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LANGE NACHT DER ASTRONOMIE
Eine fast totale Sonnenfinsternis und das Maximum der Perseiden
von Stefan Deiters
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11. August 2026

Rund eineinhalb Stunden vor Sonnenuntergang ist Mittwoch in Teilen Europas ein besonderes astronomisches Schauspiel zu beobachten: eine totale Sonnenfinsternis. In Teilen Spaniens wird der Mond die Sonne komplett verdunkeln, von Deutschland aus immerhin noch bis zu 90 Prozent. In der Nacht auf Donnerstag erreicht zudem der jährliche Sternschnuppenstrom der Perseiden seinen Höhepunkt.

Gerst

Die partielle Sonnenfinsternis sollte nicht ohne Sonnenfinsternisbrille beobachtet werden, wie sie hier der ESA-Astronaut Alexander Gerst trägt. Zahlreiche Einrichtungen laden morgen zu öffentlichen Beobachtungen ein, NASA und ESA bieten Livestreams an. Foto: ESA [Großansicht]

Die partielle Sonnenfinsternis, die morgen vor Sonnenuntergang von Deutschland aus zu sehen sein wird, ist eine ganz Besondere: Zwar wird der Mond aus dem deutschsprachigen Raum die Sonne nicht komplett bedecken, aber immerhin bis zu 85 bis 90 Prozent - mehr werden es erst wieder am 3. September 2081, wenn eine totale Sonnenfinsternis aus dem Südwesten Deutschlands zu beobachten ist. Die Gelegenheit sollte man sich also nicht entgehen lassen: Die Finsternis findet zu einer günstigen Zeit statt: Zwischen 19:10 Uhr und 20:45 Uhr MESZ wandert der Mond vor die Sonnenscheibe. Die Finsternis "nach Feierabend" sorgt aber für eine beobachtungstechnische Schwierigkeit: Wir beobachten die Finsternis während des Sonnenuntergangs, die Sonne steht also nicht mehr sehr hoch über dem Westhorizont. Ein idealer Beobachtungsort sollte also einen möglichst freien Blick Richtung Westen erlauben.

Bei einer Sonnenfinsternis schiebt sich die Scheibe des Mondes zwischen Sonne und Erde und verdunkelt so die Sonne. Totale Sonnenfinsternisse, also Finsternisse, bei denen die Sonne komplett verdunkelt wird, sind nur in einem sehr eng begrenzten Bereich zu beobachten. In einem weitaus größeren Umfeld erscheinen diese Finsternis dann als partielle Finsternisse, bei denen der Mond nur einen Teil der Sonnenscheibe verdeckt. Die morgige Sonnenfinsternis ist in Teilen Grönlands, Islands, einem kleinen Teil Portugals sowie in Teilen Spaniens als totale Sonnenfinsternis zu beobachten. In Deutschland ist die Finsternis als partielle Finsternis zu sehen. Je weiter südwestlich man sich dabei befindet, desto größer ist die Fläche, die der Mond von der Sonne maximal bedeckt. In Kiel sind dies beispielsweise 85 Prozent, in Rostock 84,4, in Hamburg 85,5, in Berlin 84,9, in Frankfurt/Main und Köln 88,2, und in Stuttgart 89,1 Prozent. In Bern sind 91,5 Prozent der Sonnenscheibe bedeckt, in Wien 84,9 und in Innsbruck 89,7 Prozent.

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Die Dauer und der exakte Zeitraum der partiellen Finsternis ist für jeden Ort unterschiedlich etwas unterschiedlich, wer aber zwischen etwa 19.10 Uhr und 20.45 Uhr MESZ beobachtet, dürfte nichts verpassen. An manchen Orten geht die Sonne unter, während sie noch etwas vom Mond bedeckt ist. Das Maximum der Finsternis, zu dem die maximale Bedeckung zu sehen ist, wird zwischen 20.07 Uhr MESZ (im Nordosten) und um 20.20 MESZ (in Bern) erreicht.

Abschließend eine Warnung für alle Beobachter: Ein ungeschützter Blick in die Sonne kann das Augenlicht kosten, selbst wenn diese teilweise verdunkelt ist. Auch eine Sonnenbrille bietet keinen ausreichenden Schutz, den bieten nur günstig zu erwerbende Sonnenfinsternis-Brillen. Diese eignen sich wiederum nicht als Vorsätze für Teleskope oder Ferngläser. Die totale Sonnenfinsternis wird auch im Internet übertragen, etwa von der NASA und der ESA. Gleichzeitig bieten zahlreiche Einrichtungen öffentliche Beobachtungen an, es findet nämlich morgen auch die "Lange Nacht der Astromomie" statt. Die teilnehmenden Einrichtungen sind auf der Website der "Langen Nacht" zu finden.

Zu einer Sonnenfinsternis kann es naturgemäß nur bei Neumond kommen. Neumond bietet aber ideale Bedingungen für die Beobachtung von Sternschnuppen - wie etwa den Perseiden, die in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag, also direkt nach Ende der Sonnenfinsternis, ihr Maximum erreichen. Die Perseiden gelten also der wohl zuverlässigste Sternschnuppenstroms des Jahres. Dabei können bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde zu sehen sein, eventuell sogar noch mehr. Um aber tatsächlich so viele Perseiden zu sehen, müssen die Bedingungen optimal sein, was im deutschsprachigen Raum praktisch nicht vorkommt. Das fehlende Mondlicht sollte aber dazu führen, dass zumindest zahlreiche Sternschnuppen zu sehen sein werden - wenn vielleicht auch nicht über 100 pro Stunde.

Die Perseiden scheinen, wie ihr Name verrät, aus dem Sternbild Perseus zu kommen, sind aber natürlich am gesamten Himmel zu sehen. Perseus liegt unterhalb des bekannten und auffälligen Sternbilds Kassiopeia, das wegen seiner Form auch "Himmels-W" genannt wird. Da Perseus aber ein typisches Herbststernbild ist, das erst im Laufe der Nacht eine einigermaßen ansehnliche Höhe über dem Horizont erreicht, gelten die Morgenstunden in der Regel als beste Zeit, um die Perseiden zu beobachten.

Die Perseiden gehen auf den Kometen Swift-Tuttle zurück, in dessen staubigen Kometenschweif die Erde immer im Juli und August gerät. Der Komet selbst ist weit von der Erde entfernt und kommt erst 2126 wieder in Erdnähe. Den letzten Besuch im inneren Sonnensystem machte Swift-Tuttle Ende 1992. In den 1990er Jahren waren daher die Perseiden besonders aktiv und es ließen sich zuweilen viele hundert Sternschnuppen pro Stunde beobachten. Doch auch in ruhigeren Jahren wurden bei optimalen Bedingungen oftmals schon mehr als 100 Perseiden pro Stunde beobachtet.

Da die Perseiden in der Regel heller sind als andere Sternschnuppen, sind sie der ideale Strom für alle, die einmal ihre "erste Sternschnuppe" sehen wollen. Bei den Perseiden ist zudem die Chance besonders groß, dass man besonders helle Sternschnuppen, sogenannte Feuerkugeln beobachten kann. Als Feuerball oder Boliden bezeichnen Astronomen Meteore, die mindestens die Helligkeit von Jupiter oder Venus am Himmel erreichen.

Sternschnuppen entstehen, wenn die winzigen Staubpartikel auf der Bahn des Kometen mit einer Geschwindigkeit von fast 200.000 Kilometern pro Stunde in die Erdatmosphäre eindringen. Am intensivsten ist der Sternschnuppenstrom, wenn die Erde gerade den staubigsten Teil des Kometenschweifs durchläuft. Im Volksmund werden die Perseiden auch Laurentiustränen genannt. Die Bezeichnung geht auf Laurentius von Rom zurück, der am 10. August 258 in Rom zu Tode gefoltert wurde.

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siehe auch
Sonnenfinsternis: Wie die Ionosphäre auf ausbleibende Sonnenstrahlung reagiert - 5. August 2026
Solar Orbiter: Korona-Vorhersage zur Sonnenfinsternis - 10. August 2026
Der Sternhimmel im August 2025: Hochsommer am Himmel und Sternschnuppen im Mondlicht - 1. August 2025
Links im WWW
Lange Nacht der Astronomie
Live-Broadcast der ESA (Youtube, 19:30–20:45 Uhr MESZ)
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