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GRAVITATIONSWELLEN
Das Geräusch vom Wachsen Schwarzer Löcher
Redaktion / Pressemitteilung des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik
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12. September 2025

Am Wochenende jährt sich der Empfang des ersten Gravitationswellensignals zum zehnten Mal. Die damalige Entdeckung stellt einen wichtigen Meilenstein der Astronomie und den Beginn eines neuen Zeitalters der Beobachtung unseres Universums dar. Rechtzeitig zum Jubiläum wurden auch die Ergebnisse der Auswertung eines besonders klaren Signals veröffentlicht.

Verschmelzung

Künstlerische Darstellung der Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher unter Aussendung von Gravitationswellen. Bild: Maggie Chiang für die Simons Foundation [Großansicht]

Am 14. September 2015 erreichte ein Signal von einem Paar Schwarzer Löcher die Erde. Es enthielt Informationen darüber wie sich die beiden Objekte in einer fernen Galaxie umrundet hatten, sich immer näher kamen und schließlich miteinander verschmolzen. Die beiden Detektoren des Laser Interferometer Gravitational-Wave Observatory (LIGO) beobachteten zum ersten Mal Gravitationswellen von verschmelzenden Schwarzen Löcher. Seitdem wurden rund 300 weitere Verschmelzungen Schwarzer Löcher und Neutronensterne beobachtet. Mit diesen Messungen wurde eine neue Ära der Astronomie eingeläutet.

Forschende des Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik (Albert-Einstein-Institut, AEI) und der Leibniz-Universität Hannover haben dazu in vielen Schlüsselbereichen entscheidende Beiträge geleistet und prägen auch weiterhin die Zukunft dieses Forschungsgebiets. "Es war eine unglaubliche Reise, die uns zu diesem bemerkenswerten Meilenstein vor zehn Jahren geführt hat. Seit den Anfängen dieses Forschungsgebiets treiben unsere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Entwicklung neuer Technologien und Analysetechniken voran", sagt Karsten Danzmann, Direktor am AEI und Direktor des Instituts für Gravitationsphysik an der Leibniz Universität Hannover. "Heute bauen wir auf dieser Dynamik auf und arbeiten auf eine Zukunft hin, in der die Astronomie mit Gravitationswellen noch mehr Geheimnisse des Universums enthüllen wird."

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Durch diese historische Entdeckung können Astronominnen und Astronomen das Universum nun auf insgesamt drei verschiedene Arten beobachten. Zuvor hatten sie elektromagnetische Wellen – wie sichtbares Licht, Röntgenstrahlung und Radiowellen – sowie hochenergetische Teilchen und Neutrinos erfasst. Am 14. September 2015 beobachteten die Forschenden jedoch erstmals ein kosmisches Ereignis, indem sie dessen Wellen in der Raumzeit nachwiesen. Für diese Entdeckung wurden Rai Weiss, Kip Thorne und Barry Barish im Jahr 2017 mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Heute betreibt die LIGO-Virgo-KAGRA (LVK)-Kollaboration ein internationales Netzwerk von Gravitationswellen-Detektoren. Es besteht aus den beiden LIGO-Instrumenten in den USA, dem Virgo-Detektor in Italien, KAGRA in Japan und GEO600 in Deutschland. Gemeinsam haben sie insgesamt rund 300 Verschmelzungen Schwarzer Löcher erfasst. Einige von diesen sind bestätigt, während andere noch weitergehend untersucht werden müssen.

Seit der ersten Messung von Gravitationswellen vor zehn Jahren sind die Detektoren wesentlich empfindlicher, die Berechnung der Gravitationswellen moderner und die Datenanalyse hocheffizient geworden – das zeigt sich beispielhaft in der neuesten Entdeckung, dem Gravitationswellensignal GW250114. Es entstand bei der Verschmelzung zweier Schwarzer Löcher und ist der allerersten Entdeckung ähnlich: Beide Signale stammen von zwei verschmelzenden Schwarzer Löchern, deren Massen dem 30- bis 40-fachen der Masse unserer Sonne entsprechen, und die sich in einer Entfernung von etwa 1,3 Milliarden Lichtjahren befanden. Dank der Fortschritte in Technologie, Theorie und Modellierung im Laufe eines Jahrzehnts ist das neue Signal GW250114 jedoch deutlich klarer und seine Eigenschaften lassen sich genau bestimmen.

Weil GW250114 besonderes klar und deutlich beobachtet wurde, konnten die Forschenden daraus mehrere, neue grundlegende physikalische Erkenntnisse ableiten. In einer neuen Untersuchung legt das LVK-Team den bislang besten beobachtungsbasierten Beweis für das Flächentheorem Schwarzer Löcher vor, das Stephen Hawking im Jahr 1971 aufstellte. Dieses Theorem besagt, dass die Gesamtoberfläche Schwarzer Löcher nicht abnehmen kann. Das lässt sich mithilfe von Verschmelzungen Schwarzer Löcher überprüfen. Dazu bestimmt man die Oberflächen der einzelnen Schwarzen Löcher vor der Verschmelzung und die des zurückbleibenden Schwarzen Lochs nach der Verschmelzung und vergleicht dann die beiden Messungen. Kurz gesagt konnte das LVK-Team mithilfe des kürzlich entdeckten Signals GW250114 "hören", wie zwei Schwarze Löcher wuchsen, als sie zu einem einzigen verschmolzen. Damit konnten sie Hawkings Theorem bestätigen.

In der veröffentlichten Studie konnten die Forschenden darüber hinaus erstmals sicher zwei unterschiedliche Gravitationswellen-Moden – also zwei unterschiedliche Töne – im "Ringdown" identifizieren. Der Ringdown (das Abklingen) bezeichnet die Phase, in der das Schwarze Loch unmittelbar nach der Verschmelzung seinen Endzustand einnimmt. Die Moden ähneln den charakteristischen Tönen einer Glocke nach dem Anschlagen. Sie haben ähnliche Frequenzen, klingen jedoch unterschiedlich schnell aus, was ihre Identifizierung erschwert. Da GW250114 jedoch sehr genau beobachtet wurde, gelang es dem Team, die beiden Töne zu extrahieren. Damit zeigten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, dass das Abklingen des Schwarzen Lochs genauso verlief, wie es die Lösung der allgemeinen Relativitätstheorie für rotierende Schwarze Löcher vorhersagt.

In einer weiteren Studie grenzt die LVK-Kollaboration die Eigenschaften eines vorhergesagten dritten Tons im Signal GW250114 ein. Sie führen zudem einige der bislang genauesten Tests der Beschreibung verschmelzender Schwarze Löcher in der allgemeinen Relativitätstheorie durch. Die Ergebnisse einiger dieser Tests, die auf diesem einzelnen Signal beruhen, sind zwei- bis dreimal genauer als die der gleichen Tests, die auf der kombinierten Untersuchung von Dutzenden der lautesten Ereignisse aus dem neuesten Gravitationswellensignalkatalog (GWTC-4.0) beruhen.

"Wir haben einige der bislang genauesten Überprüfungen der allgemeinen Relativitätstheorie vorgenommen. Zusätzlich konnten wir bei GW250114 erstmals auch die Eigenschaften eines dritten, höheren Tons beim Ausklingen des zurückbleibenden Schwarzen Lochs eingrenzen", erklärt Alessandra Buonanno, Direktorin am Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik. Lorenzo Pompili, Doktorand am AEI in Potsdam, ergänzt: "Wir haben eine spektroskopische Untersuchung des Schwarzen Lochs durchgeführt, das heißt wir haben die unterschiedlichen Töne untersucht, die während der letzten Abklingphase der Verschmelzung abgegeben wurden. Wir konnten zuverlässig überprüfen, ob sich das Objekt tatsächlich wie ein rotierendes Schwarzes Loch verhält. Dafür haben wir die Eigenschaften mehrerer Töne eingegrenzt und bestätigt, dass diese mit den erwarteten Frequenzen und Abklingzeiten übereinstimmen."

"Insgesamt wurden Einsteins allgemeine Relativitätstheorie und die Kerr-Lösung für Schwarze Löcher erneut empirisch bestätigt", fasst Buonanno zusammen. Die 1963 von Roy Kerr gefundene Lösung für rotierende Schwarze Löcher ist seit der Entdeckung von Quasaren von großer Bedeutung für die Astrophysik und die Grundlagenphysik.

In den kommenden Jahren wollen die Mitglieder der LVK-Kollaboration ihre Geräte weiter optimieren, um mit ihnen noch tiefer in den Weltraum lauschen zu können. "Mit den Detektoren der dritten Generation erwarten wir, die frühesten Verschmelzungen von Schwarzen Löchern im Universum zu hören, Gravitationswellen-Ereignisse noch präziser zu messen und ein tieferes Verständnis der Geheimnisse unseres Universums zu erlangen", so Frank Ohme, der eine unabhängige Forschungsgruppe am AEI leitet.

Über das neue Gravitationswellensignal berichtet das Team in einem Fachartikel, der in den Physical Review Letters erschienen ist, eine weitere Studie wurde gerade eingereicht und steht bereits als Preprint zur Verfügung.

Forum
Internationale Kollaboration zu Schwarzen Löchern und starker Gravitation. Diskutieren Sie mit anderen Lesern im astronews.com Forum.
siehe auch
LIGO: Erste direkte Beobachtung von Gravitationswellen - 11. Februar 2016
Links im WWW

The LIGO Scientific Collaboration, the Virgo Collaboration, the KAGRA Collaboration (2025): GW250114: testing Hawking’s area law and the Kerr nature of black holes, Phys. Rev. Lett., 135, 111403
The LIGO Scientific Collaboration, the Virgo Collaboration, the KAGRA Collaboration (2025): Black-Hole Spectroscopy and Tests of General Relativity with GW250114 (arxiv.org-Preprint)
Max-Planck-Instituts für Gravitationsphysik  
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