Großflächige und lokale Überschwemmungen mit Toten, landwirtschaftliche Dürren und Versteppung,
Hallo Bernhard,
das war in meiner Kindheit in Hanau (genauer: Grossauheim) ganz normal: einmal pro Jahr stand der Ort unter Wasser und wir Grundschüler wurden hingeführt und uns wurde das erklärt und auch die Massnahmen aufgezeigt, was man dagegen unternimmt.
In den 1990'iger Jahren gab es ein solches Hochwasser in Rheinfelden, so dass überlegt wurde, die Rheinbrücke zu sprengen. Das ganze war so gewaltig, dass zahlreiche "Katastrophentouristen" angereist kamen, das zu bewundern, und einer davon war ich. Wobei zu ergänzen ist, dass ich in Rheinfelden aufgewachsen bin (und meine Eltern mittlerweile dort beerdigt sind), d.h. ich habe auch einen persönlichen Bezug zu der dortigen Situation.
Die grosse Überschwemmungskatastrophe in den Neuen Bundesländern ca. zur Jahrtausendwende hatte meines Wissens deswegen solche verhehrenden Folgen, weil Investoren mit bürokratischen Tricks Wohnfläche in Hochwasser-gefährdeten Gebieten erbaut haben, was zu DDR-Zeiten dort gar nicht erlaubt war.
Es gab also immer wieder solche Ereignisse, selbst ich kann mich aus dem Stehgreif an mehrere solcher Ereignisse erinnern. Und genau das werden die Klimaleugner auch vorbringen. Dass sich solche Ereignisse nun immer mehr häufen, das wollen sie nicht wahrhaben, sondern tun das als "statistischen Schwankungen" ab.
Aber ja -
natürlich muss man etwas dagegen tun und das wird mehr Geld kosten als uns allen lieb ist.
Dennoch werden die Klimaleugner die irreversible Schäden erst in einigen Jahrzehnten am eigenen Leib bemerken.
Wie gesagt: bis die irreversiblen Schäden offenkundig sichtbar sind wird noch einige Zeit vergehen. Das Gegröhle zu "L'amour toujours" passiert aber
jetzt und die Hitparadenklassierungen sind von
dieser Woche.
Zudem sollten wir Whataboutisms vermeiden: der Klimawandel und der neu aufkeimende Nationalismus in Deutschland sind zwei
verschiedene Sachen, auch wenn beides mit hoher Priorität zu behandeln ist.
Was übrigens beides nicht passiert. So gehört beispielsweise auch die Schweizer Regierung zu diesen Klimaleugnern: das fachlich korrekte Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte (EGMR) wird in der Schweiz von der Bevölkerung ebenso wie von der Politik mit grosser Empörung zurückgewiesen und nach dem Schweizer Ständerat hat nun auch der Schweizer Nationalrat beantragt, das Urteil zu ignorieren, da es der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in der Schweiz nicht durchsetzen kann.
Und das Gegröhle wird nach wie vor als Unmutsbekunding einer kleinen schlecht ausgebildeten Minderheit abgetan, obgleich man ganz genau weiss, dass das nicht stimmt.
Erst vorgestern hatte ich dazu im Büro eine ganz typisch verlaufende Diskussion: als ich das von Sylt erwähnt habe meinte mein Arbeitskollege, ich solle doch diese besoffene Minderheit nicht überbewerten. Als ich ihn darauf hinwies, dass das Lied auf Platz 8 der deutschen Verkaufshitparade steht, meinte er lakonisch, daran seid ihr in Deutschland doch selber schuld, dass es so weit kommen konnte. Also nix mehr kleine Minderheit Besoffener, sondern "selber schuld". - Und immer wieder lese ich, dass man den Willen von ca. 30% der Bevölkerung nicht als "extremistisch" abtun könne. Wenn also ab morgen wieder 30% der Bevölkerung den Hitler-Gruss zeigen und den Holocaust leugnen, dann sei das eine "ganz normale politische Willensbekundng", die man nicht per Gesetz verbieten dürfe.
Den langjährigen Leitspruch "Wehret den Anfängen" haben wir in Deutschland leider verpasst und wie man den aufkeimenden Nationalismus in Deutschland noch stoppen kann weiss ich nicht.
sowie Tornados würdest Du also nicht als Katastrophe bezeichnen? Ich finde so eine Sichtweise eher unkonstruktiv und lähmend. Richtig ist doch vielmehr, dass jeder einen gewissen Beitrag gegen den Klimawandel leisten kann.
Selbstverständlich, aber darum geht es mir in diesem Thread nicht.
Wobei ich nicht weiss, ob die Methode der zahlreichen "Klimakleber" die richtige Vorgehensweise sind. Einerseits haben sie meine volle Sympathie, andererseits finde ich es höchst mühsam, wenn ich nach einer arbeitsreichen Woche und einem 12-stündigen Arbeits-Freitag am Abend wegen der Klimakleber nicht nach Hause fahren kann. Oder wieder einmal zu Fuss zum Bahnhof laufen muss, weil Fahrrad-Aktivisten sämtliche Strassenbahn- und Buslinien in Zürich blockieren und die Polizei selber mit dem Fahrrad unterwegs daneben steht und einen auf netten und verständisvollen Kumpel tut und die Betroffenen mit dem Hinweis abwimmelt, dass man doch in 2 Stunden nach Hause fahren könne. Statt um 22 Uhr kommt man dann um Mitternacht nach Hause.
Solange da nur ein paar Einzelnde Sorge um das Klima haben, ist das zwar lobenswert, aber es wird leider zu wenig sein. Und weder von der Politik noch von der Wirtschaft ist Hilfe zu erwarten, ganz im Gegenteil.
Inwieweit jeder Einzelne zur Verständigung zwischen den Kulturen beitragen kann, ist eine weitere Frage.
Das Problem ist, dass das in den vergangenen Jahren eigentlich sehr gut auf der persönlichen Ebene geklappt hat. Aber nun, da die Stimmung kippt, wird sich das auch auf der persönlichen Ebene auswirken und schon jetzt haben Juden in Basel Angst, alleine durch die Stadt zu gehen. Längst hat der Antisemitismus in den Schweizer Hochschulen Einzug gehalten. So werden an der Universität Basel die antisemitischen Pro-Palästina Proteste ("Kauft nicht bei Juden") gutgeheissen und die Universitäten ebenso wie die Polizei von den Aktivistien an der Nase herumgeführt; Ultimaten verstreichen und die Aktivisten fordern zudem, die Zusammenarbeit mit israelischen Universitäten zu beenden. Statt dies katagorisch zurückzuweisen beschränkt man sich seitens der Universitäten darauf, zu erklären, dass es derzeit kaum Zusammenarbeit gäbe und deswegen ohnehin keinerlei Handlungsbedarf vorhanden sei.
Wir alle lesen es täglich in der Zeitung, doch nichts passiert und schuld sind immer die anderen. - Ich fange immer mehr an, zu verstehen, wie es zum 3.Reich und der Machtübernahme Hitlers kommen konnte. Es genügt, dass sich die Leute damals genauso verhalten haben wie wir heute.
Und noch etwas, was mir sehr zu denken git, auch wenn es sich nur um zwei Einzelfälle handelt: vergangenes Jahr wurde in Basel eine jüdische Frau auf offener Strasse angepöbelt und zur Seite geschubst. Die schweizer Passanten haben (wie üblich) weggeschaut; es waren dann zwei Moslems, die der Frau zuhilfe geeilt sind. Und kürzlich wurde ein Jude in Zürich von einem jugendlichen Extremisten niedergestochen; das Opfer hat das nur überlebt, weil das in der Nähe eines türkischen Geschäftes passiert ist und sofort zwei Türken angerannt kamen und den Täter überwältigt haben.
Freundliche Grüsse, Ralf