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Großer Roter Fleck eine Art Sonnenbrand?
von Stefan Deiters astronews.com
14. November 2014
Die rötliche Färbung des wohl markantesten Sturmsystems im
Sonnensystem, des Großen Roten Flecks in der Atmosphäre des Gasriesen Jupiter,
könnte durch Wechselwirkungen des Sonnenlichts mit einfachen chemischen
Verbindungen zu erklären sein. Bislang war angenommen worden, dass hier
Material aus tieferen Schichten in die obere Atmosphäre gelangt ist.

Der Große Rote Fleck auf Jupiter. Ist
Sonnenstrahlung für die rote Farbe
verantwortlich?
Bild: NASA / JPL-Caltech / Space Science
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Der Große Rote Fleck in der Atmosphäre des Gasriesen Jupiter, eines der wohl
markantesten Sturmsysteme im Sonnensystem, könnte seine rötliche Farbe einer
Art Sonnenbrand verdanken. Diesen Verdacht äußerten Wissenschaftler in dieser
Woche auf einer planetenwissenschaftlichen Fachtagung der American Astronomical
Society in Tucson im US-Bundesstaat Arizona.
Danach würden im oberen Bereich des Sturmsystems durch Sonnenlicht einfache chemische Verbindungen
wie Ammoniak und Azetylen aufgespalten. Die These widerspricht der weit verbreiteten Vorstellung, dass die
Farbe durch Material zu erklären ist, das hier aus tieferen
Atmosphärenschichten in höhere Regionen gelangt.
Die neue These basiert auf Laborexperimenten und der Auswertung von Daten,
die die Saturnsonde Cassini während ihrer Jupiterpassage im Dezember 2000 mit
dem Visible und Infrared Mapping Spectrometer (VIMS) gemacht hat. Im Labor wurde
eine Mischung von Gasen, die in der Jupiteratmosphäre existieren, ultravioletter
Strahlung ausgesetzt, um die Sonneneinstrahlung zu simulieren. Dadurch entstand
ein rötliches Material, das in seinen Eigenschaften gut zu den VIMS-Daten
passte. Grundlage war ein Modell, in dem sich das rötliche Material in den
obersten Schichten des Großen Roten Flecks befindet.
"Unsere Modelle deuten darauf hin, dass der überwiegende Teil des Großen
Roten Flecks relativ farblos ist", erläutert Kevin Baines vom Jet Propulsion
Laboratory der NASA im kalifornischen Pasadena. "Unter dem rötlichen
'Sonnenbrand' sind die Wolken vermutlich eher weiß oder gräulich." Entscheidend
dafür, dass dieser Prozess ablaufen kann, sei, dass der Große Rote Fleck in deutlich
höhere Regionen reicht als andere Wolken in der Jupiteratmosphäre.
Die Theorie von Baines und seinen Kollegen widerspricht der von vielen Wissenschaftlern bislang bevorzugten These,
dass die rötliche Farbe sich durch chemische Verbindungen erklären lässt, die
hier durch das gewaltige Sturmsystem aus tieferen, eigentlich von Wolken
verborgenen Regionen der Jupiteratmosphäre
an die Oberfläche gelangen. Sollte das rötliche Material tatsächlich in tieferen
Schichten entstanden sein, so Baines, müsste es aber auch in anderen Höhen sichtbar
sein und der Große Rote Fleck eigentlich eine deutlich rötere Farbe haben.
Jupiter besteht hauptsächlich aus Wasserstoff und Helium und Spuren von
anderen Elementen und komplexeren Verbindungen. Für die Planetenforscher ist es
daher interessant herauszufinden, welche Prozesse und Stoffe für die
vielfältigen Farben in der Atmosphäre des Gasriesen verantwortlich sind. Dies
sollte ihnen nämlich auch einiges über den Aufbau des Planeten verraten.
Der Große Rote Fleck ist ein riesiger ovaler Wolkenwirbel, der mindestens schon
seit Anfang des 19. Jahrhunderts bekannt ist. Manche glauben sogar, dass er
bereits Ende des 17. Jahrhunderts erstmals beobachtet wurde, doch ist
umstritten, ob es sich bei den damaligen Beobachtungen tatsächlich um den Großen
Roten Fleck gehandelt hat. Der Durchmesser dieses Sturmsystems ist
deutlich
größer als der Durchmesser der Erde, hat aber in den letzten Jahrzehnten ständig
abgenommen (astronews.com berichtete).
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