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Ein Vollmond wie jeder andere
von
Stefan Deiters astronews.com
29. Mai 2026
Der Mai endet mit einem Vollmond: Am Sonntag stehen Sonne,
Erde und Mond so, dass die von der Erde aus sichtbare Hälfte des Mondes
vollständig beschienen wird. Es ist bereits der zweite Vollmond im Mai. Ein
solcher Vollmond wird - vor allem im angelsächsischen Sprachraum - auch als
"Blauer Mond" bezeichnet. Er ist eher eine Kuriosität des Kalenders als eine
astronomische Besonderheit.

Der Vollmond Anfang April 2026, fotografiert von der
Internationalen Raumstation ISS aus.
Foto: NASA / Chris Williams [Großansicht] |
Die Redewendung "Once in blue moon" hat im englischen Sprachraum vor allem
eine Bedeutung: Irgendetwas passiert nur alle Jubeljahre einmal. Über die
Bedeutung des Begriffs "blue moon", also blauer Mond, dürften sich nur wenige
Gedanken machen. Heute bezeichnet man als "blauen Mond" in den Regel den
zweiten Vollmond innerhalb eines Kalendermonats. Ein solcher zweiter Vollmond
ist nicht unbedingt häufig, aber auch nicht wirklich selten: Zwischen zwei
Vollmonden liegen exakt 29,53 Tage. Es ist daher nicht verwunderlich, dass es
immer wieder Monate gibt, in denen sich zwei Vollmonde beobachten lassen. Nur
im Februar kann dies nicht passieren, da dieser Monat dazu einfach nicht genug
Tage hat.
Auch der Vollmond am 31. Mai 2026 ist der zweite Vollmond des Monats, der
letzte Vollmond war am 1. Mai. Die heute übliche Definition für den "blauen
Mond" ist dabei noch gar nicht so alt und geht auf eine fehlerhafte
Interpretation der ursprünglichen Regel zurück, die sich im Maine Farmers'
Almanac nachlesen lässt: Danach war ein Blue Moon der dritte Vollmond in einer
Jahreszeit, wenn es in dieser Jahreszeit ausnahmsweise einmal vier Vollmonde
gegeben hatte. Solche "blauen Monde" konnte es nur im November, Mai, Februar
oder August geben.
Doch diese Regel erscheint noch nicht so kompliziert, als dass sie zu
Fehlinterpretationen hätte führen können. Hinzu kam jedoch, dass der Kalender im
Maine Farmers' Almanac auf das tropische Jahr bezogen war und von einer
Wintersonnenwende zur nächsten lief. Auch die Jahreszeiten wurden etwas anders
definiert als heute üblich und normalerweise fielen in jede dieser Jahreszeiten
drei Vollmonde. In seltenen Fällen allerdings gab es einen vierten. Und genau in
solchen Fällen nannte man den dritten Vollmond einer Jahreszeit "blauer Mond".
Ein Mitarbeiter der amerikanischen Astronomiezeitschrift Sky & Telescope
versuchte, in einem 1946 erschienenen Artikel, diese Definition des "blauen
Monds" etwas einfacher zu fassen und auf den uns vertrauten Kalender zu
beziehen. Er folgerte: "Sieben Mal in 19 Jahren gab es - und gibt es - 13
Vollmonde im Jahr. Das bedeutet elf Monate mit jeweils einem Vollmond und einen
Monat mit zwei. Dieser zweite in einem Monat, so interpretiere ich es, wurde
Blue Moon genannt." Diese deutlich handlichere Regel setzte sich schnell durch.
Später recherchierte Sky & Telescope selbst, welche Rolle die Zeitschrift bei
der Entstehung der aktuellen Definition gespielt hatte und wies auf den Fehler
hin. Doch das änderte nichts daran, dass bis heute der zweite Vollmond eines
Kalendermonats als "blauer Mond" bezeichnet wird. Der ist natürlich nicht
wirklich blau - zumindest meistens nicht. In seltenen Fällen lässt sich
allerdings tatsächlich ein blauer Mond beobachten. Entsprechende Berichte gibt
es beispielsweise aus dem Jahr 1883. Grund dafür waren ungeheure Aschemengen,
die durch den Ausbruch des Vulkans Krakatau in die Atmosphäre geschleudert
worden waren. Diese Partikel streuten vor allem die rötliche Komponente des
Mondlichts, so dass der Mond bläulich erschien.
Das Auftreten eines Blauen Mondes wie wir ihn aktuell verstehen und wie er in
manchen Medien in diesen Tagen wieder als Besonderheit hervorgehoben wird, ist
also lediglich eine kalendarische Kuriosität. Der Mond am Sonntag wird nicht
irgendwie besonders aussehen. Was stimmt ist, dass es nicht wirklich häufig
vorkommt, dass es zwei Vollmonde in einem Monat gibt - den nächsten Blauen Mond
gibt es erst wieder 2028, nämlich zu Silvester.
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