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Jupiter und ein Blick zu Andromeda
von
Stefan Deiters astronews.com
1. Oktober 2013
Mit dem Herbst übernehmen langsam die Sternbilder dieser
Jahreszeit das Regiment am Himmel, allerdings dank der früher einsetzenden
Dunkelheit deutlich weniger auffällig als man vielleicht glaubt. Jupiter baut
seine Sichtbarkeit am Abend weiter aus, die Venus ist in der Abenddämmerung zu
sehen. Mitte des Monats gibt es eine Halbschattenfinsternis des Mondes, die aber
wohl kaum jemand bemerken wird.

Blick an den Osthorizont am Abend des 25. Oktober 2013:
Jupiter ist im Sternbild Zwillinge zu sehen, ganz in der Nähe
der Mond.
Bild: astronews.com / Stellarium |
Seit etwas mehr als einer Woche haben wir nun Herbst: Die Jahreszeit der
bunten Wälder und Stürme begann offiziell am 22. September um 22.44 Uhr MESZ. Da
sollte man erwarten, dass inzwischen auch am nächtlichen Himmel die
Herbststernbilder das Regiment übernommen haben.
Wer allerdings abends an den Himmel schaut, wird schnell feststellen, dass
der Himmel zurzeit nicht wesentlich anders aussieht als noch vor vier Wochen.
Das hat einen einfachen Grund: Der Effekt der langsam nach Westen ziehenden
Sternbilder wird von der früher untergehenden Sonne in etwa ausgeglichen.
Sogar noch einige Sternbilder des Sommers lassen sich ausmachen und
erinnern an die wärmere Jahreszeit: So ist das
Sommerdreieck [Findkarte]
aus den Sternen Deneb im Sternbild Schwan, Wega in der Leier und Altair im Adler
noch deutlich am Himmel zu sehen.
Aber selbstverständlich lassen sich auch die Konstellationen des Herbstes
schon erkennen, allerdings sind die Sterne der typischen Herbststernbilder
weniger hell und damit auch weniger auffällig. Charakteristisch für den Herbst
ist etwa im Osten das große Viereck des Pegasus, gefolgt von Andromeda.
Das Sternbild Pegasus, das ein fliegendes Pferd darstellen soll, steht dabei
am Himmel auf dem Kopf. Das markante Viereck bildet den Körper des Pferdes, von
der unteren rechten Ecke gehen dann Hals und Kopf ab. Unterhalb von Kopf und
Hals liegt das Sternbild Wassermann. Denkt man sich eine Linie
durch die linke obere und die rechte untere Ecke des Pegasus-Vierecks deutet
diese auf Sadalmelik, den Hauptstern des Wassermanns. Der Stern ist 760
Lichtjahre von der Erde entfernt. Direkt östlich davon sind vier Y-förmig
angeordnete Sterne zu erkennen, die man auch als "Wasserkrug" des Wassermanns
bezeichnet.
In Andromeda lässt sich, ein dunkler Himmel und gute Augen
vorausgesetzt, noch ein ganz besonderes Objekt ausmachen: unsere Nachbargalaxie
Messier 31. Das Sternbild Andromeda ist vergleichsweise einfach zu erkennen:
Seine hellsten Sterne bilden vom Stern Sirrah oder Alpheratz, dem nordöstlichen
Stern des Pegasus-Vierecks, eine Linie aus vier Sternen. Vom dritten Stern,
Mirach, hangelt man sich dann - etwa im rechten Winkel - zu zwei
leuchtschwächeren Sternen hinauf und trifft schließlich so auf die
Andromedagalaxie.
Man darf allerdings hier, insbesondere, wenn man mit bloßem Auge beobachtet,
keine prächtige Spiralgalaxie erwarten, sondern lediglich ein lichtschwaches
nebliges Objekt. Das erklärt auch, warum diese und andere Galaxien vor 100
Jahren noch als "Nebel" bezeichnet wurden und es unter Astronomen eine lange
Diskussion darüber gab, ob es sich dabei nun um Galaxien wie unsere Milchstraße
oder tatsächlich nur um Nebel innerhalb der Milchstraße handelt. Erst durch
Beobachtungen von Edwin Hubble wurde diese Frage geklärt: Ihm gelang es nämlich
die Entfernung zum "Andromedanebel" zu bestimmen, so dass deutlich war, dass
diese Galaxie viel weiter entfernt ist, als unsere Milchstraße groß sein kann.
Ein weiteres auffälliges Sternbild am Himmel ist Kassiopeia.
Es ist das ganze Jahr über zu beobachten und steht derzeit hoch im
Nordosten. Wegen seiner eigentümlichen Form wird es oft auch
als "Himmels-W" bezeichnet. Von diesem Sternbild aus lässt sich leicht ein schönes
Beobachtungsobjekt für das Fernglas oder für kleine Teleskope finden: der
Doppelsternhaufen NGC 869 und NGC 884 [Findkarte],
der zwischen dem Himmels-W und Perseus liegt. Was zunächst wie ein kleiner heller
Klumpen aussieht, ist in Wirklichkeit eine Ansammlung von Hunderten von Sternen.
Astronomen haben über 400 gezählt, doch es gibt zweifellos weitaus mehr, die
aber von interstellarem Staub verborgen sind. Die Haufen sind rund 7.000
Lichtjahre von der Erde entfernt.
Bei den Planeten ist Venus noch immer "Abendstern" und ein wenig besser zu sehen als im letzten Monat. Sie wandert vom Sternbild Waage
in den Wassermann. Der Mars, unser anderer Nachbar im
Sonnensystem, ist hingegen in der zweiten Nachthälfte am Osthimmel im Sternbild
Löwe auszumachen. Er geht zwischen 1.30 und 2.00 Uhr MEZ auf.
Der Gasriese Jupiter wird immer mehr zum Planeten der ganzen
Nacht. Er befindet sich im Sternbild Zwillinge. Seine Aufgangszeiten verfrühen
sich von etwa 23 Uhr zu Monatsbeginn auf etwa 21 Uhr zu Monatsende. Kenner
wissen: Der Gasplanet steuert auf seine Oppositionsstellung zu, die er Anfang
Januar 2014 erreichen wird. Er wird uns also auch in den kommenden Monaten als
helles Objekt am Himmel begleiten. Der Ringplanet Saturn hat
sich hingegen vom Nachthimmel zurückgezogen.
Wer genau hinschaut, kann im Oktober sogar eine Mondfinsternis
beobachten: In der Nacht vom 18. auf den 19. Oktober tritt der Mond zu knapp 80
Prozent in den Halbschatten der Erde ein. Die Finsternis dauert von 23.48 Uhr
MESZ bis um 3.52 Uhr MESZ. Wer allerdings eine spektakuläre Verdunklung
erwartet, der wird enttäuscht sein: Halbschattenfinsternisse lassen sich sehr
leicht übersehen, da die Verdunklung des Mondes selbst zum Höhepunkt der
Finsternis minimal ist.
Sternschnuppenfreunde hingegen könnten im Oktober auf ihre Kosten kommen. In
diesem Monat lassen sich nämlich zwei Meteorschauer beobachten: In der ersten
Monatshälfte sind die Oktober-Draconiden zu sehen, die ihren Ausgangspunkt (den
sogenannten Radianten) am Himmel im Sternbild Drache haben. Daher kommt auch der
Name Draconiden, das Sternbild Drache heißt auf Lateinisch nämlich Draco. Der
Strom ist auf den Kometen 21P/Giacobini-Zinner zurückzuführen. Den ganzen
Oktober über ist zudem der Sternschnuppenstrom der Orioniden aktiv. Die Meteore
haben ihren Ausgangspunkt im Sternbild Orion. Mit dem Maximum wird am 21.
Oktober gerechnet.
Dass der Sommer nun endgültig vorüber ist, macht auch ein anderer Sachverhalt
deutlich: Ende Oktober endet nämlich auch die Sommerzeit und wir bekommen die Stunde, die
uns im Frühjahr "gestohlen" wurde, wieder zurück. Dies geschieht in der Nacht
vom 26. auf den 27. Oktober: Um 3 Uhr morgens wird die Uhr wieder auf 2 Uhr
zurückgestellt.
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