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Das verschwundene Wasser des Roten Planeten
von Stefan Deiters astronews.com
6. März 2015
Durch Beobachtungen mit einer Reihe von Teleskopen auf der
Erde über einen Zeitraum von sechs Jahren haben Wissenschaftler die Wassermenge
abgeschätzt, die mindestens einmal auf dem Mars vorhanden gewesen sein muss. Die Ergebnisse
deuten darauf hin, dass vermutlich fast ein Fünftel der Oberfläche des Roten Planeten von
Wasser bedeckt war.

Wissenschaftler glauben gute Beweise dafür zu
haben, dass es auf der Nordhalbkugel des Mars vor
rund vier Milliarden Jahren einen gewaltigen
Ozean gegeben hat.
Bild: ESO / M. Kornmesser / N. Risinger (skysurvey.org) [Großansicht] |
Gab es einst flüssiges Wasser auf dem Mars? Diese Frage beschäftigt
Wissenschaftler seit vielen Jahren, hat sie doch auch mit der Möglichkeit zu
tun, dass der Rote Planet einst lebensfreundlicher war als heute und sich dort
eventuell sogar einmal primitive Lebensformen entwickelt haben könnten. Auch durch
die Daten der Marsrover Spirit, Opportunity und nicht zuletzt
Curiosity sind sich Forscher
inzwischen sicher, dass es tatsächlich einmal flüssiges Wasser auf dem Mars gab. Doch wie viel
davon existierte auf der Oberfläche?
Beobachtungen mit dem Very Large Telescope der europäischen Südsternwarte
ESO, dem Keck-Teleskop und der NASA Infrared Telescope Facility
haben nun neue Daten geliefert, die zeigen, dass auf dem Mars einmal ausreichend
Wasser vorhanden gewesen sein muss, um die gesamte Oberfläche mit einer
Wasserschicht von 140 Metern Höhe zu bedecken. Es ist allerdings
wahrscheinlicher, dass es stattdessen eher einen großen Ozean mit einer Tiefe
von bis zu 1,6 Kilometern gab, der einen beträchtlichen Teil der Nordhalbkugel des Planeten bedeckte.
"Unsere Studie liefert eine solide Abschätzung darüber, wie viel Wasser es
einst auf dem Mars gab. Dies gelang durch die Bestimmung der Wassermenge, die
ins All verloren gegangen ist", erläutert Geronimo Villanueva vom Goddard Space
Flight Center der NASA. "Mit dieser Arbeit können wir die Geschichte des Wassers
auf dem Mars besser verstehen."
Für ihre Untersuchung machten die Wissenschaftler detaillierte Beobachtungen
von zwei leicht verschiedenen Varianten des Wassers in der Marsatmosphäre: Zum
größten Teil findet sich dort Wasser in seiner "normalen" Form, die aus zwei
Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom besteht. Es gibt allerdings auch eine
Form, die aus einem Wasserstoffatom, einen Sauerstoffatom sowie Deuterium
zusammengesetzt ist. Man bezeichnet diese Form des Wassers als
"halbschweres Wasser".
Dieses halbschwere Wasser ist schwerer als
normales Wasser und geht deswegen nicht so leicht ins All verloren. Je größer
der Wasserverlust der Marsatmosphäre im Verlauf der Geschichte also gewesen ist,
desto größer muss auch das Verhältnis von halbschweren zu normalem Wasser in dem
noch verbliebenen Wasser sein.
Das Team hat die Verteilung von normalem und halbschwerem Wasser in einem
Zeitraum von fast sechs Erdjahren - entsprechend etwa drei Marsjahren - immer
wieder kartiert. Die so entstandenen Karten zeigen saisonale Schwankungen und
lassen sogar ein Mikroklima erkennen, obwohl der Mars heute eher einem
Wüstenplaneten gleicht.
"Ich bin erneut überwältigt davon, wie leistungsfähig die Fernerkundung
anderer Planeten mit astronomischen Teleskopen ist", meint Ulli Kaeufl von der
europäischen Südsternwarte ESO, der für den Bau eines der verwendeten
Instrumente verantwortlich war. "Wir haben einen urzeitlichen Ozean in einer
Entfernung von mehr als 100 Millionen Kilometern gefunden."
Das besondere Interesse der Wissenschaftler galt den Polarregionen des
Planeten. In den dortigen Eiskappen befindet sich das größte bekannte
Wasserreservoir auf dem Mars. Und dieses Wasser verrät einiges über die Geschichte
des Wassers seit Ende der feuchten Epoche der Marsentwicklung vor etwa 3,7
Milliarden Jahren. Aus der hier gefundenen Rate von halbschwerem zu
normalem Wasser schlossen die Forscher, dass es auf dem Mars einmal einen Ozean
mit einer Wassermenge von mindestens 20 Millionen Kubikkilometern gegeben haben
muss.
Dieser Ozean dürfte sich, wenn man die Oberfläche des heutigen Mars anschaut,
vermutlich auf der Nordhalbkugel in den nördlichen Ebenen befunden haben. Er
hätte etwa 19 Prozent der Oberfläche des Roten Planeten bedeckt - der Atlantik
auf der Erde bedeckt rund 17 Prozent.
"Wenn der Mars eine so große Menge an Wasser verloren hat, war der Planet sehr
wahrscheinlich für eine längere Zeit feucht, als man bislang angenommen hat", so
Michael Mumma vom Goddard Space Flight Center. "Das könnte bedeuten, dass er
auch länger lebensfreundlich war."
Es könnte sogar sein, dass der Mars einst
über noch mehr Wasser verfügte, das sich unter der Oberfläche gesammelt hat. Die
entdeckten Hinweise auf ein Mikroklima und Änderungen im Wassergehalt der
Atmosphäre dürften somit auch interessant für künftige Missionen zur Suche nach
Wasser im Untergrund des Planeten sein.
Über ihre Ergebnisse berichten die Wissenschaftler jetzt in der Zeitschrift
Science.
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