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EVENT HORIZON TELESCOPE
Der Ursprung des Jets von Messier 87
Redaktion / Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie
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28. Januar 2026

Mithilfe von Daten des Event Horizon Telescope von Messier 87 gelangen nun neue Einblicke in die unmittelbare Umgebung des zentralen supermassereichen Schwarzen Lochs der Galaxie. Von besonderem Interesse war dabei der bislang unbekannte Ursprungsort des gewaltigen kosmischen Jets. Detaillierte Modellrechnungen weisen auf den wahrscheinlichsten Ort.

M 87

Ein Bild des Weltraumteleskops Hubble von der riesigen elliptischen Galaxie M 87 mit ihrem Jet. Der sichtbare Teil dieses riesigen Teilchenstroms erstreckt sich über etwa 3000 Lichtjahre. Bild: NASA, ESA, A. Lessing (Stanford University), E. Baltz (Stanford University), M. Shara (AMNH), J. DePasquale (STScI)  [Großansicht]

Einige Galaxien stoßen aus ihrem Zentrum mächtige Ströme geladener Teilchen – sogenannte Jets – in den Weltraum hinaus. Der markante Jet von Messier 87 (M 87) im Sternbild Jungfrau ist über Entfernungen von 3000 Lichtjahren sichtbar und lässt sich über das gesamte elektromagnetische Spektrum beobachten. Er wird von der zentralen Maschine im Herzen der Galaxie angetrieben: dem extrem massereichen Schwarzen Loch, das etwa sechs Milliarden Mal so massereich ist wie unsere Sonne. Der genaue Ort, an dem Jets um das Schwarze Loch entstehen, ist noch unbekannt. Mit Daten des Event Horizon Telescope (EHT) aus dem Jahr 2021 hat ein internationales Forschungsteam nun erste Hinweise auf die Basis des Jets in M 87 gefunden. 

M 87*, das extrem massereiche Schwarze Loch im Zentrum der Galaxie M 87, ist etwa 55 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Im Jahr 2019 gingen die ersten Bilder seines Schattens und des leuchtenden Rings aus heißem Gas um ihn herum um die Welt. Um solche Strukturen aufzulösen, müssen Radioteleskope auf der ganzen Welt zu einem einzigen virtuellen Teleskop wie dem EHT kombiniert werden. Diese Technik wird als Very Long Baseline Interferometry (VLBI) bezeichnet.

Die auf diese Weise erzeugten Aufnahmen sind empfindlich für Strahlung auf unterschiedlichen räumlichen Skalen, abhängig von den Abständen zwischen den Teleskopen (Basislinien): Mit langen Basislinien von mehreren tausend Kilometern lassen sich die kleinsten Strukturen – wie der leuchtende Ring – um M 87* abbilden. Kurze Basislinien von einigen hundert Metern zeigen hingegen Strahlung von viel ausgedehnteren Strukturen in M 87, beispielsweise dem Jet. Dafür bleiben ihnen Details in der Nähe des Schwarzen Lochs verborgen. Mittellange Basislinien mit einigen hundert bis einigen tausend Kilometern sind das wichtige Bindeglied. Mit ihnen lässt sich eine Verbindung zwischen dem Material um das Schwarze Loch und dem Jet herstellen.

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Genau diese mittellangen Basislinien ermöglichten es dem Forschungsteam nun, die wahrscheinliche Position der Jet-Basis zu bestimmen. "Diese Studie ist ein erster Schritt, um theoretische Ideen über den Ursprung von Jets mit direkten Beobachtungen zu verbinden. Das Identifizieren der möglichen Basis des Jets und seiner Verbindung zum Schatten des Schwarzen Lochs fügt ein wichtiges Puzzleteil hinzu und ermöglicht es, die Funktionsweise der zentralen Maschine besser zu verstehen", erklärt Saurabh, der gerade am Max-Planck-Institut für Radioastronomie (MPIfR) in Bonn seine Doktorarbeit schreibt.

Die Forschenden fanden Hinweise auf die Basis des Jets, indem sie die Intensität der Radiostrahlung auf verschiedenen räumlichen Skalen verglichen haben: Auf kurzen bis mittellangen Basislinien ist die gemessene Intensität höher als auf langen Basislinien. Das bedeutet, dass das, was mit langen Basislinien beobachtet wird – der leuchtende Ring aus heißem Gas um das Schwarze Loch – nicht allein für die gemessene Radiostrahlung verantwortlich ist. Die aktuellen Daten zeigen nun, dass ein Teil der fehlenden Strahlung auf mittellange Basislinien entfällt. Eine mögliche Erklärung ist der Jet, der mit dem EHT bei einer Radiofrequenz von 230 Gigahertz (GHz) bisher noch nicht beobachtet wurde.

Bei den EHT-Beobachtungen aus den Jahren 2017 und 2018 fehlten die mittellangen Basislinien, um einen Jet zu erkennen. Mit den kürzlich veröffentlichten Daten konnte Saurabhs Team jedoch mit zahlreichen Modellrechnungen zeigen, dass sich ein Teil der fehlenden Strahlung am besten durch eine zusätzliche kompakte Region erklären lässt. Aus unserer Perspektive ist diese etwa 0,09 Lichtjahre von M 87* entfernt und gehört zur Basis des Jets. Die Position der kompakten Region scheint mit dem südlichen Arm eines Radiojets übereinzustimmen, den Forschende im Jahr 2018 bei einer anderen Frequenz (86 GHz) entdeckten. "Wir haben den inneren Teil des Jets von M 87 viele Jahre lang mit globalen VLBI-Experimenten beobachtet, wobei die Auflösung immer weiter verbessert wurde, und schließlich gelang es uns 2019, den Schatten des Schwarzen Lochs aufzulösen. Es ist erstaunlich zu sehen, dass wir diese bahnbrechenden Beobachtungen über mehrere Frequenzen hinweg allmählich kombinieren können und sich das Bild der Region, aus der der Jet startet, vervollständigt", sagt Hendrik Müller vom National Radio Astronomy Observatory (NRAO).

Beobachten von Radiostrahlung aus den Tiefen des Universums ist genau so spannend wie herausfordernd. Viele Objekte und Phänomene – wie Staubscheiben in jungen Sternsystemen, komplexe Moleküle oder Magnetfelder in unserer Galaxis – geben ihre Geheimnisse nur bei diesen für das menschliche Auge unsichtbaren Frequenzen preis. Ihre Strahlung ist jedoch so schwach, dass man sie nur mit großem technischen Aufwand registrieren kann und vor der wissenschaftlichen Analyse zunächst in mehreren Stufen verstärken muss.

Die aktuelle Studie zeigt, dass diese interessanten Strukturen um M 87* sichtbar werden, wenn man bei Radiofrequenzen von 230 GHz mittellange Basislinien verwendet. Allerdings sind weitere Beobachtungen mit dem EHT erforderlich, um die Form des Jets genauer zu bestimmen. Mit diesen Daten werden sich dann Strukturen wie die Jet-Basis nicht nur ableiten, sondern direkt abbilden lassen. Das eröffnet wiederum neue Möglichkeiten, die unmittelbare Umgebung extrem massereicher Schwarzer Löcher zu untersuchen und Theorien zur Physik Schwarzer Löcher zu überprüfen. "Neue Beobachtungen, die derzeit mit Unterstützung des MPIfR korreliert und kalibriert werden, werden bald durch das Large Millimetre Telescope in Mexiko ergänzt. Dadurch wird eine noch schärfere Sicht auf die Region möglich, aus der der Jet stammt", blickt Sebastiano von Fellenberg vom MPIfR voraus.

Die Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

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siehe auch
Messier 87: Blick in die Entstehungsregion eines gewaltigen Jets - 27. April 2023
Messier 87: Galaktischer Jet modelliert - 5. November 2021
Nordic Optical Telescope: Der verdrillte Jet von M 87 - 6. Juli 2020
Event Horizon Telescope: Der Schatten des Schwarzen Lochs von M87 - 10. April 2019
Links im WWW
Saurabh et al. (2026): Probing jet base emission of M87* with the 2021 Event Horizon Telescope observations, A&A, 706, A27
Max-Planck-Institut für Radioastronomie
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