Artemis: ESA-Astronaut Parmitano wird Pilot von Artemis III

astronews.com Redaktion

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Die NASA hat gestern die Besatzung für die Artemis-III-Mission vorgestellt, zu der auch der italienische ESA-Astronaut Luca Parmitano als Pilot gehören wird. Die ESA unterstützt diesen Testflug in der Erdumlaufbahn zudem mit dem dritten europäischen Servicemodul. Ziel von Artemis III soll es sein, die Rendezvous- und Andockfähigkeiten im Vorfeld künftiger Mondlandemissionen zu testen. (10. Juni 2026)

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albertus

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Betreff: Artemis III – Ein technischer „Testflug der Vernunft“ statt reiner Mondlandung​

Die gestrige Bekanntgabe der Artemis-III-Crew hat bei vielen für Aufsehen gesorgt, aber bei näherer Betrachtung der Pressemeldungen ist es vor allem die strategische Neuausrichtung der Mission, die mich als technisch Interessierten aufhorchen lässt. Hier sind drei Punkte, die bei der Diskussion oft zu kurz kommen:

1. Die Rolle von Luca Parmitano: Mehr als nur ein „Pilot“ Es ist bemerkenswert, dass die NASA mit Luca Parmitano einen hochdekorierten Testpiloten (über 2000 Flugstunden auf über 40 Flugzeugtypen) auf den Pilotensitz setzt. Bei einem komplexen Rendezvous im Erdorbit geht es nicht um bloße Automatik. Parmitano ist darauf trainiert, bei Kopplungsmanövern mit massiven Strukturen wie den künftigen SpaceX- oder Blue-Origin-Landern kleinste Abweichungen im Flugverhalten sofort manuell zu korrigieren. Er bringt die Erfahrung mit, die man braucht, um in „Human-in-the-loop“-Situationen präzise zu reagieren, wenn die Sensorik an ihre Grenzen stößt.

2. Das Europäische Servicemodul (ESM): Eine Meisterleistung der Systemarchitektur Wir betrachten das ESM oft nur als „Zulieferteil“, aber unter dem Aspekt der Systemintegration ist die Leistung immens. Es ist nicht bloß eine Struktur, sondern ein hochkomplexes, autarkes Versorgungsmodul. Technisch betrachtet ist die Integration der 11 Kilometer Verkabelung und der 33 Triebwerke (einschließlich des Haupttriebwerks aus dem Space Shuttle-Programm) eine enorme Herausforderung hinsichtlich der EMV (Elektromagnetischen Verträglichkeit) und der redundanten Energieverteilung.

Das ESM stellt die elektrische Energie über vier Solaranlagen-Flügel bereit, die jeweils ca. 7 Meter lang sind und mit einer präzisen Steuerung zur Sonne ausgerichtet werden müssen, um die Batterien zu puffern. Besonders kritisch bei Artemis III: Die Kopplung mit externen Modulen erfordert ein extrem schnelles Ansprechverhalten der Lageregelungstriebwerke. Hier muss die Steuersoftware die Massenträgheit von Orion bei Andockmanövern in Echtzeit berechnen und ausgleichen. Dass dieses Modul, dessen Struktur in Turin gefertigt und in Bremen bei Airbus mit der Avionik sowie den komplexen Fluid-Systemen (für Treibstoff und Lebenserhaltung) zusammengeführt wird, so modular und zuverlässig funktioniert, ist die Basis für die gesamte Artemis-Mission. Es ist das „Arbeitstier“, das Orion am Leben erhält.

3. Der Paradigmenwechsel: Sicherheit vor Prestige Dass Artemis III nun als Testflug im Erdorbit statt als direkte Mondlandung geplant ist, wird oft als Rückschritt gesehen. Ich sehe das anders: Es ist eine extrem professionelle Ingenieursentscheidung. Die NASA hat das Risiko für die Crew durch diesen Schritt massiv gesenkt. Die Schnittstellen – insbesondere zwischen Orion und den kommerziellen Landern – unter kontrollierten Bedingungen im Erdorbit zu testen, ist der logische Weg, bevor man sich zum Mond begibt. Hier siegt die Vorsicht eines erfahrenen Systems über den Zeitdruck – ein Prinzip, das gerade in der Raumfahrttechnik zu oft vernachlässigt wurde.

Ich finde es spannend, dass wir hier Zeugen eines „neuen goldenen Zeitalters“ werden, das weniger durch schnelle Erfolge als durch robuste, skalierbare Technik definiert wird. Wie seht ihr die Bedeutung des ESM bei diesen anstehenden Andockmanövern?
 
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