Hi Udo,
ich schreibe promt mal zurück um Dir eine schnelle Antwort auf Deine Frage zu geben.
Also, das mit den Digitalkameras ist etwas anders als mit Kleinbild, das hast Du ja schon gemerkt. Das worauf es bei Deiner Frage ankommt ist, dass die Chipgrößen der Digitalkameras variieren, KB ist ja immer gleich, also musste man sich bis dato darum keine Gedanken machen und jetzt geht die Verwirrung umher.
Die Objektivbrennweite ist auf jeden Fall 23,4 mm, Deine Rechnung ist damit völlig richtig. Die Abbildung des Objektes in der Brennebene ist bei deiner Kamera auch
genauso groß wie bei einer KB-Kamera. Nur: Von diesem Abbild wird bei einer KB-Kamera ein 36 mm x 24 mm großer Bereich abfotografiert, bei solchen Digitalkameras ist es praktisch immer weniger. Der Chip ist bei Dir wohl etwa 7 mm x 5 mm groß, woher ich das weiß, kommt gleich. Jedenfalls ist das ja nur ein kleiner Teil eines imaginären KB-Bildes das man auf dem Chip hat und daher sagt man dann "23,4 mm Brennweite an der Digiknipse sind Äqivalent zu 114 mm am Kleinbild" oder andersherum: "Um das gleiche Bildfeld auf dem kleineren Chip der Knipse abzubilden braucht man eine geringere Brennweiter als beim Kleinbild". Hoffentlich habe ich Dich durch die beiden Sätze nicht eher verwirrt

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Deine Chipgröße habe ich mit einem Überschlag herausgefunden: Wenn ca. 23 mm brennweite ca. 115 mm entsprechen, dann müssen die Seiten des Chips auch ein fünftel der Größe der Kleinbild-Seiten haben. (Weißt Du die Chipgröße? Hoffe die stimmt auch in etwa mit meinem Ergebnis überein...sonst glaubst Du mir bald nix mehr

. Für soeine Kamera ist das jedenfalls ein recht passiger Wert.)
FAZIT: Die echte ("physikalische") Äquivalentbrennweite mit der Du aufgenommen hast beträgt wirklich 743 mm.
ABER: Keine Panik, die Pixelgrößen der mir bekannten Kameras bewegen sich zwischen 6 µm und 20 µm (in aller Regel nicht mehr als 10 µm), das Otto-Normal-Filmkorn ist jedoch größer, 20 µm - 30 µm beim 400 er und 10 µm - 15 µm beim 100 er. Ich weiß nicht, wie gut der TP hyp. ist, angegeben ist er mit bis zu 7 µm, das hängt aber stark von der Entwicklung ab.
Sagen wir ich mache Fotos mit 15 µm, dann wären Deine Nachführfehler vermutlich zwei bis viermal so gut sichtbar wie meine. Auch weil du den Vorteil hast, dass Du deine Schärfe kontrollieren kannst, bei mir heißt es Fokussieren auf der Mattscheibe und hoffen. Du hast damit ganz einfach die schärferen Fotos, dafür habe ich einen Riesen Flächenvorteil

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UND MEINE WIRKLICH LETZTENDLICHE MEINUNG ZU DEINER FRAGE:
Persönlich tippe ich ja darauf das die 743mm für die Digicam schon stimmen aber die Abbildung um auf das entsprechende Format zu kommen so sehr vergrößert wird, das es den 3620 mm im Kleinbild entspricht.
Das ist das auf den Punkt gebracht, was ich oben vermutlich mal wieder viel zu breit und undurchsichtig versucht habe zu erklären

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Wenn ich ganz ehrlich bin, dann denke ich, dass Bei M13 etwas anderes schief gelaufen sein könnte: Solche "Würmchen" schiebe ich bei mir immer auf eine Verbiegung irgendwelcher Teleskopteile und Verbindungen. Bei dem 180 ' NGC7000 Bild sind auch würmchen da, die sicher nicht ihren Ursprung in schlechter Nachführung hatten, dafür sind sie viel zu groß (im Messokular kann ich meine Nachführleistung ja verfolgen, da müsste ich den Leitstern schon durch das halbe Okular gejagt haben). Bei mir sehen die Nachführfehler etwas anders aus, ein "L", ein Doppelbild, eine Ellipse oder mehrere recht scharfe Streifen, die in einem mehr oder weniger scharfen Stern münden. Sieht halt viel unnatürlicher aus, als diese "Würmchen" und passt auch besser zu den Bewegungen, die ich beim Nachführen vollziehe. Bei der Verbiegung kann auch nach meiner kürzlichen Erfahrung an M27 die Stellung des Zenithprismas im Plasikokularauszug des Leitrohres von entscheidender Bedeutung sein - zeigt das Okular zur Seite hat man zusätzlich noch eine Torsion, kann sein, dass das an sonsten genügend steife Plastik das nicht mag - jedes Teil kann schuld sein.
Um die wirkliche Nachführqualität herauszufinden müsstest Du Deine Bilder Vermessen und ein wenig Rechnen, nach dem Motto: Abstand zweier Sterne in Photoshop in Pixeln und echter Abstand in Bogensekunden aus entsprechenden Quellen, daraus die Auflösung (in Pixeln pro Bogensekunde oder vielleicht besser in Bogensekunden pro Pixel...ist ja eh nur der Kehrwert) und dann messen und ausrechnen, welche Dimensionen Deine kleinsten Sterne auf der Aufnahme haben. So ließen sich Nachführwettbewerbe veranstalten ;-)
Nochmal zu dem M27-"Gemälde": Freut mich, dass es Dir gefällt. Dieser "Gemälde"-Effekt kommt vom Rauschfilter, das ist sicher. Wie viel dieser Strukturen innerhalb des Nebels echt sind kann ich auch nur schätzen, da vermischen sich die Filter-Artefakte mit der echten Struktur auf ganz komische Art und Weise. Allerdings finde ich, dass der Nebel doch ganz normal für M27 aussieht. Klar, die Nebel sehen in H-alpha oft etwas und manchmal völlig anders aus, aber hier kann ich lediglich feststellen, dass die roten Bereiche des Nebels etwas heller sind, als auf den Aufnahmen, die ich von anderen Leuten gesehen habe.
(Naja, gut, gerade ist Deine Mail hereingeflattert und irgendwie gibt es bei Deinen Bildern nicht gerade viel rot...sieht schon recht anders aus. Die Nachbearbeitung Deiner Bilder hat ja eine ganze Menge gebracht, sieht schon eine ganze Klasse besser aus, finde ich. Fitswork habe ich auch, Du Weiß ja, ich bin einer der komplizierten Art und finde es deshalb recht langweilig. Warum es allerdings doch die Ehre hatte von mir benutzt zu werden ist, dass es FITS-Dateien lesen und schreiben kann - glaube ich doch...ist schon lange her, von der ESA gibt es ein kostenloses Photoshop-Plugin, was das auch kann. Finde ich besser. Ich schreibe, als ob ich was mit FITS am Hut hätte...habe ich noch nicht, denke an später und das Erstellen von Schmalbandkompositbildern aus mindestens drei Wellenlängenbereichen...Du weißt schon, SBIG und so. Das "Wenn isch einmal Reisch wär, daba diba diba dum..."-Lied kenne ich auch, aus einem Film in dessen Titel das Wort "Fidler" vorkam und es um Jüdisch-Deutsche geht, glaube ich. Haben einen älteren, fröhlichen und skuril dazu tanzenden Juden vor Augen)
Die Kalibrierung von der ich gesprochen habe ist eine gewisse Arbeit: Hab' den Katalog ohne Farbinformation genommen, der andere hatte einfach zu wenig Sterne. Nun sind natürlich die blauen Sterne nicht so hell, wie die roten Sterne gleicher Helligkeit (ist ja durch einen roten Filter aufgenommen), deshalb musste ich eine Regressionskurve erstellen aber vorher die logarithmische Magnitudenskala in eine lineare umrechen (geht ja alles schnell per Software, Mag. geteilt durch -2,5 und 10 hoch dem, was da rauskommt gib dann die lineare Helligkeit im Bezug zu Wega - musste ich auch erst lernen). Die Regressionskurve habe ich dann ausgedruckt und durch dieses kurvige Ding die Linie gezeichnet, auf der sich die Sterne eigentlich befinden sollten. Für ein paar Punkte habe ich dann ausgerechnet, wie ich die Gradationskurve in Photoshop am besten anpasse um den Schwarzschildeffekt auszubügeln. Es ist nicht so viel arbeit, wie es sich anhört

Gelohnt hat sich das auf jeden Fall. Ich bin total Platt: Bei der Dekonvolution tritt so gut wie kein Rauschen mehr auf, ich lasse den Computer schon über 24 Stunden an
einem Bild rechnen...und es wird immernoch besser! Dieses
eine 60 min. Belichtete Bild ist schon ein Poster Wert, aber ich habe ja
noch eines mit 60 min.
und eines mit 180 min.! Die sind allerdings nicht ganz so gut. Also wenn die auch so gut dekonvolutioniert werden, wie dieses eine, dann wird das echt ein Machwerk sondergleichen. Dauert aber bestimmt noch eine Woche, bis ich die optimale Bearbeitungsreihenfolge herausgefunden habe. Habe ja auch noch anderes zu tun. Ich saß gestern stundenlang dabei und habe immer neue Staubfilamente entdeckt, einige Teile, die ich vorher für Sterne gehalten habe scheinen beleuchtete Kuppen von Staubrüsseln zu sein! Werde das ganze mal mit einem Super-HighRes-SBIG-Bild vergleichen. Dagegen sieht meines schon noch ein bisschen alt aus...traurig aber klar

Falls es Dich interessiert kann ich es Dir auch mailen, aber in 2000 px x 1300 px und guter Kompression, sonst lohnt es nicht. Oder Du wartest noch etwas auf die Endversion. Die großen Versionen für die Homepage werde ich nur 800 px x ... px groß machen, mein Webspace ist auf 10 MB begrenzt, da muss die Homepage reinpassen. 800 px x ... px ist eigentlich schon etwas zu klein um den "Spacewalk" anzutreten, auch macht sicht die Kompression unschön an den Sternen bemerkbar, da muss man schon die beste JPG-Qualität nehmen und dann kann man auch gleich eine verlustfreihe Kompression wählen...
Finde ich übrigens schön, dass Du mir Deine frischen Ergebnisse auch mailst und gräme Dich nicht wegen der Strukturierung, ohne Schmalband oder Linienfilter ist das nicht zu schaffen. Sagetest Du nicht etwas von OIII-Filter??? Falls Du einen hast, klemm ihn doch mal davor. Selbst wenn das klappen sollte müsstest Du aber viel länger belichten. "Wenn das klappen sollte..." weil ein Farb-CCD ja schon eine Filtermaske für Blau, Grün und Rot besitzt, die hat aber im Vergleich zum astronomischen Filter eine schreckliche Qualität und es könnte sein, dass die ein oder andere Nebellinie ganz herausgefiltert wird und wenn das die OIII-Linie ist, dann kommt ja nix mehr an. Testen würde ich persönlich es aber mal.
Viele Grüße und bis bald,
Hector42