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Hoffen auf neuen Kontakt zu Lander Philae
Redaktion
/ Pressemitteilung des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt e. V. astronews.com
12. November 2015
Vor genau einem Jahr setzte der Lander Philae auf
der Oberfläche des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko auf. Obwohl dabei einiges
nicht wie geplant klappte, konnten viele der vorgesehenen Messungen durchgeführt
werden. In Köln hofft man nun auf einen weiteren Kontakt zum Lander. Bis Anfang
2016 dürfte dies theoretisch noch möglich sein.

Vor einem Jahr: Der Lander Philae hat sich
von Rosetta getrennt und fliegt auf den
Kometenkern zu. Bild:
ESA / Rosetta / MPS für OSIRIS Team MPS / UPD /
LAM / IAA / SSO / INTA / UPM / DASP / IDA [Großansicht] |
Als Philae vor einem Jahr, am 12. November 2014, auf dem Kometen
67P/Churyumov-Gerasimenko landete, war er über 500 Millionen Kilometer von der
Erde entfernt. "Wir hatten fast 20 Jahre diese Mission begleitet, sie geplant
und die Rosetta-Sonde und Philae durchs All geschickt - der
Tag der Landung war dann schon sehr besonders", erinnert sich Philae-Projektleiter
Dr. Stephen Ulamec vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR).
Rund 60 Stunden arbeitete das Team des Lander-Kontrollzentrums des DLR mit
Philae und seinen zehn Instrumenten an Bord, dann war dessen erste,
aufgeladene Batterie erschöpft. Aufnahmen des akustischen SESAME-Experiments
haben inzwischen gezeigt: Der Lander steht an seiner schroffen Landestelle mit
allen drei Füßen auf dem Boden.
Mit der erneuten Annäherung der europäischen Rosetta-Sonde der ESA
an den Kometen ist auch die Kommunikationseinheit des Orbiters wieder
eingeschaltet und "horcht" auf ein Signal des Landers. "Es ist aber schwierig
einzuschätzen, ob und wann wir Kontakt bekommen", so Ulamec.
245 Millionen Kilometer sind Komet und Lander zurzeit von der Sonne entfernt.
"Pro Kometentag von 12,6 Stunden steht Philae im Moment rund vier
Stunden in der Sonne", sagt Dr. Koen Geurts, technischer Manager des Landers am
DLR. "Das reicht, um ihn mit Energie zu versorgen." Allerdings: Die Bedingungen
auf dem Kometen - und somit die Möglichkeit, dass Philae Kontakt mit
seinem Team am Boden aufnehmen kann - werden in den nächsten Wochen schlechter.
"Durch die zunehmende Entfernung von der Sonne wird die zur Verfügung stehende
Energie weniger, und auch die Temperatur im Inneren des Landers wird kälter."
Minus 51 Grad Celsius kann Philae in seinem Inneren vertragen - sinkt
die Temperatur unter diesen Wert, schaltet sich der Lander nicht mehr ein und
ist nicht mehr betriebsbereit. Voraussichtlich spätestens im Januar 2016 wird
dies der Fall sein - und Philaes Mission somit enden.
Insgesamt sieben Mal meldete sich der Lander zwischen dem 13. Juni 2015 und
dem 9. Juli 2015 und schickte Daten zu seinem "Gesundheitszustand". Seitdem
schweigt Philae. "Eigentlich müssten seine Speicher noch mit
wissenschaftlichen Daten voll sein, wenn er unsere Befehle empfangen und
durchgeführt hat", sagt DLR-Ingenieur Geurts. Nach den detaillierten Analysen
der empfangenen Lander-Daten geht das Team des DLR davon aus, dass einer der
beiden Empfänger und einer der beiden Sender auf Philae ausgefallen
sind.
Ein zweiter Sender scheint zudem nicht mehr fehlerfrei zu funktionieren. So
hat Philae in seinen Datenpaketen auch Informationen zu einem
Kometentag geschickt, an dem er nicht in Kontakt zur Erde stand - "Er war also
in Betrieb, hat die Signale des Orbiters gehört, aber sein Sender hat sich nicht
eingeschaltet". Dies würde auch erklären, warum die Kontakte mit Philae
nur unregelmäßig und relativ selten zustande kamen.
Die größte Annäherung an die Sonne am 13. August 2015 hat Philae
sicherlich gut überstanden, ohne zu überhitzen. Nachdem er von seinem
ursprünglichen, sehr sonnigen Landeplatz nach der ersten Landung abprallte und
schließlich an einem eher schattigen Platz zur Ruhe kam, steht er dort vor zu
hohen Temperaturen geschützt. Wahrscheinlich wird er am sonnennächsten Punkt der
Kometenbahn in 186 Millionen Kilometern Entfernung von der Sonne lediglich auf
etwa 40 Grad Celsius erwärmt worden sein. Eine Temperatur, die dem Lander nicht
schadet.
Um ein Aufwachen des Landers zu erleichtern, verfolgt das DLR-Team
verschiedene Strategien. Unter anderem aktiviert es zum Beispiel das bisher
ungenutzte Ersatz-Power-Subsystem - in der Hoffnung, dass dieses den
wankelmütigen, verbleibenden Sender des Landers einschaltet. Zudem arbeitet das
Team an einer Kommando-Sequenz, die Philaes Sender häufig ein- und
wieder ausschaltet, um den Transmitter so aktivieren.
Sollte Philae aufwachen und einen stabilen Kontakt aufbauen, sind
die DLR-Ingenieure und Wissenschaftler bereit. "Hat der Lander ausreichend
Energie, können wir sehr schnell Fotos aufnehmen und Messungen mit den
Instrumenten MUPUS, SESAME, Ptolemy, ROMAP und COSAC durchführen", erläutert
Ulamec. "Diese Kommandos sind bereits vorkonfiguriert im Speicher von Philae."
Eine sehr begehrte Bodenprobe zu nehmen - dies gelang im November 2014 nicht -
würde allerdings zuverlässigere und besser vorhersagbare Kontakte zu Philae
erfordern.
Beschäftigt hat sich das Philae-Team auch mit dem Ausfall des
Harpunensystems, mit dem Philae sich im Kometenboden hätte verankern sollen. Da
die Harpunen nicht feuerten, prallte der Lander an der Kometenoberfläche ab und
machte noch mehrere Hüpfer, bevor er am Landeplatz Abydos zum Stehen kam. "Eine
Fehlerursache könnten die Filamente sein, durch die Strom fließt, um den
Sprengstoff zu zünden, der wiederum die Harpunen auslöst", spekuliert Ulamec.
"Oder der Sprengstoff ist über die lange Zeit im Weltall degradiert. Vielleicht
konnte keiner der vier Filamente die Zündung auslösen oder sie brannten durch,
ehe es zur Zündung kam."
Sollte Philae sich melden, könnte auch in Betracht gezogen werden,
erneut zu versuchen, die Harpunen zu feuern. Da die Anker mit
Temperatur-Sensoren und Beschleunigungsmessern versehen sind, könnten so
zusätzliche wissenschaftliche Daten gewonnen werden.
Sicher ist zumindest, dass Philae an seinem Landeort nicht ein Bein
in den Himmel streckt. "Mit dem Instrument SESAME, das in allen drei Lander-Füßen
Sensoren hat, haben wir das Hämmern von MUPUS gehört - und zwar in allen drei
Beinen", erläutert DLR-Planetenforscher Dr. Martin Knapmeyer.
Um die Beschaffenheit des Bodens zu untersuchen, nutzten die Wissenschaftler
die Hammersonde MUPUS als laute Schallquelle. Die von MUPUS ausgelösten
Schwingungen, die durch den Kometenboden verliefen, nahm SESAME auf. Damit
wurden zum ersten Mal seit der Apollo-17-Mission in den 1970ern aktive
seismische Messungen auf einem Himmelskörper durchgeführt.
Über zwei Stunden schaltete sich das seismische Instrument SESAME ein,
während MUPUS - mit unterschiedlichen Schlagstärken - versuchte, in den Boden
einzudringen. Das Erstaunliche: Die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Wellen
erwies sich als extrem niedrig. "Bei massivem, blasenfreien Eis liegt die
Ausbreitungsgeschwindigkeit bei knapp zwei Kilometern pro Sekunde, wir haben
aber eine Geschwindigkeit von nur rund 100 Metern in der Sekunde gemessen."
Das Material des Kometen müsste daher sehr porös und eher locker sein.
Allerdings konnte MUPUS sich nur wenige Zentimeter tief in den Untergrund
vorhämmern - und stieß somit auf eine unerwartet harte Oberfläche. "Das könnte
daran liegen, dass die oberste Schicht besonders hart und gesintert ist und
knapp darunter eine Schicht aus lockerem Material liegt", sagt
DLR-Planetenforscher Prof. Tilman Spohn, der auch wissenschaftlicher Leiter des
MUPUS-Instruments ist.
Auch wenn nicht alle Experimente exakt so durchgeführt werden konnten, wie
geplant: "Die Mission ist auf jeden Fall ein großer Erfolg: Wir haben es
geschafft, zum ersten Mal auf einem Kometenkern zu landen - das ist ein großer
Schritt", betont der DLR-Planetenforscher. Fotos unmittelbar über der
Kometenoberfläche, thermische Messungen direkt vor Ort, solche Messungen konnten
so noch nie zuvor durchgeführt werden. "Das Schicksal war gar nicht so ungnädig
mit uns - wir haben auf Churyumov-Gerasimenko eine ganz besondere
Oberflächenmorphologie vorgefunden mit einem Reichtum an Strukturen wie
Überhänge und Kratern, die wahrscheinlich durch Ausgasen entstanden sind, aber
auch sanddünenähnlichen Strukturen oder schroffen Landschaften. Diese Dinge
hatte man so nicht wirklich erwartet."
Die ESA hat über den genauen Ablauf der Landung vor einem Jahr heute einen
neuen Film veröffentlicht. Er ist unter anderem auf dem
Youtube-Kanal der ESA
zu sehen.
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