektorelements zu überwinden.
Mir scheint da noch irgendein dynamischer Mechanismus zu fehlen; ich habe den Verdacht, dass die Wahrscheinlichkeiten alleine das nicht lösen.
Sie denken halt, dass ein ganzes Elektron am Detektor ankommen müsste, aber das schulden Sie nur dem hier nicht mehr anwendbaren klassischen Teilchendenken, nicht der Physik!
 
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A.Neumaier

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Mir ging es nur darum, ob der gesamte Detektor als Umgebung der Detektorelemente aufgefasst werden kann.
Ja. Sogar das ganze Universum.
Sie meinen, "das Teilchen" ist nur eine beschönigende Bezeichnung für etwas, das zu beschreiben eine sehr große Herausforderung wäre?
... das man gar nicht genau beschreiben möchte, da es auf die Details nicht ankommt. Bei einer Wasserwelle modellieren Sie ja auch nicht alle mikroskopischen Details, sondern nur die wesentlichen Dinge!
dass die World Tube nested, also verschachtelt ist und aus eine Familie von World-Tubes besteht. Kann man sich das als baumartiges Netzwerk vorstellen?
Ja. Die Quelle erzeugt einen Laserstrahl, der dann durch eine optische Versuchsanordnung geht und dort z.B. durch mehrere Beamsplitter mehrfach aufgespalten wird. Die erzeugten Strahlen bilden einen binären Baum.
Die V-Form kommt von der maximalen Ausbreitungsgeschwindigkeit (Lichtkegel)?
Nein, die kommen vom Beamsplitter, eigentlich hat man eine Y-Form, wenn man dien world tube von der Quelle durch den Beamsplitter verfolgt. Ich hatte den Stiel ignoriert, da man in den entsprechenden Experimenten dem Anfangsstrahl meist keine Beachtung schenkt.
[...]Modellierung der richtigen Quellen und Detektoren?
Wie sollen diese richtig modelliert werden, wenn das harte Problem "der wandernden unförmigen oszillierenden Klumpen", welche ja vermessen werden sollen, gar nicht im Detail untersucht werden?
Der Klumpen wird ja gar nicht vermessen, sondern nur, ob er da ist oder nicht, und vielleicht welchen Spin er hat.

Und das harte Problem ist nicht der Klumpen, sondern, wie man zeigen kann, dass das Detektorelement im Einzelfall mal anspricht und mal nicht, und wie diese Alternative genau von Klumpen, Detektorelement, und Umgebung abhängt.
Wenn ich eine kleine Kugel aus meiner Hand (Quelle) eine steinigen Abhang herunterrollen lasse, dann springt diese auch in einer Art "Kugel-World-Tube" hin und her. Stelle ich unten eine Wand (Detektor) auf, dann prallen die Kugeln eines Kugel-Ensembles an vollkommen unterschiedlichen Positionen an der Wand. Auch die Position der Quelle kann im gewissen Rahmen verändert werden, ohne dass es an der Wand auffallen würde. Das hin und herspringen der Kugel auf den Steinen verwäscht jede toleranzbehaftete Anfangsbedingung. Dennoch werden wohl eher viele Kugeln im Bereich der Mitte und immer weniger zum Rand der Wand aufprallen. Ich sehe da irgendwie keinen prinzipiellen Unterschied, was m.E. zumindest das auftreffen vieler einzelner Photonen auf einen Detektor betrifft.
Das Problem ist der Fall eines einzelnen Aufpralls, nicht der von vielen. Klassisch gibt es da kein Problem, aber Quantenmechanisch kommt ja eine Welle an, und kein Teilchen. Deshalb gibt es da Erklärungsbedarf: Wo kommt der beobachtete Prall her, wenn gar nichts aufprallt, sondern nur eine gleichmässig verteilte sanfte Brise herrscht?
Was meinen Sie mit "Der Dichteoperator hat zu jeder Zeit einen Kern, der von zwei Raumkoordinaten abhängt, ..."? Was ist der Kern und warum 2 Dimensionen? Können Sie das bitte erläutern oder eine Quelle zum nachlesen nennen?
Ein Dichteoperator ist ein Integraloperator und hat deshalb einen Kern. Hat der Hilbertraum Wellenfunktionen psi(x), so ist der Kern des Dichteoperators rho(x,y). In unserem Fall sind x,y in R^3 Raumkoordinaten.
 
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TomS

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Das muss schon deshalb ausreichen, weil ein Detektor schon so reagiert, wenn er mit einem klassischen externen Feld wechselwirkt, so dass die Quantennatur des Inputs und seine Genesis vor dem Detektorkontakt also keinerlei Rolle spielen kann.
Wie ein Detektor sich praktisch verhält, wissen wir aus der Praxis. Was wir nicht kennen, ist ein mathematisch Modell, aus dem dieses Verhalten vollumfänglich berechnet werden kann *.

Das reicht aus, um die Lokalisierung zu erklären.
Ich kenne kein mathematisches Modell, aus dem dieses Verhalten vollumfänglich berechnet werden kann *.

Lokalisiert ist dann nicht das Elektron, sondern das Detektorereignis!
Ja, lokalisiert sind Größen wie Energie, Ladung, Stromdichte.

Wirft man einen Stein ins Wasser, bekommt man auch eine Kugelwelle, aber in 10 Meter Entfernung siehr man nichts mehr davon. Trotazdem wird die verdrängte Wassermasse weitergegeben, eben immer verdünnter, und kann dann irgendwo weit weg zum Überlaufen führen.
Aber im Falle eines Detektors geschieht dies für ein Elektron (Myon, Proton …) immer in höchstens einem sehr kleinen Raumbereich – siehe die Spuren in der Nebelkammer. Das Beispiel der Wasserwelle taugt also nicht.

Das ist ja gar nicht der Fall! Das Detektorelement sieht (nur) die lokal ankommende Dichte …
Wir sehen das experimentelle Resultat, wir haben eine mathematisch formulierte Theorie (Elektrodynamik, QED), die ausschließlich auf lokalen Wechselwirkungen und der "lokal ankommenden Dichte" basiert, aber wir haben kein detailliertes quantitatives Modell, aus dem diese Lokalisierung beweisbar folgt *.

Und solange wir das nicht haben, wissen wir nicht, was der Fall ist.


Man hat die Dichte eps e hier und dort, mit winzigem eps, und eine Umgebung bei der dieses eps ausreicht, um die Stabilitätsbarriere des metastabilen Detektorelements zu überwinden.
Wir haben kein Modell, das erklärt, warum höchstens eine Umgebung, warum höchstens ein Detektorereignis *.


* Ich hatte schon mehrfach skizziert – und ich dachte – wir hätten da einigermaßen Konsens, was mathematisch zu modellieren und zu zeigen ist: für eine s-Welle als Modell eines aus genau einem Zerfall stammenden auslaufenden Elektrons, Photons … und einem näherungsweise sphärisch symmetrischen Detektor, bestehend aus mit n = 1,2…N nummerierten Detektorelementen, ist zu zeigen, dass mit Wahrscheinlichkeit exakt Eins für höchstens ein Detektorelement n ein q-Erwartungswert vorliegt, der mathematisch ein Detektorereignis im n-ten Element kodiert; dass also mit Wahrscheinlichkeit exakt Null für mehr als ein Detektorelement q-Erwartungswerte vorliegen, die für diese Elemente n,p,q … mehrere Detektorereignisse kodieren.

Das bedeutet insbs. auch, mathematisch zu zeigen, dass die Behauptung der MWI falsch ist. Dieser Punkt ist exakt das, was mich an der TI interessiert.

Ich hatte Sie in den vergangenen Diskussionen immer so verstanden, dass wir da übereinstimmen, dass Sie allerdings (noch) kein lösbares Modell kennen, das genau dieses Ergebnis liefert. Sie haben in den letzten Tagen nochmal klargemacht, dass Sie darauf bestehen, dies müsse tatsächlich für ausgedehnte Zustände – als Beispiel oben die s-Welle – erfolgen, und dass Sie eine alternative Idee einer Art "fortwährenden Lokalisierung" des Elektrons, Photons o.ä. ablehnen.



Zu dem, was Sie glauben, was ich denke:

Sie denken halt, dass ein ganzes Elektron am Detektor ankommen müsste, aber das schulden Sie nur dem hier nicht mehr anwendbaren klassischen Teilchendenken …
Nein, ich vertrete kein klassisches Teilchendenken.

Sie dürfen sich ein einzelnes auf eine Kugelwelle delokalisertes Elektron nicht mehr als Teilchen vorstellen,
Das tue ich nicht.

Dass dieses Denken, das sie mir unterstellen, falsch ist, habe ich schon am Gymnasium verstanden. Zu verstehen, wie es richtig funktioniert, war einer der Antriebe, Physik zu studieren. Spätestens in QM I habe ich dann feststellen müssen, dass niemand eine vollumfängliche Antwort hat.

Sie haben auch noch keine. Sie haben eine sehr gut ausgearbeitete Theorie des Messprozesses, und für das o.g. Problem eine sehr vernünftige Hypothese – von der Sie selbst mehrfach sagten, dass Sie sie (noch) nicht zeigen können. Ich glaube deswegen, diese Hypothese kritisch hinterfragen zu dürfen. Das ist nicht gleichbedeutend damit, dass ich das denke, was Sie mir oben unterstellen! Es könnte tatsächlich der Fall sein, dass Ihre Hypothese falsch ist – was ich persönlich bedauern würde – wobei das naive klassische Teilchendenken natürlich weiterhin auch falsch ist.

Verstehen Sie meine Kritik also bitte als konstruktiv, nicht als naiv. Ich denke nicht, dass Ihre Idee als Ganzes falsch ist, sondern dass ein Modell mittels ausgedehnter Quantenzustände, die erst ganz zuletzt zu einem Detektorereignis lokalisiert werden, eine Sackgasse darstellen könnte. Da wir ohne bzw. vor der Detektion nicht sicher wissen können, was geschieht, können wir m.E. eine Art "fortwährende Lokalisierung" nicht sicher ausschließen – experimentell nicht, und mathematisch in Ermangelung von Modellen auch nicht.

Wenn Sie natürlich explizit zeigen können, warum meine Idee falsch ist, wäre das natürlich auch hilfreich; genau deswegen frage ich Sie ja nach Beamsplittern, delayed Choice etc. Bisher sagen Sie aber nur, "das sei klassisches Teilchendenken"; sorry, aber das ist kein Argument sondern klingt nach Strohmann.
 
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Bernhard

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Ein Dichteoperator ist ein Integraloperator und hat deshalb einen Kern. Hat der Hilbertraum Wellenfunktionen psi(x), so ist der Kern des Dichteoperators rho(x,y). In unserem Fall sind x,y in R^3 Raumkoordinaten.
Ich kenne es in der Ortsdarstellung wie folgt:

equation

Ein Zustand psi_1 definiert eine Dichtematrix. Diese wirkt dann auf einen Zustand psi_2. Der Kern dieses Operators wird dann von den Funktionen psi_2 gebildet, die gerade dort gleich Null sind, wo psi_1 ungleich Null ist.

Siehe auch: https://en.wikipedia.org/wiki/Quantum_relative_entropy .
 

A.Neumaier

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Ein Zustand psi_1 definiert eine Dichtematrix. Diese wirkt dann auf einen Zustand psi_2. Der Kern dieses Operators wird dann von den Funktionen psi_2 gebildet, die gerade dort gleich Null sind, wo psi_1 ungleich Null ist.
Das war nicht gemeint, sondern psi(x)=<x|psi> für beliebiges psi und rho(x,y)=<x|rho|y> für beliebiges rho. Dann ist
(rho psi) (x) = int dy rho(x,y)psi( y), was zeigt, dass rho ein Integraloperator mit Kern rho(x,y) ist.
 

A.Neumaier

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Wie ein Detektor sich praktisch verhält, wissen wir aus der Praxis.
Was wir nicht kennen, ist ein mathematisch Modell, aus dem dieses
Verhalten vollumfänglich berechnet werden kann.
Wir kennen mathematische Modelle, die das im Ensemble auf
experimentelle Genauigkeit genau berechnen können, und das reicht aus,
um meinem Argument Gewicht zu geben. Siehe die semiklassische Analyse
des Photoeffekts von Mandel und Wolf. Die Detektion eines Elektrons
geht im Prinzip genauso, nur wegen der Ladungserhaltung mit anderen
Details.
TomS schrieb:
Ja, lokalisiert sind Größen wie Energie, Ladung, Stromdichte.
Nein. Lokalisiert sind Größen wie Energiedichte, Ladungdichte,
Stromdichte. Die sind nicht gequantelt, sondern können beliebig kleine
Werte annehmen.
TomS schrieb:
Aber im Falle eines Detektors geschieht dies für ein Elektron
(Myon, Proton …) immer in höchstens einem sehr kleinen
Raumbereich - siehe die Spuren in der Nebelkammer.
Dort geschieht es für ein Ensemble von geladenen Teilchen, nicht für
ein einzelnes. Dafür reicht aber die Analyse von Mott schon aus.
TomS schrieb:
Das Beispiel der Wasserwelle taugt also nicht.
Dann will ich es ausführlicher gestalten.

Die typische metastabile Situation ist der berühmte Tropfen, der ein
Fass zum Überlaufen bringt. Wir betrachten also eine Regentonne - ein
altes, rundes Fass, dessen oberer Rand fraktal ausgefranst ist.
Die Detektorelemente sind die vielen lokalen Minima des oberen Randes.
Wenn dort Wasser austritt, gilt das als Aktivierung des Detektorelements.
(Eine nagelneue Tonne hätte nur ein lokales Minimum, ausser sie ist perfekt
gearbeitet und perfekt waagrecht gelagert und es gibt statt eines Minimums ein
Kontinuum von stationären Punkten,)

Im metastabilen Zustand ist das Fass randvoll, das Wasser steht schon
über den Rand hinaus, aber die Oberflächenspannung verhindert gerade
noch das Überfliessen. Der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt,
aktiviert (unabhängig von der Breite des Fasses) mit Wahrscheinlichkeit
1 ein Detektorelement, und mit geringer Wahrscheinlichkeit mehrere.
(Die Wahrscheinlichkeiten beziehen sich dabei auf die als stochastisch
behandelten Details des ausgefranzten Rands.)

Nur im Zentrum der Tonne fallende Tropfen produzieren Wellen, deren
Symmetrie mit der das Fasses übereinstimmt. Die vorhandene oder
fehlende Symmetrie der Welle ist aber unerheblich für das Auslösen
des Ereignisses. Das entscheidende Element ist nicht die
Symmetriebrechung, sondern die Metastabilität. Die liegt nur beim
Detektor vor, nicht bei dessen Input. Daher ist nur die Struktur des
Detektors relevant.
TomS schrieb:
Wir haben kein Modell, das erklärt, warum höchstens eine
Umgebung, warum höchstens ein Detektorereignis.
Wir brauchen das auch nicht, da das experimentell nicht testbar ist.
Das liegt an den experimentellen Imperfektionen, u.a., der Möglichkeit
von dark counts. Eine noch so geringe Wahrscheinlichkeit für dark
counts macht das unmöglich.
TomS schrieb:
Ich hatte schon mehrfach skizziert - und ich dachte, wir hätten da
einigermaßen Konsens -, was mathematisch zu modellieren und zu zeigen
ist: für eine s-Welle als Modell eines aus genau einem Zerfall
stammenden auslaufenden Elektrons, Photons … und einem näherungsweise
sphärisch symmetrischen Detektor, bestehend aus mit n = 1,2…N
nummerierten Detektorelementen, ist zu zeigen, dass mit
Wahrscheinlichkeit exakt Eins für höchstens ein Detektorelement
n ein q-Erwartungswert vorliegt, der mathematisch ein Detektorereignis
im n-ten Element kodiert; dass also mit Wahrscheinlichkeit exakt Null
für mehr als ein Detektorelement q-Erwartungswerte vorliegen,
die für diese Elemente n,p,q … mehrere Detektorereignisse kodieren.
Das zu zeigen ist meines Erachtens unmöglich, denn auch die
traditionellen quantenmechanischen Ensemblemodelle (auf denen ja unser
Glaube an die Quantenmechanik beruht), sagen eine (extrem winzige,
experimentell vernachlässigbare) positive Wahrscheinlichkeit für
mehrfache Ereignisse voraus.

Aber Wahrscheinlichkeiten von exakt Null oder Eins sind ja gar nicht
nötig, um Übereinstimmung mit dem Experiment zu bekommen.
TomS schrieb:
Ich hatte Sie in den vergangenen Diskussionen immer so verstanden,
dass wir da übereinstimmen,
... aber nicht in Ihrer sinnlos apodiktischen Extremversion mit
exakten Wahrscheinlichkeiten 1 und 0!
TomS schrieb:
Sie haben in den letzten Tagen nochmal klargemacht, dass Sie darauf
bestehen, dies müsse tatsächlich für ausgedehnte Zustände - als
Beispiel oben die s-Welle - erfolgen, und dass Sie eine alternative
Idee einer Art "fortwährenden Lokalisierung" des Elektrons,
Photons o.ä. ablehnen.
Ja, denn dafür habe ich klare physikalische und mathematische Gründe,
die ich Ihnen zu vermitteln hoff(t)e.

Woher sollte denn eine sphärische Welle, die sich in einem
approximativen Vakuum ausbreitet, ahnen können, wo der Experimentator
sein Messgerät aufgestellt hat, wie sie sich also lokalisieren soll?
Diese Information wird ja erst dann verfügbar, wenn die Welle den
Detektor antrifft. Und dann weiss nur der lokal betroffene Teil der
Welle etwas davon. Wie lokalisiert dieser Teil dann den Rest der Welle,
insbesondere den Teil, der sich von diesem lokalen Ort wegbewegt?
Da gibt es nichts in der Wellengleichung, die einem so etwas
ermöglichen würde!
TomS schrieb:
dass Sie allerdings (noch) kein lösbares Modell kennen, das genau
dieses Ergebnis liefert.
TomS schrieb:
wir haben kein detailliertes quantitatives Modell, aus dem diese
Lokalisierung beweisbar folgt.

Und solange wir das nicht haben, wissen wir nicht, was der Fall ist.
Ich habe - wie auch sonstwo in der Physik - eine Anzahl von Modellen
verschiedener Qualität, die mir zusammengenommen die nötigen Hinweise
und die richtige Intuition geben. Zum Beispiel
  • den Tropfen, der das Fass überlaufen lässt,
  • eine ganze Reihe von Modellen, die ein Ensemble benutzen, aber damit die experimentellen Resultate reproduzieren
  • und eine ganze Reihe semiklassischer Modelle, die die Bornsche Regel erklären (allerdings mit Zirkelschlüssen).
  • Ausserdem habe ich verschiedene Modelle, die meine Version des Ergebnisses liefern sollten, wenn ich sie nur rechnen könnte.
Und ich bin dabei, diese letzteren Modelle zunehmend zu vereinfachen,
bis ich sie rechnen kann (was hoffentlich bald der Fall sein wird).

Alles zusammen zeigt mit einen klaren Weg, der halt seine Zeit
braucht, um gegangen zu werden.
TomS schrieb:
Zu dem, was Sie glauben, was ich denke:
Wenn ich 'Sie' sage, ist das nicht persönlich gemeint,
sondern einfach eine bequeme Kurzform für '"Ihr(e) Argument(e)''. Ich fühle
mich auch nicht von Ihren Argumenten angegriffen; im Gegenteil,
sie zeigen mir, wo ich noch besser erklären muss...
TomS schrieb:
Ich denke nicht, dass Ihre Idee als Ganzes falsch ist, sondern dass
ein Modell mittels ausgedehnter Quantenzustände, die erst ganz zuletzt
zu einem Detektorereignis lokalisiert werden, eine Sackgasse
darstellen könnte.
... ich dagegen finde, Ihre Alternative ist sicher eine Sackgasse!
TomS schrieb:
Da wir ohne bzw. vor der Detektion nicht sicher wissen können, was
geschieht,
... nicht sicher, aber doch mit sehr guten Gründen!
 

A.Neumaier

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Woher weiß denn das Detektorelement hier, dass hier die gesamte Ladung des Elektrons lokalisiert wird, und nichts davon dort?
Nichts wird da lokalisiert.

Das Detektorelement ist nämlich schon lokalisiert, und die Ladung bleibt nach wie vor delokalisiert in der Kugel, auch wenn ein Detektorelement anspricht. Das sieht man aus der Schrödingergleichung, wenn man statt eines grossen kugelförmigen Detektors einen nur cm-grossen Detektor (links von der Quelle und nicht zu nah) nimmt. Nur ein kleiner Teil der Kugelwelle wird dann nämlich gestreut - genau der Teil, mit dem der Detektor wechselwirken kann.
 
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