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Langsamer Abschied von der Sternen des Sommers
von
Stefan Deiters astronews.com
1. Oktober 2025
Noch sind sie zu sehen, die Sterne des Sommers, doch sie
geben am zunehmend herbstlichen Himmel ihre Abschiedsvorstellung. Die
Sternbilder des Herbstes wie Pegasus und Andromeda übernehmen langsam das
Regiment. Die beiden größten Planeten des Sonnensystem sind prominent am Himmel
vertreten. Die Venus ist Morgenstern.

Jupiter und der Mond gegen 0 Uhr MESZ am 14. Oktober 2025 über
dem Osthorizont. Bild: astronews.com / Stellarium [Großansicht] |
Nun ist es nicht mehr zu leugnen: Die Nächte beginnen immer früher und sie
sind oft schon relativ kalt - der Sommer ist endgültig vorbei. Der Oktober
ist der erste Monat, der vollständig im Herbst liegt, man muss also mit
stürmischem Wetter und Regen rechnen, darf aber trotzdem noch auf einige
spätsommerliche Tage, also einen "goldenen Oktober" hoffen. Dazu fordert auch
der Sternhimmel auf: Hier scheinen nämlich die Herbststernbilder auch noch nicht
das Regiment übernommen zu haben. Wer abends an den Himmel schaut, wird schnell
feststellen, dass der Himmel zurzeit nicht wesentlich anders aussieht als noch
vor vier Wochen. Das hat einen einfachen Grund: Der Effekt der langsam nach
Westen ziehenden Sternbilder wird von der früher untergehenden Sonne in etwa
ausgeglichen.
Sogar noch einige Sternbilder des Sommers lassen sich ausmachen: So ist das
Sommerdreieck [Findkarte]
aus den Sternen Deneb im Sternbild Schwan, Wega in der Leier und Altair im Adler
noch deutlich am Himmel zu sehen. Aber selbstverständlich lassen sich auch die Konstellationen des Herbstes
schon erkennen, allerdings sind die Sterne der typischen Herbststernbilder
weniger hell und damit auch weniger auffällig. Charakteristisch für den Herbst
ist etwa im Osten das große Viereck des Pegasus, gefolgt von Andromeda.
Das Sternbild Pegasus, das ein fliegendes Pferd darstellen soll, steht dabei
am Himmel auf dem Kopf. Das markante Viereck bildet den Körper des Pferdes, von
der unteren rechten Ecke gehen dann Hals und Kopf ab. Unterhalb von Kopf und
Hals liegt das Sternbild Wassermann. Denkt man sich eine Linie
durch die linke obere und die rechte untere Ecke des Pegasus-Vierecks, deutet
diese auf Sadalmelik, den Hauptstern des Wassermanns. Der Stern ist 760
Lichtjahre von der Erde entfernt. Direkt östlich davon sind vier Y-förmig
angeordnete Sterne zu erkennen, die man auch als "Wasserkrug" des Wassermanns
bezeichnet.
In Andromeda lässt sich, ein dunkler Himmel und gute Augen
vorausgesetzt, noch ein ganz besonderes Objekt ausmachen: unsere Nachbargalaxie
Messier 31. Das Sternbild Andromeda ist vergleichsweise einfach zu erkennen:
Seine hellsten Sterne bilden vom Stern Sirrah oder Alpheratz, dem nordöstlichen
Stern des Pegasus-Vierecks, eine Linie aus vier Sternen. Vom dritten Stern,
Mirach, hangelt man sich dann - etwa im rechten Winkel - zu zwei
leuchtschwächeren Sternen hinauf und trifft schließlich so auf die
Andromedagalaxie.
Man darf allerdings hier, insbesondere, wenn man mit bloßem Auge beobachtet,
keine prächtige Spiralgalaxie erwarten, sondern lediglich ein lichtschwaches
nebliges Objekt. Das erklärt auch, warum diese und andere Galaxien vor 100
Jahren noch als "Nebel" bezeichnet wurden und es unter Astronomen eine lange
Diskussion darüber gab, ob es sich dabei nun um Galaxien wie unsere Milchstraße
oder tatsächlich nur um Nebel innerhalb der Milchstraße handelt. Erst durch
Beobachtungen von Edwin Hubble wurde diese Frage geklärt: Ihm gelang es nämlich
die Entfernung zum "Andromedanebel" zu bestimmen, so dass deutlich war, dass
diese Galaxie viel weiter entfernt ist, als unsere Milchstraße groß sein kann.
Ein weiteres auffälliges Sternbild am Himmel ist Kassiopeia.
Es ist das ganze Jahr über zu beobachten und steht derzeit hoch im
Nordosten. Wegen seiner eigentümlichen Form wird es oft auch
als "Himmels-W" bezeichnet. Von diesem Sternbild aus lässt sich leicht ein schönes
Beobachtungsobjekt für das Fernglas oder für kleine Teleskope finden: der
Doppelsternhaufen NGC 869 und NGC 884 [Findkarte],
der zwischen dem Himmels-W und Perseus liegt. Was zunächst wie ein kleiner heller
Klumpen aussieht, ist in Wirklichkeit eine Ansammlung von Hunderten von Sternen.
Astronomen haben über 400 gezählt, doch es gibt zweifellos weitaus mehr, die
aber von interstellarem Staub verborgen sind. Die Haufen sind rund 7000
Lichtjahre von der Erde entfernt.
Unter den Planeten ist Venus weiterhin am Morgenhimmel zu
sehen, allerdings nicht mehr wirklich auffällig. Sie befindet sich zunächst im
Sternbild Löwe und wechselt dann in die Jungfrau. Unser anderer Nachbar im All, der Mars,
ist noch nicht wieder am Himmel zu sehen. Ganz anders sieht es bei Jupiter
aus: Er wird langsam zum Planeten der
ganzen Nacht und befindet sich im Sternbild Zwillinge. Der Gasriese steuert auf
seine Opposition zu.
Der Ringplanet Saturn hat seine Opposition bereits hinter sich, lässt sich aber
noch immer recht leicht am nächtlichen Himmel aufspüren. Er befindet sich im
Wassermann.
Auch Sternschnuppenfreunde könnten im Oktober auf ihre Kosten kommen. In
diesem Monat lassen sich nämlich zwei Meteorschauer beobachten: In der ersten
Monatshälfte sind die Oktober-Draconiden zu sehen, die ihren Ausgangspunkt (den
sogenannten Radianten) am Himmel im Sternbild Drache haben. Daher kommt auch der
Name Draconiden, das Sternbild Drache heißt auf Lateinisch nämlich Draco. Der
Strom ist auf den Kometen 21P/Giacobini-Zinner zurückzuführen. Ihr Maximum wird
für den Abend des 8. Oktober erwartet. Den ganzen
Oktober über ist zudem der Sternschnuppenstrom der Orioniden aktiv. Die Meteore
haben ihren Ausgangspunkt im Sternbild Orion. Mit dem Maximum wird am 22.
Oktober gerechnet.
Dass der Herbst begonnen hat, merkt man schließlich auch am Ende der
sogenannten Sommerzeit in den frühen Morgenstunden des 26.
Oktober. Diese Zeitumstellung hat nichts mit astronomischen Überlegungen zu tun.
Die Normalzeit, die ab Monatsende wieder gilt, ist dem wahren Lauf der Sonne
deutlich näher als die Sommerzeit der letzten Monate.
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