Artemis II: Experiment aus Jena reist Huckepack in den Erdorbit

albertus

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Artemis II: Countdown-Check und Crew-Ankunft in Florida

Nachdem die SLS-Rakete nun fest an der Rampe 39B verankert ist, beginnt heute die heiße Phase für die Besatzung. Die NASA-Teams haben den heutigen Montag für finale elektrische Tests an den Schnittstellen zwischen dem Mobile Launcher und der Rakete genutzt.

Der Zeitplan für die kommenden Tage steht:

  • Crew-Ankunft: Die vier Astronauten (Wiseman, Glover, Koch und Hansen) beenden derzeit ihre Quarantäne in Houston und werden voraussichtlich am Freitag, den 27. März, mit T-38-Jets direkt zum Kennedy Space Center fliegen.
  • L-7 Tage: Mit der Ankunft der Crew in Florida startet der offizielle 7-Tage-Countdown bis zum Launch am 1. April.
  • Status: Da das Wet Dress Rehearsal (WDR) bereits im Februar erfolgreich abgeschlossen wurde, sind keine weiteren großen Betankungstests mehr geplant. Die NASA konzentriert sich voll auf das zweistündige Startfenster, das sich am 1. April um 18:24 Uhr Ortszeit (23:24 Uhr unserer Zeit) öffnet.
 
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Bernhard

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Scheinbar ist dem so. Ich kann mir nur nicht erklären, nach welchem Prinzip dann die Navigation funktioniert. Der Sternenhimmel sieht bei Mars doch nahezu genauso aus, wie bei der Erde? Der einzige mir bekannte Unterschied wären Parallaxen einiger naher Sterne, was mir aber ziemlich umständlich und aufwändig erscheint.
 

antaris

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Scheinbar ist dem so. Ich kann mir nur nicht erklären, nach welchem Prinzip dann die Navigation funktioniert. Der Sternenhimmel sieht bei Mars doch nahezu genauso aus, wie bei der Erde? Der einzige mir bekannte Unterschied wären Parallaxen einiger naher Sterne, was mir aber ziemlich umständlich und aufwändig erscheint.
Für mich klingt das nur nach einer hochmodernen Variante von Sextant und Sternkarte.
 

Prokyon

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Scheinbar ist dem so. Ich kann mir nur nicht erklären, nach welchem Prinzip dann die Navigation funktioniert. Der Sternenhimmel sieht bei Mars doch nahezu genauso aus, wie bei der Erde? Der einzige mir bekannte Unterschied wären Parallaxen einiger naher Sterne, was mir aber ziemlich umständlich und aufwändig erscheint.
"Navigation" ist vielleicht das falsche Wort. Man kann sich ja auf die Himmelsmechanik verlassen. Entscheidend ist wohl die supergenaue Ausrichtung der Kapsel, so dass beim Zünden der Triebwerke für die vorausberechnete Zeit der Schub nicht in die falsche Richtung geht.
 

albertus

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Navigation der Orion-Kapsel und GPS-Reichweite am Mond

Tatsächlich ist die Navigation der Orion-Kapsel (Artemis-Missionen) ein technologisches Meisterstück, da sie mehrere Systeme kombiniert. Hier ein tieferer Einblick, warum GPS entgegen der Intuition doch eine Rolle spielt:

1. Reicht GPS bis zum Mond?​

Die kurze Antwort: Ja, aber nur dank eines Tricks. Die GPS-Satelliten umkreisen die Erde in ca. 20.200 km Höhe. Ihre Antennen strahlen primär nach unten (zur Erde). Orion befindet sich auf dem Weg zum Mond jedoch weit "oberhalb" dieser Satelliten.

Orion nutzt die sogenannten Sidelobes (Nebenkeulen) der GPS-Signale. Das sind Signalanteile, die seitlich an der Erde vorbeistrahlen. Da diese Signale am Mond extrem schwach sind, benötigt Orion einen hochempfindlichen Empfänger, der Signale verarbeiten kann, die weit unter dem Grundrauschen liegen.

2. Eine kleine Beispielrechnung zur Signalstärke​

Um zu verdeutlichen, wie schwach das Signal am Mond ist, hilft das Abstandsgesetz. Die Signalstärke sinkt quadratisch mit der Entfernung.
Wenn wir die Distanz des GPS-Satelliten zur Erde (ca. 20.200 km) mit Distanz zum Mond (ca. 384.400 km) vergleichen, ergibt sich ein Faktor von etwa 19.
Rechnung: Da die Stärke quadratisch abnimmt, ist das Signal am Mond um den Faktor 19² = 361 schwächer als auf der Erde.
In Dezibel: Das entspricht einem Verlust von ca. 26 dB. Orion muss also mit weniger als 1 % der Signalstärke klarkommen, die ein gewöhnliches Smartphone empfängt.

3. Optische Navigation (OpNav) als Backup​

Sollte das GPS-Signal zu schwach sein oder die Kapsel sich im Funkschatten des Mondes befinden, nutzt Orion eine autonome optische Navigation.
Dabei fotografieren Kameras die Erde und den Mond vor dem Sternenhintergrund. Da der wahre Durchmesser von Erde und Mond bekannt ist, kann der Bordcomputer über den gemessenen Winkeldurchmesser (wie groß das Objekt im Bild erscheint) die exakte Entfernung berechnen. Die Formel dahinter nutzt den Arkussinus des Verhältnisses von Radius zu Distanz.

Fazit
Für Orion ist GPS am Mond also ein wertvoller Sensor zur Unterstützung, aber nicht die einzige Quelle. Die Kapsel kombiniert:
  1. GPS-Sidelobes (für die Position im Raum)
  2. Optische Navigation (als unabhängiges System)
  3. Deep Space Network (DSN) (Funkmessungen von Bodenstationen auf der Erde)
Ich hoffe, das hilft bei der Klärung der Frage!
 
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albertus

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Der Sternsensor von Jena-Optronik

Der Sternsensor von Jena-Optronik (ASTRO APS) ist ein Herzstück der Orion-Kapsel. Man muss hier allerdings technisch zwischen Lage (Attitude) und Position (State Vector) unterscheiden:

1. Lage vs. Position
  • Der Sternsensor: Er bestimmt die Lage im Raum. Er "sieht" die Sterne und weiß sofort: "Ich schaue gerade in Richtung X, Y, Z". Das ist essenziell, damit die Triebwerke für Kurskorrekturen exakt in die richtige Richtung feuern. Er sagt Orion aber nicht direkt, wo sie sich auf dem Weg zum Mond befindet.
  • GPS & DSN: Diese Systeme bestimmen die Position (die Koordinaten im Raum).
2. Die Präzision des Sensors (mit Berechnung)
Ein moderner Sternsensor hat eine Genauigkeit im Bereich von wenigen Bogensekunden. Eine Bogensekunde (1") ist der 3600ste Teil eines Grades (1°). Wenn der Sensor eine Genauigkeit von etwa 1" hat, entspricht das auf die Entfernung zum Mond (ca. 384.400 km) einer Abweichung von nur:
Abweichung = Entfernung * tan(Winkel)
Abweichung = 384.400 km * tan(1/3600 Grad) = ca. 1,86 km

Das klingt erst einmal viel, aber auf diese gewaltige Distanz ist das so, als würde man von München aus eine Ein-Euro-Münze in Hamburg zielsicher anvisieren.

3. Warum Jena-Optronik?
Der ASTRO APS ist einer der weltweit präzisesten Sensoren. Er arbeitet vollkommen autonom mit einem "Lost-in-Space"-Algorithmus: Er erkennt Sternbilder innerhalb von Millisekunden aus dem Nichts heraus, ohne dass man ihm vorher sagen muss, wo er hinschaut.

Kurz gesagt: Ohne den Sternsensor wüsste Orion zwar, wo sie ist (dank GPS/DSN), aber nicht, in welche Richtung sie "guckt". Beides zusammen macht die Navigation erst sicher.
 

albertus

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Experten-Hintergrund: Dr. Stenzel und die Sub-Pixel-Präzision

Wenn die Sprache auf Jena-Optronik kommt, sollte man die Frage nach den Köpfen dahinterergänzen: Einer der maßgeblichen Experten bei der Entwicklung dieser hochpräzisen Optiken ist Dr. Christian Stenzel. Er und sein Team bei Jena-Optronik haben Systeme geschaffen, die weit über das hinausgehen, was man von herkömmlicher Kameratechnik kennt.

Ein faszinierender Aspekt dabei ist die Zentroid-Bestimmung. Ein Sternsensor wie der ASTRO APS "sieht" einen Stern nicht nur als einen einzelnen leuchtenden Punkt (Pixel), sondern das Licht wird ganz leicht "unscharf" über mehrere Pixel verteilt (Defokussierung).

Warum macht man das? Eine kleine Berechnung dazu:

Nehmen wir an, der Sensor hat Pixel einer bestimmten Größe. Würde der Stern nur genau ein Pixel beleuchten, wüssten wir seine Position nur auf "1 Pixel genau". Durch die gezielte Verteilung des Lichts auf z. B. 3x3 Pixel kann der Bordcomputer durch eine mathematische Gewichtung (Schwerpunktberechnung) die Mitte des Sterns viel präziser bestimmen.

Die Formel für den Schwerpunkt (Zentroid) in x-Richtung lautet:

X_S = [ Summe von (I_i * x_i) ] / [ Summe von I_i ]
Hierbei steht:
  • X_S: Die berechnete Sub-Pixel-Koordinate des Sterns.
  • I_i: Die gemessene Helligkeit (Intensität) des i-ten Pixels.
  • x_i: Die feste Koordinate des Mittelpunkts des i-ten Pixels.
Dadurch erreicht man eine Sub-Pixel-Genauigkeit von etwa 1/10 bis 1/20 eines Pixels. Wenn man bedenkt, dass ein Pixel auf dem Sensor nur wenige Mikrometer groß ist, misst Orion seine Ausrichtung im Raum auf Bruchteile von Haaresbreiten genau.
Zusätzlich müssen Experten wie Dr. Stenzel das sogenannte Baffle-Design (die Streulichtblende) perfektionieren.
Ohne diese präzise berechnete "Sonnenblende" könnte der Sensor keine Sterne erkennen, sobald ein heller Körper wie der Mond oder die Erde im Sichtfeld auftaucht. Die Blende muss verhindern, dass seitlich einfallendes Licht den hochempfindlichen Detektor flutet.

Das ist genau der Bereich, in dem Jena-Optronik weltweit Maßstäbe setzt – echte Präzisionsarbeit aus Thüringen, die dafür sorgt, dass die Artemis-Missionen nicht vom Kurs abkommen.
 

Bernhard

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Ich hoffe, das hilft bei der Klärung der Frage!
Hallo albertus, ja, das ist eine sehr interessante Antwort. Danke dafür. Ich hatte im www zusätzlich auch noch den Hinweis auf hochpräzise Kreiselanwendungen gefunden.

Man kann den vier Astronauten also guten Gewissens einen erfolgreichen Flug inklusive Rückkehr in ihre jeweilige Heimat wünschen. Der Laie bekommt dafür einen guten Einblick in die Komplexität dieses Vorhabens (y)
 

albertus

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@Bernhard
Vollkommen richtig! Die Sternsensoren allein reichen für die komplexe Steuerung der Orion-Kapsel nicht aus. Man kann sich das so vorstellen: Die Sternsensoren von Jena-Optronik liefern die absolute Orientierung (die 'Wahrheit'), aber sie sind mit ihren Aufnahmeraten (oft ca. 10 Hz) zu langsam für schnelle Manöver oder Vibrationen.

Dafür nutzt Orion hochpräzise Inertial Measurement Units (IMUs), konkret die MIMUs von Honeywell. Das sind Laser-Kreisel (Ring Laser Gyros), die völlig ohne bewegliche Teile auskommen.

Das Zusammenspiel ist entscheidend: Die Kreisel messen jede winzige Drehung sofort, neigen aber über die Zeit zur 'Drift' (einer kleinen, aufsummierten Ungenauigkeit). Die Sternsensoren dienen dann als regelmäßiger 'Reset-Knopf', um diese Drift wieder auf Null zu setzen. Ohne dieses Team-Work aus optischen Sensoren und Trägheitsnavigation wäre ein präzises Andockmanöver unmöglich.

@Prokyon
Da habe ich die Analogie tatsächlich etwas unscharf aus dem Gedächtnis zitiert. Du hast völlig recht: Wenn man die Geometrie auf die Strecke München-Hamburg (ca. 800 km) rechnet, entspricht eine Bogensekunde (1") etwa 3,8 Metern – die Ein-Euro-Münze wäre da mit ihren 23 mm in der Tat hoffnungslos verloren. Danke für das genaue Nachrechnen!

Die Analogie, die in Fachkreisen oft für die Winkelauflösung der Sensoren genutzt wird, meint: Der Sensor ist so präzise, dass er zwei Sterne unterscheiden kann, die so nah beieinander liegen wie die Ränder einer Münze in mehreren Kilometern Entfernung.

Für die reale Navigation am Mond (ca. 384.400 km) bedeutet eine Genauigkeit von 1 Bogensekunde eine seitliche Abweichung von etwa 1,86 Kilometern.

Rechnung zur Kontrolle:
Abweichung = Entfernung * tan(Winkel)
Abweichung = 384.400 km * tan(1/3600 Grad) = ca. 1,86 km.

Im Vergleich zur gewaltigen Distanz ist das immer noch eine Wahnsinnsleistung der Optik – es ist, als würde man aus Berlin eine Nadelspitze in Potsdam anvisieren.
 
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albertus

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Ich habe die mathematischen Herleitungen zur Vis-Viva-Gleichung und zur Quaternion-Navigation in PDFs detailliert aufbereitet, inklusive der Rechenbeispiele für die aktuelle Monddistanz von 360.000 km. Da PDF-anhängen nicht erlaubt, versuche ich es (mit Qualitätsverlusten) mit BBCode:

Navigation und Bahndynamik der Orion-Mission
Aktuelle Trajektorienberechnung & Quaternion-Mathematik

1. Einführung
Die präzise Bestimmung der Einschußgeschwindigkeit in eine Transferellipse zum Mond hängt maßgeblich von der aktuellen Position des Mondes auf seiner Bahn ab. Da die Mondentfernung derzeit ca. 360.000 km beträgt (nahe dem Perigäum), betrachten wir die energetischen Anforderungen für diesen spezifischen Fall unter Berücksichtigung moderner Navigationssensorik.

2. Die Vis-Viva-Gleichung
Die Geschwindigkeit v an einem beliebigen Punkt einer Kepler-Bahn berechnet sich nach:
svg.image
Dabei gilt für das System Erde ein Gravitationsparameter von μ ≈ 398.600,44
svg.image
.

3. Fallstudie: Trans-Lunar Injection (TLI)
Wir berechnen die Geschwindigkeit im Perigäum (Zündzeitpunkt im LEO), um eine Apogäumshöhe zu erreichen, die der aktuellen Monddistanz entspricht:
  • Parkorbit (h = 300 km):
    svg.image
    km
  • Ziel Mond (r_a): 360.000 km
  • Große Halbachse (a): 183.335,5 km
Ergebnis: Die erforderliche Injektionsgeschwindigkeit
svg.image
beträgt ca. 10,832 km/s.

Exkurs: Warum Orion nicht in Gradzahlen rechnet
4. Das Problem der Euler-Winkel
In der klassischen Astronomie und Luftfahrt nutzt man Rollen, Nicken und Gieren. Für Mondkapseln ist dies aufgrund des Gimbal Locks problematisch : Wenn zwei Drehachsen parallel liegen, verliert das System einen Freiheitsgrad, was zu mathematischen Singularitäten führt. Ein solcher Rechenfehler wäre in kritischen Phasen fatal.

5. Die Lösung: Quaternionen
Ein Quaternion ist eine vierdimensionale Zahl. Der entscheidende Vorteil: Es beschreibt jede Orientierung durch eine einzige Drehung um eine definierte Achse im Raum. Es gibt keine Singularitäten und keine Gimbal-Blockade.

Beispiel: 90°-Drehung um die Z-Achse
Bei einem Manöver um θ = 90° um die Achse
svg.image
ergibt sich:
Halber Winkel: 45°
svg.image

svg.image

Resultat:
svg.image


6. Fazit und technische Einordnung

Während die ideale Kepler-Bahn den energetischen Rahmen vorgibt, erfordert die reale Mission permanente sensorische Überwachung. Wie in der Fachliteratur dargelegt, müssen kleinste Abweichungen durch nicht-gravitative Störeinflüsse korrigiert werden. Hierbei spielen die Sternsensoren der Jena-Optronik (unter Mitwirkung von Experten eine Schlüsselrolle für die absolute Lagebestimmung, während die Laserkreisel von Honeywell die Dynamik zwischen den Messungen überbrücken.

7. Weiterführende Literatur

Messerschmid / Fasoulas:
Raumfahrtsysteme.
Steiner / Schagerl: Raummechanik (insb. Singularitätsfreie Lagedarstellung).
Maiwald / Quantius: DLR-Publikationen zur Trajektorienoptimierung.
Rievers / Messerschmidt: Spezialisierte Modellierung von Störbeschleunigungen.
Wertz, J. R.: Spacecraft Attitude Determination and Control.
 
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albertus

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Latexcode markieren, in Speicher nehmen und in Programme wie TeXworks eingeben und rechnen lassen. Liefert gute Ausgabe und diese kann als PDF ausgedruckt oder gespeichert werden. Wenn mir jemand sagen kann, wie ich PDFs hier anhängen kann, dann mache ich das gern.
 

antaris

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Latexcode markieren, in Speicher nehmen und in Programme wie TeXworks eingeben und rechnen lassen.
Hier im Editor auf f_x klicken, dann Latex code ohne Delimiter einfügen und ok klicken. Dann Bild rechtsklick und kopieren, danach hier einfügen.

v = \sqrt{\mu \left( \frac{2}{r} - \frac{1}{a} \right)}

svg.image


Pro Beitrag können so maximal 20 Gleichungs-Bilder eingefügt werden (max. Anzahl Bilder pro Beitrag).
 

albertus

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Experten-Hintergrund: Die Sub-Pixel-Präzision (korrigierter Artikel von 10:58Uhr)

Wenn die Sprache auf Jena-Optronik kommt, sollte man das Team bei Jena-Optronik loben, das diese Systeme geschaffen hat, die weit über das hinausgehen, was man von herkömmlicher Kameratechnik kennt.

Ein faszinierender Aspekt dabei ist die Zentroid-Bestimmung. Ein Sternsensor wie der ASTRO APS "sieht" einen Stern nicht nur als einen einzelnen leuchtenden Punkt (Pixel), sondern das Licht wird ganz leicht "unscharf" über mehrere Pixel verteilt (Defokussierung).

Eine kleine Berechnung dazu:

Nehmen wir an, der Sensor hat Pixel einer bestimmten Größe. Würde der Stern nur genau ein Pixel beleuchten, wüssten wir seine Position nur auf "1 Pixel genau". Durch die gezielte Verteilung des Lichts auf z. B. 3x3 Pixel kann der Bordcomputer durch eine mathematische Gewichtung (Schwerpunktberechnung) die Mitte des Sterns viel präziser bestimmen.

Die Formel für den Schwerpunkt (Zentroid) in x-Richtung lautet:

svg.image


Hierbei steht:
  • svg.image
    : Die berechnete Sub-Pixel-Koordinate des Sterns.
  • svg.image
    : Die gemessene Helligkeit (Intensität) des i-ten Pixels.
  • svg.image
    : Die feste Koordinate des Mittelpunkts des i-ten Pixels.
Dadurch erreicht man eine Sub-Pixel-Genauigkeit von etwa 1/10 bis 1/20 eines Pixels. Wenn man bedenkt, dass ein Pixel auf dem Sensor nur wenige Mikrometer groß ist, misst Orion seine Ausrichtung im Raum auf Bruchteile von Haaresbreiten genau.

Zusätzlich müssen die Experten das sogenannte Baffle-Design (die Streulichtblende) perfektionieren.
Ohne diese präzise berechnete "Sonnenblende" könnte der Sensor keine Sterne erkennen, sobald ein heller Körper wie der Mond oder die Erde im Sichtfeld auftaucht. Die Blende muss verhindern, dass seitlich einfallendes Licht den hochempfindlichen Detektor flutet.

Das ist genau der Bereich, in dem Jena-Optronik weltweit Maßstäbe setzt – echte Präzisionsarbeit aus Thüringen, die dafür sorgt, dass die Artemis-Missionen nicht vom Kurs abkommen.
 
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antaris

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@antaris,
Danke, als Notlösung gut. Habe den Beitrag mit BBCode korrigiert und damit leserlicher bekommen.
Lass dir die Texte formatiert aber die Gleichungen als Latex-code von der AI ausgeben. Dann kannst du den ganzen text in den Editor kopieren und darin die Gleichungen bearbeiten. Am Ende den gesamten Text mit Gleichungen hier in den Beitrag reinkopieren. Blöd ist eben nur die Begrenzung von 20 Bilder pro Beitrag und dass es für dieses Forum wohl keine fertige Latex-Lösung mehr gibt. Dabei ist das eigentlich gar nicht so kompliziert, der Editor hier ist auch TinyMCE und man müsste nur ein Plugin basteln.
 

albertus

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Erneute Verfügbarmachung von Latex-Lösung oder Möglichkeit PDF anzuhängen (wird automatisch auf Schadware zuvor gescannt) wären von großem Vorteil. Alles andere wird ziemlich zeitaufwendig.
 
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