Anzeige
 Home  |  Nachrichten  | Frag astronews.com  | Bild des Tages  |  Kalender  | Glossar  |  Links  | Forum  | Über uns    
astronews.com  
Nachrichten

astronews.com
astronews.com

Der deutschsprachige Onlinedienst für Astronomie, Astrophysik und Raumfahrt

Home  : Nachrichten : Sonnensystem : Artikel [ Druckansicht ]

 
MOND
Wie die Exosphäre des Mondes entsteht
Redaktion / idw / Pressemitteilung der TU Wien
astronews.com
23. Juli 2025

Unser Mond verfügt zwar über keine richtige Atmosphäre, hat aber dennoch eine dünne Gashülle, die sogenannte Exosphäre. Wie sie genau entsteht, ist bis heute nicht verstanden, eine Rolle könnte aber der Sonnenwind spielen, durch den ständig elektrisch geladene Teilchen auf der Mondoberfläche aufschlagen. Neue Experimente zeigen nun, dass sein Einfluss aber wohl deutlich überschätzt wurde.

Vakuumkammer

Vakuumkammer mit Mondgestein.  Foto: TU Wien [Großansicht]

"Der Mond hat keine dichte Atmosphäre wie die Erde – aber um ihn herum existiert eine extrem dünne Exosphäre, in der sich einzelne Atome und Moleküle befinden", erklärt Prof. Friedrich Aumayr vom Institut für Angewandte Physik der TU Wien. "Woher diese Teilchen stammen, ist eine der zentralen Fragen der Mondforschung." Zwei Prozesse gelten als Hauptkandidaten: Entweder werden die Teilchen durch den Einschlag von Mikrometeoriten aus der Oberfläche geschlagen, oder sie stammen aus der Wechselwirkung der Oberfläche mit dem Sonnenwind – dem kontinuierlichen Strom aus Protonen, Heliumionen und anderen geladenen Teilchen. Man spricht hier von einer Sputtererosion durch Sonnenwind-Teilchen. Konkrete experimentelle Daten fehlten dazu aber bislang.

An der TU Wien wurden nun erstmals präzise Experimente mit Originalmaterial der NASA-Apollo-16-Mission durchgeführt. "Mit einer speziell entwickelten Quarz-Mikrowaage konnten wir die durch Ionenbeschuss verursachte Masseabnahme des Mondgesteins exakt vermessen", erklärt Johannes Brötzner, Doktorand am Institut für Angewandte Physik. "Gleichzeitig haben wir am Vienna Scientific Cluster großskalige 3D-Simulationen durchgeführt, um die komplexe Geometrie und Porosität der Mondoberfläche in die Berechnungen einfließen zu lassen."

Anzeige

Das Ergebnis: Die reale Erosionsrate durch den Sonnenwind wurde bisher massiv überschätzt. Sie ist um bis zu eine Größenordnung niedriger als bisher angenommen. Das liegt vor allem an der Struktur des Regoliths, der lockeren, porösen Staubschicht auf der Mondoberfläche. Wenn Ionenteilchen auf Regolith treffen, dann können sie dort in winzige Hohlräume eindringen und ihre Energie in mehreren Kollisionen loswerden. Das senkt die Effizienz des Sputterns deutlich, es werden weniger Teilchen herausgeschlagen als das der Fall wäre, wenn die Ionen auf eine glatte Oberfläche treffen würden.

"Unsere Studie liefert die ersten realistischen, experimentell abgesicherten Sputter-Werte für echtes Mondgestein", fasst Aumayr zusammen. "Damit zeigen wir nicht nur, dass frühere Modellrechnungen die Erosionsrate durch den Sonnenwind stark überschätzt haben – wir können damit auch einen offenen wissenschaftlichen Widerspruch auflösen: Eine kürzlich in Science Advances veröffentlichte Studie hatte anhand von Isotopenanalysen an Apollo-Gesteinsproben den Schluss gezogen, dass über geologische Zeiträume hinweg Mikrometeoriten die Hauptquelle für die lunare Exosphäre darstellen – und nicht der Sonnenwind. Unsere neuen Messdaten bestätigen diese Interpretation aus einem völlig anderen, unabhängigen Blickwinkel."

Diese Ergebnisse kommen zur rechten Zeit: Mit der Artemis-Mission der NASA steht eine neue Ära der bemannten Mondforschung bevor, und auch die ESA-JAXA-Mission BepiColombo zum Merkur wird in den kommenden Jahren erstmals direkt vor Ort Daten von der Exosphäre des sonnennahen Planeten liefern. Für die Auswertung dieser Daten ist ein tiefes Verständnis der zugrunde liegenden Erosionsmechanismen unerlässlich – und genau dazu leistete die jetzt vorgestellte Studie aus Wien einen entscheidenden Beitrag.

Die Forschungsergebnisse wurden jetzt in der Fachzeitschrift Communications Earth & Environment veröffentlicht.

Forum
Wie die Exosphäre des Mondes entsteht. Diskutieren Sie mit anderen Lesern im astronews.com Forum.
siehe auch
Mond: Mondatmosphäre entsteht durch Mini-Meteorite - 6. August 2025
Links im WWW

Brötzner, J. et al. (2025): Solar wind erosion of lunar regolith is suppressed by surface morphology and regolith properties, Communications Earth & Environment, 6, 560
Technische Universität Wien
In sozialen Netzwerken empfehlen
 
 
Anzeige
astronews.com 
Nachrichten Forschung | Raumfahrt | Sonnensystem | Teleskope | Amateurastronomie
Übersicht | Alle Schlagzeilen des Monats | Missionen | Archiv
Weitere Angebote Frag astronews.com | Forum | Bild des Tages | Newsletter
Kalender Sternenhimmel | Startrampe | Fernsehsendungen | Veranstaltungen
Nachschlagen AstroGlossar | AstroLinks
Info RSS-Feeds | Soziale Netzwerke | astronews.com ist mir was wert | Werbung | Kontakt | Suche
Impressum | Nutzungsbedingungen | Datenschutzerklärung | Cookie-Einstellungen
     ^ Copyright Stefan Deiters und/oder Lieferanten 1999-2023. Alle Rechte vorbehalten.  W3C
Diese Website wird auf einem Server in der EU gehostet.

© astronews.com / Stefan Deiters und/oder Lieferanten 1999 - 2020
Alle Rechte vorbehalten. Vervielfältigung nur mit Genehmigung.


URL dieser Seite: https://www.astronews.com:443/news/artikel/2025/07