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Bislang unbekannte Strukturen im Orionnebel
Redaktion
/ Pressemitteilung der Universität Wien astronews.com
10. Juli 2026
Mithilfe zweier der weltweit leistungsstärksten
Radioteleskope wurden bislang verborgene Strukturen innerhalb des
Orionnebels entdeckt. Die Beobachtungen lieferten die bislang schärfsten
Karten des neutralen Wasserstoffs in dieser Region massereicher Sternentstehung
und zeigten die komplexe Wechselwirkung von Sternentstehungsgebieten mit ihrer
Umgebung.

Radioemission von neutralen
Wasserstoffatomen in Richtung des Orionnebels.
Die roten Farben zeigen die 21-cm-Emission von
Wasserstoff, die erstmals mit diesem Detailgrad
aufgelöst wurde. Copyright: des ballongetragenen
Sonnenobservatoriums Sunrise III am 10. Juli
2024.
Bild: Juan D. Soler, Universität
Wien auf Basis von Daten des Jansky VLA des NRAO
und des Wide-field Infrared Survey Explorer der
NASA [Großansicht] |
Der Orionnebel ist eines der bekanntesten Objekte am Nachthimmel und auch in
der Amateurastronomie ein beliebtes Beobachtungsziel. Nun haben Astronominnen
und Astronomen entdeckt, dass einer seiner wichtigsten Bestandteile lange Zeit
weitgehend verborgen geblieben war. Mithilfe modernster Radioteleskope hat ein
Forschungsteam die bislang schärfsten Karten des neutralen atomaren Wasserstoffs
im Orionnebel erstellt. Die Beobachtungen zeigen gigantische expandierende
Schalen, zuvor nicht nachgewiesene Hohlräume sowie rätselhafte langgestreckte
Strukturen in der erdnächsten Region massereicher Sternentstehung.
Wasserstoff ist das häufigste Element im Universum. In seiner neutralen
atomaren Form (HI) sendet er schwache Radiowellen mit einer Wellenlänge von 21
Zentimetern aus, wodurch Astronominnen und Astronomen das sonst unsichtbare Gas
zwischen den Sternen nachverfolgen können. Um diese Emission in bislang
unerreichter Detailtiefe zu erfassen, kombinierten die Forschenden Beobachtungen
von zwei der weltweit leistungsstärksten Radioteleskope: dem Karl G. Jansky
Very Large Array (VLA) in den USA und dem Five-hundred-meter Aperture
Spherical Radio Telescope (FAST) in China.
Frühere Studien gingen davon aus, dass die den Orion umgebende Schale etwa
die tausendfache Sonnenmasse enthält. Die neuen Wasserstoffbeobachtungen deuten
jedoch auf eine nahezu zehnmal geringere Masse hin. "Masse zu messen ist
grundlegend", sagt Juan Diego Soler vom Institut für Astrophysik der Universität
Wien, "denn sie sagt uns etwas über die Effizienz dieser neu entstandenen
Sterne, die ihre Umgebung mit Wind und Strahlung formen." Die im Rahmen der
Beobachtungen entstandenen Karten zeigen zudem offenbar eine zweite
expandierende Hohlstruktur innerhalb der Hauptschale sowie eine langgestreckte
"Auswölbung" aus atomarem Gas, die sich etwa vier Lichtjahre aus der Blase
hinaus erstreckt. Diese Strukturen deuten darauf hin, dass der Orionnebel durch
mehrere Episoden stellaren Feedbacks geformt wurde und nicht durch eine einzelne
expandierende Blase.
Die durch diese Beobachtungen aufgedeckte Komplexität stellt das derzeitige
Verständnis der Sternentstehung infrage, erklärt Daniel Seifried von der
Universität zu Köln, der auch an der Untersuchung beteiligt war. "Um die
Sternentstehung zu verstehen, arbeiten wir an physikbasierten Simulationen, die
Ergebnisse liefern sollen, die den Beobachtungen ähneln. Diese Beobachtungen
stellen die theoretischen Modelle und numerischen Simulationen, mit denen wir
nachvollziehen wollen, wie massereiche Sterne ihr direktes Umfeld beeinflussen,
in Frage."
"Diese Studie ist ein spannender Beweis dafür, wie leistungsfähig
Radioteleskope der neuesten Generation sind, um neue Puzzleteile zur Entstehung
von Sternen aufzudecken", erklärt Teammitglied Claire Murray vom Space
Telescope Science Institute (STScI) in Baltimore, USA. "Orion ist nur der
Anfang. Unsere neu entwickelten Methoden zeigen, wie zukünftige Interferometer
die verborgene Struktur und Dynamik des interstellaren Mediums aufdecken werden
– selbst in Regionen, die Astronom*innen bereits als gut verstanden glaubten",
so Soler.
Die Ergebnisse ihrer Beobachtungen wurden jetzt im Fachjournal Astronomy
& Astrophysics veröffentlicht.
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