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ALMA
Blick auf Trümmerringe in jungen Planetensystemen
Redaktion / Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Astronomie
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20. Januar 2026

Mithilfe des Radioteleskopverbunds ALMA haben Forschende detaillierte Bilder von jungen Planetensystemen aufgenommen. Die Daten liefern neue Einblicke in eine schwer zu beobachtende, aber entscheidende Phase der Entstehung von Planetensystemen. Die Beobachtungen könnten helfen, die Entstehung unseres Sonnensystems besser zu verstehen.

ARKS

Diese ARKS-Galerie lichtschwacher Trümmerscheiben zeigt neue Details ihrer Struktur: Gürtel mit mehreren Ringen, ausgedehnte glatte Halos, scharf begrenzte Ränder sowie unerwartete Bögen und Klumpen, die auf den Einfluss formender Planeten hindeuten. Zugleich macht sie ihre chemische Zusammensetzung sichtbar: Die bernsteinfarbenen Bereiche markieren Lage und Menge des Staubs in den 24 untersuchten Scheiben, die blauen Bereiche hingegen die Verteilung und Häufigkeit von Kohlenmonoxidgas in den sechs gasreichen Systemen. Bild: Sebastián Marino, Sorcha Mac Manamon und die ARKS-Kollaboration  [Großansicht]

Astronominnen und Astronomen haben die bisher detailliertesten Schnappschüsse von Planetensystemen in einer Ära aufgenommen, die lange Zeit im Dunkeln lag. Die Studie ARKS - die Abkürzung steht für "ALMA survey to Resolve exoKuiper belt Substructures", also "ALMA-Studie zur Aufdeckung von Substrukturen in Exo-Kuiper-Gürteln" - hat mithilfe des Atacama Large Millimeter/submillimeter Array (ALMA) die schärfsten Bilder aller Zeiten von 24 Trümmerringen aufgenommen, den staubigen Gürteln, die nach der Entstehung von Planeten zurückbleiben. Diese Scheiben sind das kosmische Äquivalent zu den Teenagerjahren von Planetensystemen – etwas reifer als neu entstandene, planetenbildende Scheiben, aber noch nicht ganz erwachsen.

"Wir haben oft die Babyfotos von Planeten gesehen, die sich gerade bilden, aber bis jetzt fehlte die Jugendphase", sagt Meredith Hughes, Associate Professor für Astronomie an der Wesleyan University in Middletown im US-Bundesstaat Connecticut. "Trümmerringe stehen für die von Kollisionen geprägte Phase des Planetenentstehungsprozesses", erklärt Thomas Henning, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Astronomie. "Mit ALMA können wir die Ringstrukturen sichtbar machen, die auf die Anwesenheit von Planeten hinweisen. Parallel dazu suchen wir mithilfe von direkter Bildgebung und Radialgeschwindigkeitsstudien nach jungen Planeten in diesen Systemen."

Das Pendant zu dieser Phase in unserem eigenen Sonnensystem ist der Kuipergürtel, ein Ring aus eisigen Bruchstücken jenseits von Neptun, der Hinweise gewaltiger Kollisionen und Planetenwanderungen vor Milliarden von Jahren liefert. Durch die Untersuchung von 24 Exoplaneten-Trümmergürteln hat das ARKS-Team somit auch einen Einblick in die Vorgänge in unserem Sonnensystem vor langer Zeit gewonnen, als sich der Mond bildete und die Planeten um ihre endgültigen Positionen rangen und manchmal sogar ihre Umlaufbahnen tauschten.

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Trümmerringe sind lichtschwach, hunderte oder sogar tausende Male dunkler als die hellen, gasreichen Scheiben, in denen Planeten entstehen. Das ARKS-Team hat diese Herausforderungen gemeistert und Bilder dieser Scheiben in beispielloser Detailgenauigkeit produziert. Wie Teenager, die sich vor der Kamera verstecken, haben es diese schwachen Scheiben geschafft, sich jahrelang vor den Forschenden zu verbergen. Dank ALMA können Astronominnen und Astronomen nun ihre komplexen Strukturen erkennen: Gürtel mit mehreren Ringen, breite und glatte Halos, scharfe Kanten und sogar unerwartete Bögen und Klumpen.

Allerdings macht ALMA mit seinen Dutzenden von einzelnen Radioteleskopen keine Bilder im klassischen Sinne. Stattdessen sammelt es Radiosignale, die von Staubpartikeln und Molekülen ausgesendet werden und anschließend verarbeitet und korreliert werden müssen. Jedes Teleskop trägt zum endgültigen Bild bei, das aus dem Strom der Radiowellen zusammengefügt wird. "Wir sehen eine echte Vielfalt – nicht nur einfache Ringe, sondern mehrringige Gürtel, Halos und starke Asymmetrien, die ein dynamisches und turbulentes Kapitel in der Geschichte der Planeten offenbaren", erläutert Sebastián Marino hinzu, Programmleiter von ARKS und außerordentlicher Professor an der Universität Exeter in Großbritannien.

Die Ergebnisse von ARKS zeigen, dass diese Teenagerphase eine Zeit des Übergangs und der Turbulenzen ist. "Diese Scheiben dokumentieren eine Zeit, in der die Planetenbahnen durcheinandergeraten waren und gewaltige Einschläge, wie derjenige, der den Mond der Erde geformt hat, junge Sonnensysteme geprägt haben", sagt Luca Matrà, außerordentlicher Professor am Trinity College Dublin in Irland. Durch die Untersuchung Dutzender Scheiben um Sterne unterschiedlichen Alters und Typs trug ARKS dazu bei, zu entschlüsseln, ob chaotische Merkmale vererbt, von Planeten geformt oder durch andere kosmische Kräfte entstanden sind. Die Beantwortung dieser Fragen könnte Aufschluss darüber geben, ob die Geschichte unseres Sonnensystems einzigartig oder die Norm war.

Die Ergebnisse der ARKS-Studie sind eine Fundgrube für Astronomen, die nach jungen Planeten suchen und verstehen wollen, wie Planetenfamilien wie unsere eigene entstehen und sich neu ordnen. "Dieses Projekt gibt uns eine neue Perspektive für die Interpretation der Krater auf dem Mond, der Dynamik des Kuipergürtels und des Wachstums großer und kleiner Planeten. Es ist, als würde man die fehlenden Seiten im Familienalbum des Sonnensystems hinzufügen", vergleicht Hughes abschließend.

Über ihre Studie berichtet das Team in einer Reihe von Fachartikeln, die in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics erschienen sind.

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Links im WWW
ARKS, Projekt-Website (mit Liste der Veröffentlichungen)
Max-Planck-Institut für Astronomie
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